PATRICK WELTER

Heute schon gelacht? Wenn nicht, dann jetzt: Heute ist „Weltfriedenstag!“ Die UNO hat diesen Tag ins Leben gerufen. Da die Geschichte gerne den Zyniker gibt, wenige Tage vor 9/11. Seit dem ist die Sache mit dem Frieden so eine Sache geworden. Um nicht nur schwarz zu sehen, nennen wir ein paar Konflikte, die in den letzten Jahren entweder aus Einsicht oder auf Druck von außen beendet wurden. Das jüngste Beispiel ist der Frieden zwischen FARC und der kolumbianischen Regierung. Der Westbalkan - in den 1990ern übte man dort noch Völkermord - ist ziemlich befriedet, wobei weiterhin ausländische Truppen, insbesondere im Kosovo, für Ruhe sorgen. Selbst in Nordirland, wo man sich im Namen des Herrn dreißig Jahre lang gegenseitig in die Luft sprengte, ist Frieden eingezogen - gut möglich, dass der Brexit diesen Frieden wieder ruiniert. Ach ja… Argentinier und Briten haben auch schon länger nicht aufeinander geschossen. Geht doch!

Dann gibt es noch die eingefrorenen Konflikte: Zwischen Armenien und Aserbeidschan herrscht Kriegszustand, aber relative Ruhe. Ebenso im Streit zwischen Russland und Georgien um Süd-Ossetien und Abchasien. Nicht zu vergessen der Dauerkrach von Indien und Pakistan um Kaschmir .

Soweit die positive Friedensbilanz. Der „Global Conflict Tracker“ des „Council of Foreign Affairs“ sieht die Welt zwar aus US-Sicht, aber zeigt mit bunten Punkten - für critical, significant und limited - die konkreten Konflikte in der Welt auf. Der amerikanische Doppelkontinent ist mit Ausnahme des mexikanischen Drogenkriegs so gut wie befriedet, wobei zwei Dinge auffallen: Der Nachbar Kuba wird nicht mehr als Gefahr gewertet und den heraufziehende venezolanische Bürgerkrieg hat man noch nicht auf dem Radar. Die meisten Konflikte im Sub-Sahara Afrika werden als „limited“ eingestuft - mit anderen Worten auch bei den Friedensanalysten gilt der zynische Spruch „Vergesst Afrika“.

Die interaktive Karte ist von Libyen bis nach Kurdistan, mit Ausreißern bis zum Jemen und Afghanistan, mit vielen bunten Punkten gespickt. Man hat sich beim „Council of Foreign Affairs“ die Mühe gemacht, dieses blutige Ränkespiel aus Religion, Öl und Ethnien in einzelne Konflikte aufzudröseln. Ein dicker blutroter Punkt hätte gereicht, wir kenn das!

Angst machen drei andere rote (critical) Punkte auf der anderen Seite der Weltkugel. Davon schafft es nur einer regelmäßig in die Nachrichten - der kleine Feuerwerker Kim-Il Sun. Nordkorea gegen die großen USA. Klingt verrückt, könnte aber ins Auge gehen.

Die beiden anderen „critical“ Konflikte sind eigentlich nur einer. Die neue Supermacht China weitet ihre territorialen Ansprüche im süd- und im ost-chinesischen Meer durch knallharte Fakten aus - ohne Rücksicht auf die Nachbarn. Unbewohnte Felsen werden zu chinesischem Territorium und auf winzigen Inseln entstehen Luftwaffenbasen. China rückt Vietnam, den Philippinnen, Taiwan und Japan dreist auf die „Pelle“. Fast alle bedrängten Länder sehen die USA als ihre Schutzmacht, außerdem ist der Pazifik für Washington eine ureigene Einflusszone. China und die USA stehen sich also direkt gegenüber. Wenn dort der erste heiße Schuss fällt, haben wir alle ein „kritisches“ Problem…