FRANKFURT/LUXEMBURG
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Trump lässt Zinsen steigen - Banken und Versicherer hoffen

Steigende Zinsen - wie wäre das schön! Zumindest für Banken und Versicherungskonzernen. Während sich Unternehmen und Häuslebauer über günstige Kredite freuen, sieht das bei Banken, Versicherern und risikoscheuen Anlegern ganz anders aus. Die klassische Lebensversicherung und das Sparen auf dem Konto sind kaum noch attraktiv. Ausgerechnet die Entscheidung der US-Bürger für Donald Trump als Präsidenten könnte nun die Wende einläuten. Kurz nach der Wahl gibt es Hoffnungsschimmer - und Fragezeichen.

Nicht nur das Ergebnis der Wahl - auch die Reaktion an den Finanzmärkten fiel ganz anders aus als gedacht. Die Aktienkurse in Europa legten nach dem ersten Schock sogar zu, an der Wall Street ging es direkt aufwärts. Und die Renditen für Staatsanleihen zogen sogar kräftig an.

Zinswende in den USA hat begonnen

Experten rechnen unter Trump mit einem Anstieg der Staatsausgaben. „Dann wird es wahrscheinlich wieder mehr Inflation und höhere Zinsen geben“, zeigt sich der Finanzchef von Europas größtem Versicherer „Allianz“, Dieter Wemmer überzeugt. So könnte sich die US-Notenbank Fed in ihrer eingeleiteten Zinswende bestärkt sehen - was deren Chefin Janet Yellen jetzt wieder unterstrich. Ein plötzlicher Zinsanstieg würde allerdings die stillen Reserven in den Bilanzen der Versicherungsunternehmen schmelzen lassen - und manche zu Abschreibungen zwingen.

Nicht nur von höheren Zinsen könnten Banken profitieren: Bei der Deutschen Bank haben die Spekulationen über Trumps Politik bereits dem gebeutelten Aktienkurs auf die Sprünge geholfen. Neue Weichenstellungen, so glauben die Analysten der britischen Bank Barclays, könnten für den deutschen Branchenprimus eigentlich nur gut sein. Sollte Trump die Regeln für Banken in den USA lockern, dürfte die Deutsche Bank mit ihrem umfangreichen Geschäft dort profitieren. In anderen Branchen dürfte ein Zinsanstieg für weniger Freude sorgen. So könnte sich die 66 Milliarden US-Dollar schwere Rekord-Übernahme des US-Saatgutspezialisten Monsanto durch den deutschen Pharma- und Pflanzenschutzkonzern Bayer merklich verteuern.

Die Europäische Zentralbank (EZB) bleibt jedenfalls im Krisenmodus. Es gebe zwar „viele ermutigende Entwicklungen in der Wirtschaft des Euroraums“, sagte EZB-Präsident Mario Draghi gestern bei einem Bankenkongress in Frankfurt. Die Erholung sei aber nach wie vor in hohem Maße abhängig von einer „anhaltenden geldpolitischen Unterstützung“. Deutsche-Bank-Chef John Cryan hielt Draghi zwar zugute, er sei „wahrscheinlich der Einzige in Europa“, der handele. Aber den Banken helfe die EZB-Politik nicht. An den Anleihenmärkten beispielsweise erschwere die EZB als großer Käufer die Geschäfte. „Die Geldpolitik hat notwendige Reformen abgewürgt“, konstatiert die Deutsche Bank Anfang des Monats.

Vielleicht als Antwort zu Trumps Andeutungen warnte der EZB-Präsident davor, die nach der jüngsten Finanzkrise weltweit verschärften Regeln für die Finanzbranche aufzuweichen. „Es ist Zeit, die Regulierung abzuschließen und in eine Phase der Stabilität einzutreten“, sagte Draghi. Während zwar bei den Regulierungen noch geringfügige Anpassungen möglich wären, sollte es vor das, was an Regulierungen entschieden wurde, keine Rolle rückwärts geben.

Wenn der künftige US-Präsident Donald Trump dafür sorgt, wichtige Regeln für die Finanzbranche abzuschaffen, um die Kreditvergabe anzukurbeln, geht das auch an Europa nicht spurlos vorbei.