LUXEMBURG
ANNETTE WELSCH

„Comité de surveillance du SIDA“ legt Jahresbericht 2015 vor - 94 neue Aids-Fälle

Um 35 Prozent konnten die Neuinfektionen an Aids weltweit seit 2000 reduziert werden, und seit 2004 konnten die Sterbefälle aufgrund einer Aidserkrankung gar um 42 Prozent gesenkt werden. Das meldet die UNO für das Jahr 2015. In Luxemburg seien die Zahlen leider weniger gut: 94 neue Fälle sind 2015 erfasst worden - 67 Männer und 27 Frauen -, davon 57 Patienten, die vorher weder hier noch in einem anderen Land registriert waren. Das schreibt das „Comité de surveillance du SIDA“ in seinem - sehr kritischen - Jahresbericht 2015.

Betrachte man es genauer, so würden sich Optimisten freuen, dass es zum ersten Mal in der Gruppe der Männer, die Sex mit Männern haben, zu einem spürbaren Rückgang von 35 Fällen 2014 auf 28 Fälle 2015 kam. Mit 36 Fällen führt die Ansteckung durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr übrigens die Liste an.

Pessimisten wären dagegen schockiert von der Zahl neuer Diagnosen bei den Drogensüchtigen, denn hier würde mit 20 Fällen die Rekordzahl des Jahres 2014 von 19 Fällen noch getoppt. „Das ist ein enormes Problem und Abhilfe schaffen ist nicht einfach“, schreibt das Aids-Komitee. 90 Prozent von ihnen haben zudem Hepatitis C und die Mehrheit hat bereits ein Methadon-Programm hinter sich.

Das Prinzip „Behandlung als Prävention“ ausbauen

Das Komitee setzt sich deswegen heftigst dafür ein, dass Luxemburg sich das ehrgeizige UNO-Ziel 90-90-90 zu eigen macht: 90 Prozent der Infizierten erkennen, 90 Prozent der positiv Getesteten behandeln und 90 Prozent der Personen, die eine Behandlung begonnen haben, sollen auch dabei bleiben und eine nicht mehr detektierbare Virusbelastung aufweisen. Dafür müsse breit das Prinzip „Behandlung als Prävention“ angewandt werden. Seit 2015 würde die „European AIDS Clinical Society“ denn auch empfehlen, dass jede diagnostizierte Person auch behandelt wird. Das Aids-Komitee empfiehlt eindringlich, dass Luxemburg diesem Weg folge.

Es hofft zudem, dass Luxemburg sich für eine genau definierte und gut betreute Zielgruppe an Personen Frankreich anschließt: Dort wurde im vergangenen Jahr die Präexpositionsprophylaxe (PrEP) temporär zugelassen und auch den Personen mit Ansteckungsrisiko, die keine Präservative zum Schutz verwenden können oder wollen, die Kosten dafür erstattet. PrEP ist eine biomedizinische Präventionsmaßnahme, bei der HIV-negative Personen präventiv Medikamente der HIV-Therapie einnehmen, um sich vor einer möglichen HIV-Infektion zu schützen.

Das Aids-Komitee weist noch auf ein weiteres Problem hin: HIV-positive Asylbewerber, die teils im kritischen Zustand nach Luxemburg kamen und denen es dank der effizienten Behandlung hier mittlerweile besser geht, werden gebeten, das Land zu verlassen, obwohl sie weiterhin eine medizinische Behandlung brauchen. „Die europäischen Länder interpretieren aktuell die europäische Menschenrechtskonvention sehr restriktiv, es muss fast eine Todesgefahr kurz bevorstehen, um in den Genuss eines Toleranzstatuts zu kommen“, heißt es im Bericht.

Dabei werde zu wenig berücksichtigt, ob im Herkunftsland die weitere Behandlung gewährleistet ist - in allen Regionen des Landes, gratis und auch für Minderheiten, wie homosexuelle Männer sowie für Drogensüchtige. Das Komitee drückt denn auch seine Hoffnung aus, dass Luxemburg als eines der weltweit führenden Länder in puncto Entwicklungshilfe weiterhin die medizinische Situation der betroffenen Personen Fall für Fall auswerte, damit jede auf seinem Gebiet lebende Person Zugang zu der Behandlung bekommt, die sie braucht.