LUXEMBURGCLAUDE KARGER

Schriftexpertin des Bundeskriminalamts analysiert „Bommeleeër“-Erpresserbriefe

Dass die acht Erpresserbriefe, die die „Bommeleeër“ an die Cegedel und die Gendarmerie verschickten nicht von englischen Muttersprachlern verfasst worden sein können, fällt selbst dem Laien sofort auf. Der Autor versucht nämlich dauernd deutsche oder französische Wörter oder Satzstrukturen ins Englische zu übertragen. Aber lassen die Schriftstücke, von denen das erste am 29. April 1985 (zwei Tage nach dem Anschlag auf den Hochspannungsmast auf Schlewenhof) und das letzte am 17. Februar 1986 (am Tag nach dem Attentat auf das Haus von Notar Hellinckx) an die Autoritäten gingen (s. Auszüge) zusätzliche Schlüsse zu? Etwa darauf ob es einen oder mehrere Schreiber gab, auf Nationalität, Studium oder Beruf?

Wenige Anhaltspunkte

Mit der Klärung dieser Fragen war die Schriftexpertin Dr. Christa Dern vom Bundeskriminalamt Wiesbaden beauftragt worden, die gestern ihre Arbeit vor der Kriminalkammer im „Bommeleeër“-Prozess erläuterte. Wobei die Expertin gleich eingangs darauf verwies, dass einige Schreiben aufgrund ihrer Kürze sehr wenige Anhaltspunkte bieten würden.

Darauf zu schließen, wie es der FBI-Bericht aus dem Jahr 1986 tat, dass der Autor eine Universitätsausbildung habe oder einen technischen Beruf ausübe, bezeichnete Dr. Dern als „unseriös“. Hätte der Schreiber eine derartige Ausbildung in einem englischsprachigen Land absolviert, müsse er besser Englisch schreiben und technische Ausdrücke verwenden.

Der Autor habe aber auf jeden Fall eine gewisse fremdsprachliche Kompetenz, allerdings habe er noch keinen eigenen Stil entwickelt, da er sich, wie aus den Briefen erkennbar sei, noch zu sehr mit den einfachen Regeln der Sprachbenutzung hadere.

Ein einziger Autor

Zwar benütze er einige amerikanische Ausdrücke, allerdings hätten die auch damals in Fernsehen und Medien in Europa aufgeschnappt werden können.

Für die Expertin besteht kein Zweifel daran dass der gleiche Autor die ersten sieben Erpresserbriefe geschrieben hat. Brief Nummer acht (s. unten rechts) sei indes zu kurz, um ihn dem Schreiber der anderen Briefe zuordnen zu können. Die Schriftexpertin hatte die Briefe auch mit Dokumenten verglichen, die der ehemalige BMG-Chef Ben Geiben im Rahmen von Kursen beim FBI verfasst hatte. Auch in dessen Texte kämen Sprachfehler vor, so Dr. Dern, es sei aber nicht möglich zu sagen, ob er identisch mit dem Verfasser der Erpresserschreiben ist.

Auch die Struktur der Dokumente hatten Analysten beim BKA unter die Lupe genommen. Dabei wurde festgestellt dass der Autor sicher im Umgang mit Schreibmaschinen war, dass er gewohnt war, Sachverhältnisse klar darzustellen. Aufgefallen war auch, dass die Texte wie in Verträgen, polizeilichen oder militärischen Befehlen aufgebaut sind, sowie die militärische Schreibweise der Uhrzeit. Auch die Verwendung eines Codes sei eher bei Militär oder Polizei üblich.

Heute findet keine Verhandlung im „Bommeleeër“-Prozess statt. Morgen wird eine Molekularbiologin den Bericht über die DNA-Probe des Zeugen Andreas Kramer vortragen. Anschließend kommt ein Sprengstoffspezialist zu Wort.