LUXEMBURG
MARCO MENG

Der Postmarkt in Luxemburg ist heiß umkämpft

Die Öffnung der EU-Märkte für Postdienstleistungen hat laut Luc Tapella, Direktor des „Institut Luxembourgeois de Régulation“ (ILR), auch den Konsumenten in Luxemburg Vorteile gebracht. Das sagte Tapella gestern bei der Vorstellung des Berichts über den luxemburgischen Brief- und Paketmarkt. Das ILR hat unter anderem die Aufgabe, neben Strom und Telekommunikation auch den Postmarkt im Interesse der Konsumenten zu überwachen. Das tut das Institut durch regelmäßige Kontrollen, bei denen beispielsweise gemessen wird, wie lange es dauert, bis Sendungen zugestellt werden.

Ein besonderes Augenmerk wird dabei natürlich auf die Post Luxembourg gelegt, die als ehemaliger Monopolist als einziges Unternehmen im Land einen sogenannten Universaldienst anzubieten verpflichtet ist, also die Sicherstellung einer flächendeckenden Grundversorgung mit Postdienstleistungen zu erschwinglichen Preisen. Hier gibt es laut Tapella keine Schwierigkeiten, da die Post alle Kriterien erfülle.

26 Wettbewerber

Neben der Post sind in Luxemburg aber vor allem im Paketmarkt inzwischen zahlreiche andere Unternehmen aktiv, ist doch das Paketgeschäft dank des Onlinehandels die Sparte, die wächst, während der E-Mail-Verkehr dafür gesorgt hat, dass stetig weniger Briefe verschickt werden. „Beide Märkte unterscheiden sich stark“, erklärte dazu Marc Kohll, „Chef de Service* des ILR. Inzwischen sind hier 26 Unternehmen mit zusammen 1.900 Beschäftigten aktiv, vor allem im Paketgeschäft. Einnahmen von 120 Millionen Euro 2016 für Briefsendungen und 39 Millionen Euro für Päckchen und Pakete, eine Steigerung gegenüber 2015 von 4,9 Prozent, generierten sie damit. Etwa 191 Millionen Brief- und Paketsendungen waren 2016 insgesamt in Luxemburg verschickt oder empfangen worden.

Einen großer Anteil beim Briefverkehr haben Massensendungen von Unternehmen und Staat, die mehr als 50 Prozent des nationalen Briefverkehrs ausmachen. Auch ist beim Briefverkehr festzustellen, dass viel mehr aus Luxemburg rausgeht als reinkommt (die Zahl ist auf zehn Prozent gesunken), was mit den vielen internationalen Unternehmen, die in Luxemburg sind, zu tun haben dürfte, schätzt das ILR. Umgekehrt beim Paketverkehr: „Das ist ein Markt, der immer noch wächst“, sagte Kohll. 2016 wurden in Luxemburg acht Millionen Pakete verschickt oder angenommen, 4,6 Millionen waren Sendungen aus dem Ausland für einen Empfänger im Großherzogtum. Wie das ILR mitteilt, sind derzeit Analysen in Brüssel für den grenzüberschreitenden Paketdienst im Gange mit der Fragestellung, wie Hürden reduziert werden können. „Seit der Liberalisierung ist die Qualität gestiegen“, resümiert der ILR-Direktor, was er daran festmacht, dass der Kunde nun die Wahl habe und nicht mehr von einem Monopolisten abhängig sei. Seit 2011 hat das ILR auch einen „Service de Mediation“ eingerichtet. Gab es in den letzten Jahren nur wenige Reklamationen, beispielsweise wegen verloren gegangenen Paketen, waren es 2016 elf. „Das hat wohl vor allem damit zu tun, dass sich der Mediationsservice herumgesprochen hat“, meint Tapella.