LUXEMBURG
CORDELIA CHATON

Die „Société Nationale de Crédit et d‘Investissement“ zieht Bilanz

Die staatliche Investitionsgesellschaft „Société Nationale de Crédit et d´Investissement“ (SNCI) hat im abgelaufenen Geschäftsjahr deutlich weniger Kredite vergeben. Die SNCI ist darauf spezialisiert, mittel- bis langfristige Projekte von Unternehmen in Luxemburg zu finanzieren. Im Jahr 2019 hatte der Verwaltungsrat globale Ko-Finanzierungsprojekte in einer Gesamthöhe von 24,1 Millionen Euro beschlossen. 2018 lag diese Summe noch bei 60,1 Millionen Euro. Das teilt die SNCI in ihrem Jahresbericht mit.

Langwierige Konsequenzen der Corona-Krise

Darin geht sie auch auf den allgemeinen Kontext ein. Obwohl Luxemburg sich 2019 relativ resistent gezeigt habe, herrsche Unsicherheit, insbesondere durch die Coronakrise. Deren Konsequenzen werden noch lange anhalten, fürchtet man bei der SNCI.
Die SNCI gewährte 2019 kleinen und mittleren Unternehmen in Luxemburg elf Kredite für Material und Ausstattung in einer Gesamthöhe von 4,4 Millionen Euro. Am meisten profitierte das Hotel- und Gaststättengewerbe davon, auf das 2,5 Millionen Euro Kredite entfielen. Weitere 1,8 Millionen Euro wurden Industrieunternehmen gewährt. Die Gesamtsumme der Kredite lag deutlich unter der von 2018, als es  noch 11,12 Millionen Euro für diese Kreditsparte gewesen waren.
In Übereinstimmung mit der Regierungspolitik investierte die SNCI in Unternehmen des Raumfahrtbereichs. So kofinanzierte sie zehn Millionen Euro Investment in Orbital Ventures S.C.A., einen Luxemburger Investmentfonds, der in Raumfahrtunternehmen investiert, die sich gerade entwickeln oder neue Technologien für den Sektor vorweisen können. Im Fonds sind auch Banken vertreten, unter anderem die BCEE, die BGL BNP Paribas und die BIL sowie die Unternehmen OHB, Promus Ventures, POST Luxemburg und SES. Die SNCI könnte unter bestimmten Bedingungen ihr Investment auf 18 Millionen Euro anheben.

Zwei Unterfonds für den LFF

Der Luxembourg Future Fund (LFF), der 2015 in enger Zusammenarbeit mit dem Europäischen Investment Fund aufgelegt worden war, hat 2019 direkt und indirekt in innovative kleine und mittlere Unternehmen und Technologien investiert. Aus Organisationsgründen wurde der LFF 2019 in zwei Unterfonds aufgeteilt. Der mit insgesamt 150 Millionen Euro dotierte Fonds investierte gemeinsam mit dem Paladin European Cyber Fund in Cyber-Hedge Europe, ein Unternehmen aus dem Bereich der Cybersicherheit, das in Luxemburg seine europäische Zentrale hat. Darüber hinaus investierte er gemeinsam mit anderen Fonds in die Fintech-Unternehmen Digital Origin Technology sowie LendInvest. Digital Origin will seinen Sitz nach Luxemburg verlegen. Das auf Immobilienfinanzierung spezialisierte LendInvest will hier neben seiner Zentrale in Großbritannien eine weitere gründen. Darüber hinaus beschied die LFF ein Invest in MiddleGame Ventures positiv, das auf Fintechs spezialisiert ist. Engagements gegenüber den Investmentfonds Advent Life Sciences Fund sowie Digital Tech Fund wurden fortgeführt. Finanzminister Pierre Gramegna begrüßte die Initiativen.
Die SNCI antwortet einmal im Monat im „House of Entrepreneurship“ der Handelskammer Interessenten auf Fragen und erklärt ihre Finanzierungsinstrumente. Sie kaufte 2019 eine Immobilie am Boulevard Emmanuel Servais als neuen Sitz, in der auch noch Platz für andere ist. Mit Blick auf COVID-19 erließ sie ein Moratorium und weitete auch Kreditmöglichkeiten aus. Das Ergebnis für 2019 belief sich auf 28,25 Millionen Euro gegenüber 38,93 Millionen Euro für 2018.