MAYEN
CHRISTIAN SPIELMANN

Aus einer Mayener Legende wird das Musical „Genoveva“

Die Legende von Genoveva, der angeblichen Tochter des Herzogs von Brabant, erzählt man sich seit etlichen Jahrhunderten in Mayen. Eine erste Niederschrift stammt aus dem frühen 14. Jahrhundert. Genoveva soll um 730 gelebt haben und war mit einem Pfalzgrafen namens Siegfried verheiratet. Historische Belege dafür gibt es aber keine. Als Siegfried in den Krieg gezogen war, machte sich der Stadthalter Golo an die junge Frau heran. Da sie seine Gefühle nicht erwiderte, beschuldigte er sie des Ehebruchs und verurteilte sie zum Tode. Genoveva wurde jedoch vom Henker verschont. Sie gebar in einer Höhle ihren Sohn, der von einer weißen Hirschkuh genährt wurde. Die Muttergottes Maria sorgte für das Wohl der beiden, die sechs Jahre später von Siegfried gefunden wurden. Der Graf ließ Golo vierteilen. Diese Geschichte ist die Basis für das Musical „Genoveva“, das im Rahmen der Burgfestspiele in Mayen am Wochenende seine Premiere in der Genovevaburg feierte.

Eine alte Geschichte in neuem Gewand

Festspielintendant Peter Nüesch schrieb das Buch und die Liedtexte und inszenierte das Musical. Er wollte kein klassisches Historienspektakel zeigen und verlegte das Ambiente in die Neuzeit. So tragen die Darsteller und Darstellerinnen moderne Kleider und sprechen die Sprache des 21. Jahrhunderts. Siegfried (Simon Mehlich) ist immer noch ein Graf, der in den Krieg gegen die Heiden zieht, und sein bester Freund Golo (Roberto Simone) ein Ritter. Der Graf feiert vor seiner Abreise ins Abendland Hochzeit mit Genoveva (Fabienne Hesse), die er dann in Golos Obhut übergibt. Golo ist heimlich in Genoveva verliebt, jedoch geht seine Geduld in schiere Wut über, als sie seine Liebe ablehnt, da sie schwanger ist. Er lässt sich auf eine Lügengeschichte der Magd Mathilda (Margareta Köllner) ein, die ihm erzählt, ihre Herrin hätte ein Verhältnis mit dem Hofnarren Drago (Volker Dörffel).

Hier bricht die linear erzählte Geschichte und macht einen Sprung von sechs Jahren. Wer die Legende nicht kennt, muss sich einen Moment gedulden, ehe man erfährt, dass Genoveva ihren Sohn Schmerzenreich (Jan Einfeld) im Wald gebar, eine weiße Hirschkuh ihn nährte und das unter der Obhut der Muttergottes Maria. Bei einer Jagd entdecken Siegfried und seine Gefolgsleute Genoveva und ihr Kind. Wutentbrannt verrät sich Golo durch einen Angriff auf die Diener Schnupf (Robby Plücker) und Pfau (Sascha Littig), denen er damals den Befehl gab, die Frau zu töten. Siegfried bestraft den Verräter und kann seine Frau zurückgewinnen.

Eine breite musikalische Palette

Etwas komisch wirkt die Tatsache, dass ein mit einem modernen Anzug bekleideter Graf gegen Heiden in den Krieg zieht. Dann zeichnen sich die zeitlosen Elemente der Geschichte ab, wie Liebe, Hass und Gier, und es wird klar, dass der Mensch noch immer nicht immun gegen diese Gefühle geworden ist.

Carsten Braun komponierte unter anderem die Musicals „Julchen“ (2010) und „Schinderhannes“ (2012) für die Schinderhannes-Festspiele in Simmern. Seine Songs zu „Genoveva“ klingen meist rockig und werden zuweilen von mittelalterlichen Tönen begleitet. Die Lieder, die am besten gefallen, haben sanften oder leicht poppigen Charakter, wie „Heute Nacht wird es passieren“, „Lass mich dein Freund sein“ und „Ich bin alles für dich“. Es gibt auch zwei lustige Nummern, „Einmal Gräfin sein“ und „Die richtigen Herren“ mit den schwulen Dienern Schnupf und Pfau.

Guido Drell sticht als wutentbrannter und verzweifelter Ritter aus dem Ensemble hervor, gefolgt von Volker Dörffel und Fabienne Hesse. Gefällige Musik und eine überzeugende Truppe übertünchen die geschichtlichen Mängel und machen aus „Genoveva“ ein überdurchschnittliches Musical.
Weitere Informationen auf www.mayen.de