LUXEMBURG
INGO ZWANK

Keine Angst, wenn der Wolf wieder zurückkommt - Realistische Einschätzung ist notwendig

Der Wolf wandert bei der Suche nach einem neuen Revier bis zu tausend Kilometer weit und er breitet sich langsam in Europa wieder aus. Nachdem er von Osteuropa nach Sachsen und Brandenburg in Deutschland eingekehrt ist und sich erfolgreich vermehrt hat, besteht zusätzlich über die Ausbreitung von Italien und Frankreich früher oder später Einwanderungsdruck auf Rheinland-Pfalz, das Saarland und auch Luxemburg.

Für die einen steht der Wolf als Symbol für unberührte Natur und Wildnis, für die anderen gilt er als Jäger, der die Existenz von Tierhaltern bedroht. Doch Angst vor dem Räuber ist unbegründet.

Schlechtes Image

Staatssekretär Camille Gira und Laurent Schley von der Naturverwaltung stellten gestern neue Dokumente zum „Wildtiermanagement“ vor - unter anderem ein technischer Bericht der Naturverwaltung betreffend „Wildtiermanagement und Jagd“, wo die Zielgruppe der Jägerschaft angesprochen wird. Denn früher war der Wolf der am weitesten verbreitete Beutegreifer der Welt, wie gestern ausgeführt wurde. Durch die unermüdliche Ausrottungsversuche bis ins 20. Jahrhundert hinein sind die Bestände stark geschrumpft. Dass der Wolf so ein schlechtes Image habe, dies habe nach Gira auch damit zu tun, dass man in der Kindheit die ein und andere Geschichte über das Tier gehört hat, auch in Märchen. „Wir müssen wieder zu den Tatsachen kommen“, so Gira . Es sei zwar noch kein Wolf in Luxemburg nachgewiesen worden, „doch wir sind bereit.“ So wurde der Aktions- und Managementplan für den Umgang mit Wölfen in Luxemburg vorgestellt, als „Spezialnummer des Technischen Berichts der Naturverwaltung betreffend Wildtiermanagement und Jagd“, wie es offiziell hieß. Erarbeitet wurde der Plan von der Begleitgruppe „Wolf“, die sich aus zahlreichen Interessensvertretern und staatlichen Institutionen zusammensetzt. „Wir wollten nicht den Kopf in den Sand stecken“, sagte Schley. Denn die Chance, dass der Wolf nach Luxemburg kommen könnte, ist gegeben. Sind doch zwei Drittel des Landes durchaus als Lebensraum für den Räuber geeignet. So könnte auch nicht ausgeschlossen werden, dass in Luxemburg schon der ein und andere Wolf war oder auch sei, dieser nur noch nicht aufgefallen ist.

Nutztierverluste werden zu 100 Prozent ersetzt

Auch werden in den neuen Papieren der Regierung und der Verwaltung Verhaltensmaßnahmen erklärt, sollte man auf ein Tier treffen (siehe Infokasten). Im Anhang ebenfalls zu finden: Wo kann man finanzielle Hilfe zum Schutz seiner Nutztier beantragen. Zielgruppe seien die Nutztierhalter der Region, auch um diese zu sensibilisieren. Hier ist das Konfliktmanagement ein Ansatzpunkt. So ist eine Förderung von bis zu 75 Prozent für Schutzmaßnahmen wie einem elektrischen Zaun möglich. 75 Prozent deshalb, da ja der Zaun auch gegen streunende Hunde schützen würde und daher eine Mitfinanzierung des Züchters akzeptabel wäre. Nutztierverluste aller Art könnten ersetzt werden, zu 100 Prozent, wenn es zweifellos nachgewiesen sei, dass der Wolf als Übeltäter entlarvt wurde. Eine normale Rissbegutachtung werde von der Naturverwaltung durchgeführt. Hierfür wird auch eine Hotline eingerichtet, da innerhalb kürzester Zeit eine DNA-Probe genommen werden muss. Eine solche Probe würde 100 Euro kosten, die aber von der Verwaltung getragen werden.

Sollte es sich herausstellen, dass ein sogenannter Risikowolf vor Ort anzutreffen ist, stehe die menschliche Sicherheit im Vordergrund, wie betont wurde, was durchaus mit einem Abschuss enden könnte.

Bei den Züchtern besteht die Gefahr, dass sich der Wolf durchaus eine bequeme Art der Nahrungsbeschaffung sucht und in eine Schafherde eindringen könnte. Die Gefahr, dass durch die Präsenz des Wolfes eine Herde, sei es Schafe oder auch Kühe, ausbreche, es so zu Schäden kommen könne und dann die Beweislast beim Halter liege, stelle eines der größten Probleme und Unsicherheiten bei den Züchtern dar, betonten diese gestern.

Ferner wurde eine Broschüre „Wölfe in Luxemburg“ vorgestellt mit praktischen Infos, die bei der Naturverwaltung bestellt werden kann - alle Hinweise auf eine Präsenz des Wolfes sollten umgehend der Naturverwaltung gemeldet werden, Emailadresse: wolf@anf.etat.lu

Tipp

Wie soll ich mich verhalten, wenn ich einem Wolf begegne?

„Eine zufällige Begegnung von Mensch und Wolf, ist sehr selten, da Wölfe den Menschen meist zuerst bemerken und sich dann nicht zeigen. Es wäre wie ein Sechser im Lotto“, sagte gestern Staatssekretär Camille Gira. Dennoch sei eine Begegnung wie bei ungünstigen Windverhältnissen nicht gänzlich auszuschließen. Deutlich wahrscheinlicher sei im Wolfsgebiet aber eine zufällige Beobachtung vom Auto aus, wenn ein Wolf nachts eine Straße überquert.

Doch wie soll man sich verhalten, wenn der Wolf den Weg kreuzt? „Grundsätzlich gilt: Wenn Sie einen Wolf sehen, verhalten Sie sich bitte ruhig. Bleiben Sie stehen und halten Sie Abstand“, sagt Laurent Schley. Bevor er aber vermutlich rasch verschwindet, sollte man sich sein Aussehen gut einprägen und die Sichtung melden.
„Wenn Ihnen die Situation nicht geheuer ist, laufen Sie nicht davon, sondern gehen Sie langsam rückwärts“, erklärt Schley. Falls der Wolf nicht wegläuft oder sich einem wider Erwarten annähert, „halten Sie an, schreien Sie ihn an und klatschen in die Hände.“

In Wolfsgebieten sollte man seinen Hund grundsätzlich immer anleinen. Es könne vorkommen, dass sich Wölfe für ihren Artgenossen den Hund interessieren und ihn als Konkurrenten ansehen, erklärte Schley.