SCHOENFELS/KOPSTAL
INGO ZWANK

Ministerium präsentiert Prüfungskatalog für gefährliche Straßenpassagen

Eine Frau fuhr auf der Strecke von Kopstal nach Mersch, als sie hinter dem Ortsausgang in einer Rechtskurve die Kontrolle über ihr Fahrzeug verlor. Sie geriet zunächst mit ihrem Fahrzeug auf den unbefestigten Straßenrand, prallte gegen ein Verkehrsschild und anschließend einen Baum, wo das Fahrzeug dann auch zum Stillstand kam. Die Frau wurde mit leichten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht. Baum-Kollisionen verursachen schwerere Verletzungen als andere Unfälle, sagen Verkehrsexperten. Und in den letzten 20 Jahren starben auf den Straßen des Großherzogtums über 250 Menschen durch solche Baumunfälle. Dabei sind laut Statec 60 Prozent der Opfer 18- bis 24-Jährige.

Baum-Kollisionen verursachen schwere Verletzungen

Als besonders gefährlich sieht der Verein die Streckenabschnitte zwischen Larochette und Medernach, Kopstal-Mersch oder auch Saeul-Brouch. Dies war und ist auch die Einschätzung von Paul Hammelmann, Präsident der Sécurité Routière - und nicht nur von ihm. Denn nach einigen Zwischenfällen und registrierten teils schweren Unfällen hat sich auch das zuständige Ministerium der Sache angenommen. Und hier kommt man zu dem Ergebnis: Die Bäume stellen eine Gefahr dar - deshalb müssen sie gefällt werden - was aber zu Unmut innerhalb der Bevölkerung führte.

Doch Ziel der Aktion ist es, Straßensicherheit weiterhin zu gewährleisten beziehungsweise zu erhöhen - was auch die Sécurité Routière mit Präsident Paul Hammelmann begrüßt. Deshalb hatte sich das Ministerium an die Arbeit gemacht und unter anderem zusammen mit der Polizei, der Straßenbauverwaltung oder auch der Sécurité Routière eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich dem Thema „Straßenbäume“ angenommen hat. Auch die Luxemburger Vereinigung für Unfallopfer im Straßenverkehr (AVR) möchte anhand dieser Arbeitsgruppe „Audits de sécurité“ grundlegende Veränderungen in der Luxemburger Straßeninfrastruktur erreichen. Gestern stellte Minister Bausch diese Ergebnisse vor Ort vor - einleitend mit dem Hinweis, dass ein Frontalzusammenstoß bereits bei 65 km/h tödlich sein kann, „und 70 km/h einem Fall aus dem siebten Stock gleichkommen!“ Damit ist auch schon das Hauptthema angesprochen, nämlich die Geschwindigkeit. Doch klar ist auch: „Selbstverständlich müssen eine Reihe von Bäumen, welche eine reelle Gefahr darstellen, abgeholzt werden“ - wie es auch die Sécurité Routière sieht.

„Audits de sécurité“

Ein Prüfschema wurde so ausgearbeitet und nach der ministeriellen Auswertung sind es auf der besagten Strecke - wie es zwei Arbeitssitzungen vor Ort ergaben- 15 Bäume, die abgeholzt werden müssen.

Diese Bäume werden im Bereich Gosseldingen im Rahmen von Kompensationsmaßnahmen ersetzt. „Dass diese Bäume anderorts ersetzt werden, kann man nachvollziehen, allerdings sollte dies wiederum nicht entlang einer Straße geschehen“, gibt Hammelmann zu bedenken. Er ergänzt: „Deshalb sei die Frage erlaubt, warum anstatt Bäumen keine Hecken entlang der Straßen angepflanzt werden? Eine Bepflanzung entlang der Straße und somit eine Beschränkung des seitlichen Sichtfeldes ist aus Naturschutz- und auch aus Verkehrssicherheitsgründen durchaus sinnvoll. Sie beschränkt die Geschwindigkeit auf eine natürliche Art und Weise. Hecken tun dies auf gleiche Weise und bleiben, auch auf Jahrzehnte gesehen, weitaus ungefährlicher.“

Ferner werden übrigens auf der Strecke CR 101 etwa 585 Meter Leitplanken gezogen, um die Verkehrssicherheit zu erhöhen.