LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Catherine Elsen präsentiert ihre One-Woman-Show „Love, Death & Polar Bears“

Sich selbst sieht Catherine Elsen als multidisziplinäre Künstlerin. Dass diese Beschreibung zutrifft, stellt sie in ihrer „One-Woman concert-performance“ mit dem interessanten Titel „Love, Death & Polar Bears“ unter Beweis. Kurz vor der Premiere am Montag im opderschmelz haben wir die 33-Jährige bei der Probe besucht. „Ich mag es, viele verschiedene Stile miteinander zu verbinden, Bewegung, Stimme, Schauspiel, Clownerie… In meiner eigenen Arbeit interessiert mich besonders die Kombination von Stimme und Körper, dieses Verschmelzen von Bewegung und Singen“, erfahren wir.

Ihre Ausbildung hat relativ klassisch angefangen, mit Schauspiel- und Improvisationskursen am Konservatorium. „Ich habe mich aber nicht so ganz in dieser Kunstwelt gesehen, weil mir das irgendwie zu realitätsfern war. Ich wollte etwas machen, was mit Leuten zu tun hat und mit der Gesellschaft. Dann habe ich Theaterpädagogik entdeckt“, erklärt sie und räumt auch gleich mit einem Vorurteil auf. „Ich bin keine ‚Theaterjoffer‘. Viele verbinden mit Theaterpädagogik etwas rein Pädagogisches, für mich ist es aber vielmehr ein künstlerischer Ansatz, eine Herangehensweise im Theater: Man startet mit einer Idee, ohne fertiges Skript, und entwickelt dann durch Improvisation oder Creative Writing ein Stück“.

Während ihres Bachelor-Studiums sei ihr Interesse am Tanztheater gewachsen. „Durch die Bewegung und durch die Improvisation mit dem Körper kann man etwas ausdrücken, was man mit Wörtern nicht sagen kann. Das passiert ganz intuitiv“, erklärt sie. Dieses Interesse hat sie nach London ans „Trinity Laban Conservatoire of Music and Dance“ geführt, wo sie ihren Master in „The body in performance“ machte und auch das Singen zunehmend für sich entdeckte. An dieser Begeisterung lässt sie uns an diesem Nachmittag gleich mehrfach teilhaben, denn immer wieder singt Catherine Elsen ein paar Zeilen, um zu verdeutlichen, was sie meint, wenn sie etwa von „Theatralität der Stimme“ oder „Singen mit einem theatralischen Aspekt“ spricht.

Apokalyptische Basisidee

„Love, Death & Polar Bears“ ist ein Performance-Stück, das sich in einem längeren Kreativprozess entwickelt hat. Aufgegriffen hat die Künstlerin Themen, die sie persönlich beschäftigen. Die Grundlage lieferte die Zeit, in der wir momentan leben. „Ich stelle sie als relativ apokalyptisch dar. Als Individuum fühlt man sich etwas zerrissen. Auf der einen Seite ist da dieser Narzissmus oder die Obsession mit der eigenen Persönlichkeit, die durch die Sozialen Medien zusätzlich gesteuert wird. Immer soll man der oder die Beste sein, als gäbe es eine verallgemeinernde Hierarchie. Dieses System stelle ich in Frage, da ja auf der anderen Seite auch dieses Gefühl von Isolation hinzukommt, je mehr uns die Sozialen Netzwerke die Illusion geben, ,connected‘ sein zu müssen“, beschreibt sie.

Inspiriert haben sie außerdem die ganzen Protestbewegungen der letzten Jahre, allen voran die aktuellen Klimamärsche der Jugend. „Es ist beeindruckend, dass eine 16-Jährige durch ihre Überzeugung und ohne sich manipulieren zu lassen, diese weltweite Bewegung schaffen konnte. Die junge Generation ist aufgewacht und will wachrütteln“, lobt sie. „Wegen der ganzen Fake News weiß man heutzutage fast nicht mehr, welcher Stimme man noch zuhören soll. Aus diesem Grund greife ich zwei Archetypen auf: einerseits den Manipulator, wozu der Politiker, der Geschäftsmann oder auch der Guru zählt, und anderseits den eher mythischen Charakter der Kassandra, die über die Gabe der Weissagung verfügt und Katastrophen prophezeit“.

Botschaft mit Unterhaltungswert

Es sei aber kein pädagogisches Stück, stellt Catherine Elsen klar: „Es geht mir nicht darum, mit dem Zeigefinger zu zeigen und den Leuten zu sagen, sie sollen weniger CO2 verbrauchen, vielmehr möchte ich das Publikum mit auf eine Reise nehmen, in der auch Humor steckt. Jeder soll sich im Endeffekt trotzdem seiner eigenen Ambiguität bewusst werden“. Der Unterhaltungswert spielt ganz klar eine Rolle, davon konnten wir uns während der kurzen Kostprobe mit starken visuellen Elementen überzeugen.

Für Catherine Elsen ist Kunst indes immer ein Weg, um eine Botschaft zu übermitteln. Nur singen, um zu singen, reiche ihr nicht. „Ich habe oft das Gefühl, dass die Politik oder diese offizielle Plattform nicht richtig funktioniert. Dass Leute ins Theater kommen, um mir eine Stunde zuzuschauen und zuzuhören, ist eine immense Chance, die ich nutzen will. Sie sollen nicht nur einen schönen Abend haben, ich will auch etwas mitteilen“, betont die Performerin. Die nötige Zeit, um herauszufinden, was sie überhaupt zu sagen habe, hat sie sich genommen: „Ich habe viele Stunden allein in diesem großen weißen Raum verbracht und dem Projekt Zeit gelassen, sich quasi selbst zu entfalten. Erst seit einer guten Woche steht die Struktur, nun konzentriere ich mich auf die Performance, um bei der Premiere am Montag dann auch wirklich alles so rüberzubringen, dass es Sinn macht“.

Universelle Sprache und Musik

In „Love, Death & Polar Bears“ steckt viel Musik, eigene Kreationen genau wie bekannte Songs und orientalische Klänge. „Ich mag Musik, Blues, Jazz, Chanson… Je nachdem, was ich sagen will, denke ich das Musikalische intuitiv mit. Lieder wie ,Stop in the name of love‘ von The Supremes, ,What is love‘ von Dr. Alban oder ,Wild is the wind‘ von Nina Simone haben mich beispielsweise inspiriert. Mir sind in diesem ganzen Prozess immer wieder Songzeilen in den Kopf gekommen, die ich dann eingebunden oder weiterentwickelt habe. Es gibt so viele gute Künstler und so viele schöne Lieder, die ich irgendwann einmal gehört habe und die ich dann wie in einem Archiv plötzlich in meinem Kopf wiederfinde. Ich habe mir die Freiheit genommen, alles zu kombinieren“, sagt die 33-Jährige.

Bedenken, das Stück in englischer Sprache zu verfassen, hatte die Künstlerin übrigens nicht. „So kann ich mich am besten ausdrücken. Von der Musik her, ist man sowieso ans Englische gewohnt, und ich denke nicht, dass Luxemburger heute noch ein Problem mit der Sprache haben. Ich habe versucht, einen ziemlich universellen Text zu schreiben, der zugänglich ist. Außerdem ist es ein Ziel, das Stück ins Ausland zu bringen. Bisher sind fünf Vorstellungen geplant, dabei soll es aber nicht bleiben. In diesem Projekt steckt viel Arbeit, seit sieben Wochen probe ich, es ist mein Baby. Ich habe lange auf diese Chance gewartet und bin überglücklich, dass mein Kollektiv Independant Little Lies in Koproduktion mit dem opderschmelz bereit war, es zu produzieren und ich dieses tolle Team nach meinen Wunschvorstellungen zusammenstellen konnte“, schwärmt Catherine Elsen. Am Ende wird sie trotzdem 60 Minuten lang allein auf der Bühne stehen, immerhin ist „Love, Death & Polar Bears“ eine One-Woman-Show. „Das wird ein kleiner Marathon“, lacht sie, „meine Co-Schauspieler sind der Bildschirm und die Musik“.

„Love, Death & Polar Bears“ feiert am 1. April um 20.00 Premiere im opderschmelz in Düdelingen. Weitere Termine: 2. April 20.00 im opderschmelz und 10.00 (Schulvorstellung), 29. Juni 15.20 und 16.45 beim Siren‘s Call im neimënster (Kurzversion), 23. Oktober 20.00 im Aalt Stadhaus Differdingen. Infos: www.ill.lu