LUXEMBURG
IZ

Blick in die Zukunft: Vernetzt, autonom und elektrisch sind wir bald unterwegs

Es werden fahrende Glaskästen - wie auf den Bildern zu sehen - sein, die durch die Straßen kurven. Keine Ampel, keine Staus behindern unsere Fahrt mehr. In den Innenräumen entspannen sich die Leute, sie sind nur noch Beifahrer. Glaubt man den Herstellern und ihren Fahrzeugstudien, werden künftige Autos anders aussehen als heutige - und das Leben vereinfachen. Immer noch Science-Fiction oder doch schon realitätsnahe Zukunftsmusik?

Der französische Autohersteller Renault beispielsweise hat in Luxemburg seine Strategie für die nächsten Jahre vorgelegt. „Drive The Future“ lautet Renaults Strategie für die Mobilität der Zukunft - mit den eingangs beschriebenen fahrenden Kästen.

Wie der maßgebliche Teil davon aussehen soll, hatte der Direktor von Renault Luxemburg, Arnaud Voisin, anlässlich des Autofestivals der Presse erläutert. In den kommenden Jahren will Renault - wie viele andere Marken auch - insgesamt im Bereich der Motorisierung aktiv werden. Acht rein elektrische und zwölf Hybrid-Modelle will man auf den Markt bringen, wie es offiziell von Unternehmensseite heißt. Ferner hat der französische Autohersteller angekündigt, 2019 in China ein neues, rein elektrisches City-SUV-Modell einführen zu wollen. Das präsentierte Showcar K-ZE soll da einen Ausblick auf das neue Modell bringen. Ab 2020 wolle Renault darüber hinaus seinen Kleinwagen Clio auch als Hybrid-Version anbieten; die Modelle Captur und Mégane sollen als Plug-in-Hybrid-Versionen auf den Markt kommen. Alle Zeichen stehen damit auf „elektronisch, vernetzt und auch autonom“, sagte Voisin. Denn Renault will sich als erster Großserienhersteller mit einer ganzen Flotte batterieelektrischer Fahrzeuge weiter hervortun. Ferner ist Vernetzung angesagt. So soll „My Z.E. Connect“ es dem Fahrer ermöglichen, den aktuellen Ladezustand, den Ladeverlauf sowie die verbleibende Ladedauer und Reichweite des Z.E. jederzeit vom PC, Smartphone oder Mobiltelefon abzufragen. Zusätzlich sei für Kangoo Z.E. und ZOE der vernetzte Service „My Z.E. Inter@ctive“ verfügbar. Batterieladung und Vorklimatisierung des Innenraums können dann aus der Ferne per PC oder Smartphone programmiert und gesteuert werden. Doch diese Vernetzheit ist nur ein Punkt in der „Vision Auto der Zukunft“. Das autonome Fahren ist ebenso ein großes Thema, was die Branche dominiert.

Forschung seit den 90er Jahren

Seit den 90er Jahren, wo autonomes Fahren noch wie Science Fiction klang, beschäftigen sich Ingenieure und Techniker beispielsweise bei BMW mit Fahrassistenzsystemen. Es wird prognostiziert, dass sich im nächsten Jahrzehnt sich die Automobilindustrie stärker verändern wird als in den letzten 30 Jahren. Denn die Techniker der Marken sprechen bereits von der Schwelle zum „hochautomatisierten Fahren“ - wobei man in diesem Bereich von fünf Leveln spricht. Die Einteilung erfolgt schrittweise: Ausgehend von Level 0 mit „Driver only“ - der Fahrer lenkt und fährt vollkommen ohne Unterstützung durch Fahrerassistenzsysteme - bis hin zu Level 5, bei welchem sich das Fahrzeug fahrerlos, also autonom, fortbewegt. Während Level 3 „Hochautomatisiertes Fahren“, Level 4 „Vollautomatisiertes Fahren“ und Level 5 „Autonomes Fahren“ noch Zukunftsmusik seien, sind die sogenannten Fahrerassistenzsysteme von Level 1 heute weit verbreitet. Einige Fahrzeuge bieten mit dem Lenk- und Spurführungsassistenten und ferngesteuertem Einparken bereits Assistenzsysteme aus Level 2, dem „Teilautomatisierten Fahren“ an.

Bei „Hochautomatisiertes Fahren“ ist das Fahrzeug mittels hochautomatisierter Systeme in der Lage, über längere Strecken und in bestimmten Verkehrssituationen wie bei Autobahnfahrten komplett selbständig zu fahren. Der Fahrer muss jedoch in der Lage bleiben, die Fahraufgabe innerhalb weniger Sekunden - hier werden Baustellensituationen genannt - wieder zu übernehmen.

Level 4 ist die Vorstufe zum autonomen Fahren, bei der das Fahrzeug den überwiegenden Teil seiner Fahrt selbständig navigiert. Die Technologie hierfür sei dann soweit weiterentwickelt, dass das Fahrzeug „selbst hochkomplexe urbane Verkehrssituationen“ wie erwähnter Baustellenbereich ohne Eingriff des Fahrers meistern kann. Der Fahrer muss dennoch fahrtüchtig sein, um im Bedarfsfall die Fahraufgabe übernehmen zu können. Im Gegensatz zu Level 3 und 4 ist beim völlig autonomen Fahren (Level 5) weder eine Fahrtüchtigkeit noch eine Fahrerlaubnis erforderlich - Lenkrad und Pedale sind dann absolut entbehrlich. Das Fahrzeug übernimmt alle Fahrfunktionen. Alle Personen im Wagen werden zu Passagieren.

System für Level 5

Jaguar Land Rover hat hier schon ein neues System zur besseren Kommunikation zwischen selbstfahrenden Fahrzeugen und Fußgängern entwickelt. Durch auf die Fahrbahn projizierte digitale Balken können so Fußgänger erkennen, ob das autonom fahrende Modell als Nächstes anhalten, losfahren oder nach links oder rechts abbiegen will. Die Abstände zwischen den waagerechten Balken seien variabel, wie es vom Unternehmen heißt. Sie würden während eines Bremsvorgangs immer enger, um sich beim Anhalten nahezu komplett zusammenzuschieben. Beim erneuten Beschleunigen weiten sie sich wieder und vor dem Abbiegen fächern sie in die gewählte Fahrtrichtung aus. Das neue System werde auf einer speziell vorbereiteten und realitätsgetreuen Straße getestet. In Zukunft könnten solche Projektionen sogar dazu genutzt werden, Hinderniserkennung und Reiseupdates mit Fußgängern zu teilen, wie die Abteilung für „Future Mobility Research“ von Jaguar Land Rover ausführt. Mit der ersten Generation von neuen Modellen dieser „autonomen Generation“ rechnen die Experten übrigens ab 2025.