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„Vendange tardive“ mit der „Domaines Vinsmoselle“: Die Spätlese wird gut

Es ist die französische Bezeichnung für Weine aus spätgelesenen, vollreifen und gegebenenfalls schon rosinierten Trauben: „Vendanges tardives“. Davon kann aber nicht der Süßegrad abgeleitet werden, denn die Bandbreite der „Spätlese“ reicht von trocken bis süß.

Die Winzergenossenschaft „Domaines Vinsmoselle“, in Person von Kellermeisterin Charlène Muller und dem Technischen Direktor Bernd Karl, gewährte gestern einen Blick in die „Spätlese-Lese“. Dazu ging es in die Gemarkung Mertert in den Weinberg „Rousebierg“, wo auf einem halben Hektar Pinot Gris gelesen wurde.

Eiswein bei dem Klima kein Thema

Bereits im letzten Jahr hatten die Mitglieder der darauf verzichtet, Trauben für eine mögliche Eisweinlese am Stock hängen zu lassen. Bei einer Eisweinlese müssen die Trauben durchgefroren sein. Dazu braucht es mindestens minus sieben Grad Kälte über mehrere Stunden. Die überreifen Trauben werden gefroren gelesen und gepresst. Eiswein ist besonders süß, weil ein großer Teil des Wassers in den gefrorenen Früchten zurückbleibt und der Zuckergehalt sehr hoch ist. Die Zukunft, wie es gestern auch Karl betonte, gehöre, wenn es um edelsüße Weine geht, dem Strohwein. „Denn mit Blick auf die klimatische Entwicklung, die fast keine Temperaturen von den erforderlichen minus sieben Celsius für die Lese - wie im letzten Jahr - bot, wird man sich hier anders aufstellen müssen.“ So wurden im letzten Jahr bereits im September rund 1.904 kg Gewürztraminer mit einem Oechslewert von 95° und weitere 1.940 kg Auxerrois mit 90° Oechsle gelesen. Nach einer zehnwöchigen Lagerung bot der Most der Gewürztraminer-Trauben einen Zuckergehalt von 188° Oechsle.

Auch in diesem Jahr ist also Eiswein kein Thema. So setzt man auf die Spätlese, womit eben weniger die Tatsache einer späten Lese verbunden wird, sondern „das Kriterium ist ein Minimum an Mostgewicht, dem Zuckergrad in Oechsle, was vollreife und damit süße Trauben erfordert“, erklärt Karl. Die Winzergenossenschaft hat sich hier selbst „plus/minus 130“ als Marke gesetzt, wie Karl es beschreibt. Auch wenn man bereits ab 105 ° von einer Spätauslese sprechen kann. Damit man die passenden Werte bekommt, verbleiben die Trauben am Stock und sie werden dem Grauschimmel ausgesetzt. Befällt der Pilz unreife Beeren, kommt es zur gefürchteten Sauerfäule oder Rohfäule. Werden erst die reifen Beeren ab etwa 80° Oechsle befallen kann es bei trockener Witterung zu Edelfäule kommen, welche Qualitätsauslese ermöglicht. Hierdurch wird die Haut der Trauben löchrig und das Wasser kann austreten.

Gute Qualität

Insgesamt ist die Winzergenossenschaft natürlich nicht ganz mit der Ernte zufrieden, „es fehlen uns gesamt gesehen sicherlich um die 40 Prozent.“ Dies ist auf erhebliche Frostschäden und auch die Trockenheit mit Hitze zurückzuführen. „So etwas haben wir hier wirklich noch nicht gesehen“, erzählt Karl mit Blick auf die Verluste - doch bei dem, was geerntet werden konnte, da sei die Qualität sehr gut.

www.vinsmoselle.lu