LUXEMBURG
SVEN WOHL

Netflix, Youtube und Spotify zeigen, wie sehr sich die Medien und unser Konsum verändert haben

Regalreihe um Regalreihe von DVDs, Blu-Rays und CDs füllen heute noch die Elektronikläden. Doch sie können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Dominanz der Disk bröckelt. Ihr Bestand schwindet Jahr für Jahr, die Käufer sind immer weniger dazu bereit, die hart verdienten Euroscheine auf den Tisch zu legen, um ein Album, einen Film oder eine Serie zu sehen. Selbst Videotheken konnten der Digitalisierung nicht standhalten. Wie auch? Mit einem Pauschal-Abo erhält man bei Streaming-Diensten Zugriff auf Kataloge, die man Zeit seines Lebens nie ausschöpfen könnte. 

Von den USA herüber nach Europa

Das hätte 1997 kaum jemand geglaubt. Nach der Gründung verschickte Netflix noch DVDs per Post. Damals war das Publikum überschaubar, das Format kaum etabliert. Doch der wachsende Erfolg der Alleskönner-Scheibe machte auch Netflix zu einem lukrativen Geschäft. Die US-Videothekenkette Blockbuster schlug einst das Angebot aus, den Emporkömmling zu kaufen. Heute sieht man deren Logo nur noch in Streifen, die in den 90ern spielen. Im Februar 2005 dann der nächste Schritt: Youtube ging an den Start. In kurzer Zeit wurde klar, dass Streaming nicht nur technisch leicht umsetzbar ist, sondern dass es dafür auch einen Markt gibt. Ein Markt, der wächst und in kürzester Zeit auch mobil wird. Netflix bot Streaming in den USA ab 2007 an, danach gab es kein Halten mehr. Die DVD-Verkäufe begannen zu sinken, während Titel um Titel die digitale Bibliothek von Netflix bereicherte. Es war nur eine Frage der Zeit, bis man den Blick gen neue Ufer richtete. In Europa fasste man schnell Fuß und 2014 erreichte Netflix das Großherzogtum. Seitdem expandiert man gen Asien.

Umwälzungen kündigen sich an

Heute ist Netflix nicht mehr allein. Der Name mag Synonym mit Streaming im Videobereich sein, doch Amazon und kleine Unternehmen versuchen, sich eine Nische zu schaffen. 2019 kündigt sich als turbulent an: Disney möchte auf den Markte drängen. Ein eigener Streaming-Service, prall gefüllt mit exklusiven Marvel- und Star Wars-Inhalten, wird um die Gunst des Publikums buhlen. Auf dem Fundament des 20th Century Fox-Deals kann Disney die Muskeln bei der Zahl angebotener Titel spielen lassen. Aber damit nicht genug: Am Horizont kündigt sich die nächste Streaming-Macht an, möchte auch Warner Bros. ein Stück des Kuchens für sich haben.

Wie viel die Kunden bereit sind, für mehrere Anbieter zu bezahlen, ist offen. Die Strategie, eigene Inhalte zu produzieren, hat sich jeder bei Netflix abgeguckt. Ob dieser mit weniger Inhalte anderer Produzenten überlebensfähig ist, bleibt offen. Eindeutige Gewinner sucht man vergebens. Die Verlierer dagegen sind klar: Die Vertreter der ersten Digitalisierungswelle, die DVDs, Blu-Rays und CDs, werden nach und nach verschwinden.

Was Streamingdienste ausmacht

Fließende Übergänge

Als Streaming bezeichnet man eine Datenübertragung, die ohne eine Abspeicherung auf dem Endgerät verläuft. Wer ein Video auf Youtube sieht, speichert dieses nicht ab. Deshalb wird auch gerne der Unterschied zwischen sogenannten reinen Video-On-Demand-Angeboten und Diensten wie Netflix gemacht. Bei Video-on-Demand leiht man einzelne Titel für eine feste Summe aus und lädt sie für eine begrenzte Dauer herunter. Bei Abo-Diensten wie Netflix wird dagegen jeder Inhalt per Stream verfügbar gemacht. Komplizierter wird es, wenn solche Streaming-Angebote auch eine Option zum Herunterladen anbieten. So erlaubt Netflix es mittlerweile, einige Folgen oder Filme auf dem Smartphone zu speichern, damit das Schauen der Filme auch im Flugmodus möglich ist. Nützlich ist dies auch, wenn man einen Wifi-Zugang hat und die Inhalte herunterlädt, um später nicht auf das Funknetz zurückgreifen zu müssen, wo zusätzliche Kosten anfallen könnten. Spotify hat das Herunterladen zum Teil des Geschäftsmodells gemacht: Wer Lieder abspeichern möchte, muss abonniert sein.