FREDERIC HAUPERT

Sechs Jahre Krieg in Syrien, sechs Jahre humanitäres Leid. Für Hilfsorganisationen ist der Einsatz im Bürgerkriegsland schwierig und lebensgefährlich. Immer noch ist der humanitäre Zugang nicht grundsätzlich gesichert, wie Frédéric Haupert von Care Luxemburg ausführt.

„Diese Woche geht die Syrienkrise in ihr siebtes Jahr. Seit nunmehr sechs Jahren hoffen wir, dass wir den Jahrestag der Syrienkrise nicht noch einmal nutzen müssen, um auf die derzeit größte humanitäre Katastrophe unserer Zeit aufmerksam zu machen. Inzwischen mussten so viele Menschen ihr Leben lassen, wie Luxemburg Einwohner hat. Über 13 Millionen sind im Land selbst auf Hilfe angewiesen, die Hälfte davon Kinder. Etwa fünf Millionen Menschen können Hilfsorganisationen wie CARE nur schwer erreichen, weil Kampfhandlungen und Blockaden den Zugang fast unmöglich machen.

In den rücksichtslos geführten Kämpfen wurden Angriffe auf Zivilisten und willentliche Verletzungen des internationalen humanitären Rechts bei zahlreichen Konfliktakteuren zur Strategie. Nicht nur die Kampfhandlungen selbst, auch verweigerte Genehmigungen für Hilfstransporte, nicht eingehaltene Feuerpausen, die Uneinigkeit über Zugangsrouten, die Nicht-Einhaltung von abgestimmten Verfahren an Checkpoints durch die Konfliktparteien und, und, und: Das macht ausreichende und effiziente Hilfe unmöglich. Die Konsequenzen für die Schwächsten sind dramatisch.

Laut UN erhalten nur zehn Prozent der Hilfskonvois Zugang zu den belagerten Gebieten. Der UN-Sicherheitsrat hat sich wiederholt mit der Forderung nach ungehindertem Zugang für humanitäre Hilfe in alle Gebiete Syriens befasst; die Appelle verhallten ungehört.

Im letzten Jahr wurde der andauernde Beschuss von Wohnvierteln in Aleppo zum Synonym für das Leiden der Zivilbevölkerung. Doch noch immer harren Hunderttausende in schwer zugänglichen und belagerten Gebieten aus. Kaum jemand kennt die Namen der schwer umkämpften Städte Madaja, Zabadani, Fua, Kfarja oder Deir ez-Zor, zu denen seit Monaten wenig oder keine Hilfe durchkommt. Humanitäre Helfer, die versuchen, die Notleidenden zu erreichen, sind gezielten Angriffen ausgesetzt und riskieren tagtäglich ihr Leben. Zudem laufen lokale Helfer, die ohne Registrierung durch die syrische Regierung operieren, Gefahr, im Gefängnis zu landen.

Dank der Hilfe unserer Spender und der luxemburgischen Regierung kann CARE seit Jahren immer neue innovative Methoden entwickeln, um Lebensmittel und Medikamente an die eingeschlossenen Menschen zu verteilen. Doch so lange der humanitäre Zugang nicht grundsätzlich gesichert ist, sind uns in vielen Fällen die Hände gebunden.“

www.care.lu