LUXEMBURG/ZÜRICH
CORDELIA CHATON

Am 7. Dezember hat der Credit Suisse seinen Investorentag - und es sieht nicht gut aus

Tidjane Thiam steht ein schwieriger 7. Dezember bevor. An diesem Tag hat der Credit Suisse, der in rund 50 Ländern mit knapp 49.000 Mitarbeitern aktiv ist, seinen Investorentag. Gerüchten aus gut informierten Kreisen zufolge wird Vorstand Thiam an diesem Tag allerdings schlechte Zahlen vorlegen und eine Kostensenkung von zehn Prozent vorschlagen. Das meldet unter anderem der Blog „Inside Paradeplatz“.

Der Hintergrund ist die Asienstrategie, auf die der vor einem Jahr engagierte Vorstandsvorsitzende setzte. Gleichzeitig wird er die Quartalsresultate bekannt geben. Thiam hatte mit Asien bei seinem letzten Arbeitgeber, der Versicherung Prudential, Erfolg, den er wohl wiederholen wollte. „Doch der 9-Monats-Gewinn vor Steuern brach im Investment Banking Asien regelrecht ein. 2015 betrug er noch fast 700 Millionen, im laufenden Jahren sind es knapp 350 Millionen – kurz mal halbiert“, meldet Inside Paradeplatz. Da bliebe ihm gar nichts anderes übrig, als die Kosten abzubauen. In Kommentaren wird das Kürzel des Konzerns (CS) schon als „crippled strategy“ verhöhnt. Das Geschäft in den USA, die wirtschaftlich anziehen, hatte der Credit Suisse an Wells Fargo quasi gratis übergeben.

Illoyaler Ex-Chef

In den USA kämpft der Credit Suisse seit dieser Woche noch mit einer ganz anderen Nachricht: Dort will Brady Dougan eine Handelsbank eröffnen. Das Pikante ist, das ausgerechnet Dougan von 2007 bis 2015 Chef der Züricher Bank war und sich in dieser Zeit rund 150 Millionen Franken an Boni einstrich. Nebenbei holte er Scheichs aus Katari ins Aktionariat und legte sich mit der Schweizer Nationalbank an. Seine Strategie, den Credit Suisse nach der Finanzkrise 2008 auf Kurs zu bringen, scheiterte heftig. Nun eröffnet er also eine direkte Konkurrenz zu seinem ehemaligen Arbeitgeber - und muss noch nicht mal Rückforderungen von Boni wie sein Landsmann Josef Ackermann von der Deutschen Bank fürchten. Ein Gründungskapital hat er schon. Denn Dougan erhielt 9,7 Millionen Franken dafür, dass der Gewinn einbrach.

In den USA lief es schon vorher nicht genial. Im Mai 2014 musste die Schweizer Bank dort 2,6 Milliarden Dollar Strafe zahlen wegen Steuerhinterziehung. Dazu kamen kurz zuvor 200 Millionen Dollar Buße der US-Börsenaufsicht. Seither hat die Bank zwar den Blog „Inside Paradeplatz“ verklagt, weil er von einer „kriminellen Organisation“ sprach. In den US-Unterlagen ist allerdings klar von „Vergehen“ und Verurteilung die Rede. Da ist das Schlachtfeld wohl falsch gewählt. Die Probleme liegen im Haus.

Denn erst im September krachte es. Thiam hatte den Chef der Handelssparte, Tim O’Hara, mit sofortiger Wirkung vor die Tür gesetzt. Es ging offenbar um fragwürdige Positionen in Handelsbüchern, die der Bank milliardenschwere Abschreibungen einbrockten. „Kenner der Bank überrascht die Personalie nicht. Das Schweizer Geldhaus hatte im ersten Quartal dieses Jahres insgesamt rund eine Milliarde Dollar auf Anlagen in den Bereichen verbriefte Produkte und Kredit abschreiben müssen. O’Hara hatte diese Bereiche kurz zuvor noch als „hochprofitabel - anhaltend und beständig profitabel bezeichnet“, schrieb das „Manager Magazin“. Das Unwissen lohnt sich allerdings. Für das abgelaufene Geschäftsjahr erhielt Thiam trotz eines Milliardenverlustes 18,8 Millionen Franken.

Rohner als Strippenzieher

Für einige ist der Mann von der Elfenbeinküste nur ein Prügelknabe, der die Fehler von Urs Rohner, Präsident des Aufsichtsrates, überdecken soll. Der zog sich bislang immer aus der Verantwortung.

Sollte Thiam gehen müssen, gäbe es schon eine neue Karriere. Er unterstützt schließlich „Now Teach“, eine Organisation, die Karrieremänner und -frauen zu Lehrern umschulen möchte. Gegründet hat sie Lucy Kellaway, die 31 Jahre lang Journalistin bei der „Financial Times“ war und mit ihrer Kolumne berühmt wurde. Sie will der Gesellschaft etwas zurückgeben.