LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Fronten verhärten sich im Streit um neuen Kollektivvertrag im Gebäudereinigungssektor

Stellen Sie sich vor, Sie kommen morgens ins Büro und finden folgendes Szenario vor: Der Papierkorb wurde nicht entleert, die Kaffeetasse nicht gespült, die Toilette nicht geputzt und der Boden nicht gewischt. Das könnte durchaus in nicht allzu ferner Zukunft der Fall sein, Gebäudereiniger und Putzfrauen drohen nämlich damit, in Streik zu treten, falls ihre Forderungen nicht bald erfüllt werden. Gestern hatten sich rund 40 Betroffene aus dem Sektor vor dem Konrad Adenauer-Gebäude versammelt, um noch einmal auf die unhaltbaren Zustände, mit denen sie tagtäglich zu kämpfen haben, aufmerksam zu machen. „Die Situation verschlimmert sich zunehmend“, sagte Sprecherin Estelle Winter.

Gegen eine Nullrunde in Sachen Kollektivertrag

Zum einen wären da die unzumutbaren Angriffe seitens des Patronats. Der Verband der Gebäudereiniger versuche um jeden Preis den Sozialdialog zu brechen und die sozialen Errungenschaften abzuschaffen. So soll etwa an dem aktuellen Kollektivvertrag nichts geändert werden, was einer Nullrunde gleichkommen würde. Der OGBL als Sprecher und Mehrheitsgewerkschaft ist anderer Meinung: Gefordert wird eine lineare Erhöhung um 1,5% in 2014, um 1,5% in 2015 und um 1,5% in 2016. Daneben soll der Teilzeitarbeitsvertrag berichtigt werden, sodass der Überstundezuschuss nicht erst nach einer 50-prozentigen Erhöhung der wöchentlichen Arbeitszeit fällig wird, sondern bereits nach einer 10-prozentigen. Eine Anerkennung des Berufs liegt den Lohnempfängern aus dem Reinigungssektor besonders am Herzen. Nicht selten würde man ihnen das Gefühl geben, Arbeitnehmer zweiter Klasse zu sein. Jegliche Lohnkürzung wird demgemäß strikt abgelehnt.

Gefordert wird dagegen eine klare Aufwertung der Löhne. Der oft verlangten übertriebenen Flexibilität müsse ebenfalls ein Ende gesetzt werden. 8.500 Personen arbeiten hierzulande im Reinigungssektor, es gelte alle zu mobilisieren, sagte Estelle Winter abschließend, „wenn nötig bis zum Streik“.