LUXEMBURG
CATHERINE NOYER

Der vor vier Wochen eröffnete „Chalon de Thé“ kann sich vor Besuchern kaum retten - ein Grund, den internationalen Katzentag mit viel Miau zu feiern

Georges ist nicht zu übersehen und er weiß, wie er die Besucher überzeugen kann, dass er gerade jetzt den Bauch gekrault haben will. Georges ist ein großer getigerter Kater, der genau weiß, was Sache ist. Schauplatz ist der „Chalon de Thé“, das erste Katzencafé in Luxemburg-Stadt, das vor vier Wochen seine Türen geöffnet hat. Ansprechpartner ist Mehdi Mimeche, der hier die Geschäfte führt – neben den Katzen versteht sich, denn die sind schließlich die Hauptattraktion.

„Meine Erfahrungen mit einem Katzencafé konnte ich ein Jahr lang in Metz machen, wo am 8. August 2018, dem internationalen Katzentag, der erste ,Chalon de Thé‘ eröffnet wurde. Wir stellten fest, dass ein Drittel unserer Gäste aus Luxemburg kam. Da stellte sich die Frage nach einem Katzencafé im Großherzogtum. Ich diskutierte mit zahlreichen Luxemburgern vor Ort, ob das sinnvoll wäre und sie fanden das toll. Daher die Idee, eine solche ,Bar à chat‘ in Luxemburg zu eröffnen“, erklärt der 35-Jährige.

Er selbst ist mit Katzen aufgewachsen, hatte als Kind Alpträume, die durch die Anwesenheit einer Katze in seinem Bett verschwanden. „Das war für mich ein Schlüsselerlebnis“, sagt er. Im Luxemburger „Chalon de Thé“ teilen sich zehn Katzen die Räumlichkeiten. Zehn Stubentiger, die aus dem Tierheim kommen oder von Privatpersonen, die sie nicht mehr halten können, vermittelt wurden. „Voraussetzung ist, dass sie sich mit den anderen verstehen, denn Katzenzoff ist nicht erwünscht“, informiert der Chef. Bei den Jungtieren ist es einfacher, da sie leichter an die Gemeinschaft gewöhnt werden können. Zudem hat Mehdi Mimeche eine Ausbildung zum „éducateur félin“, was beim sozialen Verhalten der Tiere untereinander hilfreich ist.

Hier stellt sich dennoch die Frage nach dem Erziehen der Katzen, denn normalerweise ist es eher umgedreht und die Samtpfoten erziehen ihren „Dosenöffner“. Mehdi Mimeche: „Das ist ein Geben und Nehmen. Man kann keine Katze dressieren, aber ein wenig Erziehung ist drin. Und ich lerne auch viel von ihnen.“

Ort der Entspannung für Mensch und Tier

Die Idee der Katzencafés stammt aus Japan und hat sich mittlerweile in vielen europäischen Städten durchgesetzt. „Jedes ist anders und es kommt auf die Art und Weise an, wie es umgesetzt wird. Es gibt Katzencafés, die alle ihre Tiere zur Adoption freigeben. Das entspricht nicht unserem Konzept. Wir haben diese Tiere in unsere Katzengroßfamilie aufgenommen, wir lieben sie und sie sollen sich hier wohlfühlen“, betont Mehdi Mimeche. Er fügt aber hinzu, dass neben den zehn permanenten Stubentigern zwei bis drei weitere zur Vermittlung aufgenommen werden können.

Welches Konzept steckt nun hinter dem Luxemburger Katzencafé? „Es ist ein Ort der Entspannung, sowohl für die Menschen als auch für die Tiere. Zusammen mit meinen Gesellschaftern und meinem Vater haben wir die Einrichtung von Hand gefertigt. Die Katzen können sich frei entfalten, daher auch die Hängebrücken an der Decke und der abgeschlossene Raum im Untergeschoss als Rückzugsort. Aber sie sind sehr menschenbezogen und stehen gerne im Mittelpunkt“, erklärt der Geschäftsführer.

Auch die Kundschaft muss sich den Spielregeln des Hauses anpassen, wie der Beachtung der Sicherheitstüren und der Desinfektion der Hände am Eingang. Eine Tafel erklärt, dass die Tiere nicht getragen, festgehalten, gefüttert oder geweckt werden dürfen. Für die Katzen zählt, dass die Gäste ihre Energie in die Streicheleinheiten stecken - was mit vehementem Schnurren gedankt wird - oder mit ihnen spielen, wenn sie über Tische und Bänke flanieren und ihnen zeigen, wer hier eigentlich der Herr im Haus ist.