LUXEMBURG
DANIEL OLY

Cargolux wird zwei Belugas von Shanghai in das weltweit erste Reservat nach Island befördern

Little Grey und Little White wollen in ihr neues Zuhause. Die beiden Weißwale (oder Belugas) haben die einmalige Chance, im weltweit ersten offenen Reservat für ihre Art eine neue Heimat zu finden - die letzten zwölf Jahre verbrachten sie nämlich im „Changfeng Ocean World“ in Shanghai, China. Die Sache hat nur einen Haken: Das Ziel liegt von Shanghai nicht gerade einen Katzensprung entfernt: Das Sanktuarium in einer Bucht der Insel Heimaey bei Island liegt mehr als 10.000 Kilometer entfernt. Damit die beiden Wale da sicher eintreffen, ist auch luxemburgische Expertise gefragt: Cargolux wird die Meeressäuger sicher an ihr Ziel bringen. Mit dem gecharteten Privat-Jumbo nach Hause; gar nicht mal so übel.

Die beiden Wale wurden nicht grundlos ausgewählt: Merlin Entertainment, seit 2012 neuer Besitzer des Aquariums in Shanghai, fährt eine sehr entschlossene Linie gegen den Einsatz von Walen und Delphinen zu Unterhaltungszwecken - entsprechend wurde bereits bei der Übernahme 2012 mit der Suche nach einem geeigneten Ort begonnen. Rob Hicks, Direktor für Tierwohl beim großen Entertainmentanbieter Merlin Entertainment, lobte die überaus produktive Zusammenarbeit mit der Fracht-Airline. „Wir müssen Cargolux einen großen Dank aussprechen, denn ohne ihr Know-How wäre dieser Flug nach Hause nicht möglich.“ So trage die Airline dazu bei, gefangenen Tieren eine neue Zukunft zu ermöglichen. Insgesamt arbeiten drei Partner an dem Ausnahmeprojekt: neben Cargolux noch der SEA LIFE Trust und die „Whale and Dolphin Conservation“-Organisation.

Gemeinsames Konzept

Das gemeinsam mit Cargolux ausgearbeitete Konzept sieht deshalb vor, dass Little White und Little Grey angepasste Pritschen bekommen, die sie über den gesamten Flug hinweg stabil in ihren Becken halten. Der Flug - 12.30 Stunden lang, je nach Wetterlage - führt dann über Sibirien, Sankt Petersburg und Skandinavien bis hinüber nach Island, wo im Reservat bereits ein ganzes Team an Experten auf die beiden Wale wartet. Den Flug über werden sie zudem von ihren Betreuern begleitet, sodass nicht vorgesehen ist, die Wale betäuben zu müssen - im Gegenteil: „Sie sind die vergangenen Wochen und Monate vorbereitet worden, um diesen Weg in Angriff nehmen zu können“, betont Hicks. Insgesamt soll die Reise 30 Stunden dauern.

Und die Piloten? „Wir hoffen auf einen ereignislosen Routine-Flug“, meinte Kapitän Claude Konsbruck gestern. Schließlich führt ein großer Teil der Strecke über für die drei Cargolux-Piloten der Crew bestens bekanntes Terrain - über Sibirien und China. „Wir sind damit vertraut und haben eine Route gewählt, die auch besser auf die Bedürfnisse der etwas besonderen Fracht achtet“, erklärt er weiter. Und betont: „Es ist eine Ehre, als Pilot Teil dieses Projektes zu sein.“ Los gehen soll es nach derzeitiger Planung im April; das hänge aber schlussendlich immer von der Vorbereitung ab, die schon seit Monaten läuft. Für die Cargolux eigentlich ein Klacks: Das Transportunternehmen hat schließlich reichlich Erfahrung, auch beim Tiertransport - 2018 waren das fast 4.500 Tonnen Fracht, die Hälfte davon waren Pferde. Und Wassertiere gehören auch zum Repertoire, die Airline flog schon Pinguine, einen Orca, Seelöwen, Haie und mehr rund um die Welt.

Mehr Informationen zu dem Reservat und der Planung unter belugasanctuary.sealifetrust.org
Die Strecke soll sich online live verfolgen lassen, über die Hashtags #WhaleHelloPlane #BelugaFlight und auf Twitter unter @belugasanctuary