LUXEMBURG
GUY DOCKENDORF, PRÄSIDENT DES „COMITÉ INTERNATIONAL DE MAUTHAUSEN“

Im Konzentrationslager Mauthausen in der Nähe der österreichischen Stadt Linz und in den 49 Außenlagern sind zwischen 1938 und 1945 rund 100.000 Insassen durch die Nazi-Willkür umgekommen. In einem offenen Brief an den österreichischen Bundespräsidenten Alexander Van der Bellen und den Kanzler Sebastian Kurz mahnte das „Comité International de Mauthausen“ kürzlich die Opfer von Nationalismus und Faschismus nie zu vergessen. Weshalb die Organisation, der vor allem Opfer oder Nachfahren und Angehörige von Opfern aus 21 Ländern angehören, das tat, erklärt ihr Präsident, der Luxemburger Guy Dockendorf.

„Wir haben uns zu diesem Schritt entschlossen, weil wir tief besorgt sind über verschiedene Äußerungen von Mitgliedern der neuen österreichischen ÖVP/FPÖ Regierung oder von Parteifunktionären dieser beiden Parteien. Da wird ein harter Kurs gegenüber Asylbewerbern und Flüchtlingen eingeschlagen, der FPÖ-Innenminister spricht sogar davon, Flüchtlinge ‚konzentriert‘ an einem Ort unterzubringen.

Diese Einstellung und die Wortwahl, die das dunkelste Kapitel der neueren europäischen Geschichte in Erinnerung rufen, machen die Opfer von Nationalismus und Faschismus und ihre Nachkommen hellhörig. Besonders jene, welche die Nazi-Gräuel am eigenen Leib erlebt haben, sind schockiert und haben ihre Besorgnis aufgeschrieben. Auf der Webseite des Mauthausen Komitees Österreich www.mkoe.at kann man die Appelle der Überlebenden nachlesen. ‚Wer die Vergangenheit vergisst, den holt die Zukunft ein‘, mahnt etwa Dušan Stefancic, der Ehrenpräsident des ‚Comité International de Mauthausen‘. Zwischenzeitlich haben wir Antworten auf unseren Brief bekommen.

Bundespräsident Alexander Bellen antwortete noch am gleichen Tag der Veröffentlichung und erinnnerte daran, dass er sowohl in Gesprächen mit der Bundesregierung als auch öffentlich betont habe, ‚dass der Respekt vor unserer gemeinsamen Geschichte es gebietet, dass wir Verantwortung für diese Geschichte übernehmen, für ihre hellen UND ihre dunkelsten Seiten‘. ‚Wir brauchen den Respekt von Minderheitenrechten, den Respekt vor Andersdenkenden und die Unterstützung für jene in unserer Gesellschaft, die sie am notwendigsten brauchen. Daran zeigt sich, was unsere Werte wirklich wert sind‘, unterstreicht Van der Bellen weiter.

Bundeskanzler Kurz versichert seinerseits, dass die Bundesregierung ‚ihrer Verantwortung vor der Geschichte bewusst ist und diese als Leitlinie ihres Handelns ansieht‘. Im Regierungsprogramm werde in diesem Sinne auch festgehalten, ‚dass sich Österreich in diesem Zusammenhang zu seiner Mitschuld und Verantwortung an den furchtbaren Ereignissen der Jahre 1938-1945 bekennt‘.

Wir freuen uns über die schnellen Antworten auf unseren Brief und die Bekenntnisse von Bundespräsident und Bundeskanzler. Wir werden aber auch genau hinsehen, wie diese Bekenntisse umgesetzt werden und uns auf jeden Fall wieder melden, wenn das nicht der Fall sein sollte. Wir erwarten unbedingt von der österreichischen Regierung, dass sie sich von nationalistischen Strömungen abwendet und einem gemeinsamen und solidarischen Europa hinwendet. Das ist sie all jenen schuldig, die gegen Nationalismus und Faschismus und für Freiheit und Gleichheit aller Menschen kämpften.“