MAGDEBURGGASTON FREYMANN

Der selbstfahrende Lkw ist schon heute keine Utopie mehr - An Bord des „Future Truck 2025“

Da kommt was auf uns zu. Im Wortsinne. Ein 40 Tonnen-Truck im Tarndesign, ganz offensichtlich kümmert sich der Fahrer um alles Mögliche nur nicht ums Fahren - eigentlich ein Grund, die Flucht zu ergreifen. Doch der Lkw findet souverän seinen Weg über die (gesperrte) Autobahn ohne irgendwo anzuecken. Was da im übertragenen Sinne auf uns zukommt, ist das autonome Fahren. Der Lkw, der selbst denkt und lenkt.

Fahrerlos mit 85 Stundenkilometern auf der Autobahn

Mit 85 Stundenkilometern rollt der Mercedes-Benz Actros mit seiner Sondertarnung auf der Autobahn A 14 nahe Magdeburg dahin, wobei er stets 60 Meter Abstand zum Vordermann hält. Den Verkehr im Auge zu behalten, um jederzeit eingreifen zu können, erweist sich für den Fahrer als unnötig. Auch böiger Seitenwind wirft den Sattelzug nicht aus der Bahn. Die Technik korrigiert schneller und sicherer den Kurs, als es ein erfahrener Fahrer könnte, so die verantwortlichen Ingenieure. Während das Fahrzeug autonom unterwegs ist, kann der Fahrer entspannt Musik hören, Emails oder andere Dinge erledigen, wie die Suche nach einem geeigneten Rastplatz auf der Route, wobei dann auch prompt das Tagesgericht auf dem Display erscheint, das er dann auch gleich vorbestellen kann.

Allerdings funktioniert der Straßenverkehr nie ohne unvorhergesehene Ereignisse, Unfälle und Pannen. In solch einem Falle verlangsamt das Fahrzeug sein Tempo und passt sich nach Anweisungen seiner Bordcomputer den Bedingungen entsprechend an. Bei der Pressevorführung wurde auch demonstriert wie der Lkw beim Annähern eines Polizeiwagens mit Blaulicht und Sirene autonom die Rettungsgasse freimacht, um anschließend wieder seine Fahrspur einzunehmen. Bei einem liegengebliebenen Fahrzeug auf der Standspur, lenkt der „fahrerlose“ Sattelzug von alleine bis auf die Mittellinie, zieht mit Sicherheitsabstand souverän vorbei, um sich dann wieder auf der rechten Spur einzuordnen, wo er anschließend auf seiner Marschroute beschleunigt. Bei einem Überholmanöver, nimmt allerdings der Fahrer das Kommando in die Hand.

Der „Future Truck 2025“ wird vom „Highway Pilot“ gesteuert

Wie funktioniert das Ganze jetzt? Der „Futur Truck 2025“ verfügt über ein hochintelligentes Assistenzsystem, das schlicht „Highway Pilot“ heißt. Es handelt sich dabei um eine Kombination aus Radarsensoren an Front und Seite, einer Stereo-Kamera hinter der Windschutzscheibe und präzisen dreidimensionalen Karten. Ergänzt um neue Kommunikationssysteme wie Vehicle to Vehicle (V2V) und Vehicule to Infrastructure (V2I), d.h. dem Austausch von Informationen zwischen dem Lkw und anderen Fahrzeugen sowie mit der Welt außerhalb der Autobahn.

Ist der „Highway Pilot“ aktiviert, reduzieren sich die Anzeigen auf ein Minimum und die kompletten Daten erscheinen jetzt auf einem Tablet-Rechner in der Mittelkonsole des Lkw, so wird daraus das zentrale Steuerungs-und Kommunikationsinstrument des Truck. Experten sehen eine Steigerung des Güterverkehrs innerhalb der EU um rund 20 Prozent in den Jahren 2008 bis 2025 voraus. Auch künftig werden rund drei Viertel aller Güter in der EU auf der Straße transportiert. Dies gilt umso mehr, als der Wettbewerbs- und Kostendruck für Unternehmen im Güterverkehr wächst. Steigende Kraftstoffpreise, Mautabgaben und schärfere Umweltauflagen verteuern Kauf und Betrieb eines Lkws. Gleichzeitig werden gut ausgebildete Fahrer immer mehr zur Mangelware.

Mit dem „Highway Pilot“ kann das Berufsbild des Lkw-Fahrers deutlich aufgewertet werden. Das System entlastet den Fahrer nicht nur von monotonen Tätigkeiten, vielmehr gewinnt dieser Zeit für Aufgaben, die beispielsweise bisher der Disposition vorbehalten sind. Aufstiegsmöglichkeiten von der reinen Fahrtätigkeit zum Transportmanager sind damit vorstellbar. Der Beruf des Lkw-Fahrers wird attraktiver - autonomes Fahren ist deshalb auch eine Antwort, dem bestehenden Fahrermangel entgegenzuwirken.

Kann man den autonomen Truck kaufen?

Als erster Anbieter weltweit wird Daimler Trucks autonomes Fahren bei Lkw mit dem „Highway Pilot“ zur Serienreife entwickeln. „Der Lkw der Zukunft ist ein Mercedes-Benz und fährt autonom.“ Diese kurze Formel wählte Dr. Wolfgang Bernhard, Vorstand der Daimler AG für Lkw und Busse, für den „Mercedes-Benz Future Truck 2025“ im Rahmen des Kongress zur Zukunft des Güterverkehrs „Shaping Future Transportation“ anlässlich der „autonome Jungfernfahrt“ auf einem Teilabschnitt der Autobahn A14 in der Nähe von Magdeburg.

„Wenn die gesetzlichen Rahmenbedingungen für autonomes Fahren zügig geschaffen werden, ist eine Markteinführung des „Highway Pilot“ Mitte des kommenden Jahrzehnts vorstellbar. Daimler Trucks treibt deshalb den Dialog mit Politik, Behörden und allen anderen Beteiligten voran“ , so Wolfgang Bernhard.