CHRISTIAN BLOCK

Wanderer, wohin des Weges? Zur Autobahn natürlich, denn die Freiheit der Fortbewegung ist immer noch automobil. Sind die offiziellen Grenzen auch längst aus unseren Köpfen radiert und hat sich die Idee der Bewegungsfreiheit, europahistorisch bedingt, und vielleicht ein wenig von ekstatischer Breitbandverbindungs-Werbung befeuert, in unseren Köpfen festgesetzt, stoßen sich Letztgenannte spätestens beim Trip über die Grenze an der harten Wirklichkeit international nicht zu vereinheitlichender Tarifpolitik.

Sicherlich, es gibt Fortschritte. Der enttäuschende Klick auf „Deutschland“ auf der internationalen Karte der CFL-Webseite, der absolut nichts auslöst, wird zumindest durch lukrative „City-Trip“-Tarife nach Köln oder Saarbrücken entschädigt. Paris ist in 2 Stunden zu erreichen, Kurzausflüge sind erschwinglich geworden.

Dank steigender Unterhaltskosten für Fahrzeuge an Zapfsäulen oder durch Steuern, entsteht zumindest finanziell gesehen wesentlich öfter eine Pattsituation, in der Bus und Bahn den Automobil-Individualisten die Stirn bieten können. Oder bieten könnten, je nachdem, wie schlimm man Luxemburgern den Hang zum Automobilismus nachtragen möchte.

Das „wahre“ Regioticket, das Spontantrips abseits der städtischen Zentren in und um Luxemburg möglich machte, bleibt jedoch auch weiterhin ein nicht einlösbarer Traum. Dafür sind die öffentlichen Netze zu unterschiedlich gestrickt - nicht jeder kann ein fast völlig subventioniertes System anbieten, das im Grunde genommen leicht zu verstehen und preislich mehr oder weniger fair ist. Ein System, das darüber hinaus, abseits der Schienen weitgehend auf regelmäßige Kontrollen verzichtet. Man kann darüber streiten, ob hier über nicht unwesentliches Einnahmepotenzial hinweggesehen wird oder ob man sich dankbar erweisen sollte, nicht bei jeder Fahrt über zwei Haltestellen nach dem Fahrschein kramen zu müssen.

Dass diese Diskussion den Betroffenen nicht hilft, die vom öffentlichen Transport abhängig sind und für die 400 Euro - also 200 mehr als bisher - auf einen Schlag zu berappen eine kurzzeitige mittelschwere Finanzkrise bedeutet, ist klar. Unabhängig davon, dass im Endeffekt mehr Personen auf Bus und Bahn verzichten und die eingeforderten sechs Millionen auf der Strecke bleiben könnten- während das bestehende Angebot, wie von der Regierung auch im Kontext ihrer Mobilitätsstrategie für 2020 angekündigt, weiter ausgebaut werde. Die wiederauferstandene Idee des kostenlosen öffentlichen Transports zeigt dabei, wie vorsichtig und unsicher das Thema „Mobilität“ behandelt wird. Konsequenz könnte ja immer als Rücksichtslosigkeit ausgelegt werden - wer will das schon riskieren? So oder so, gut möglich, dass das millionenschwere Subventionssystem eines Tages nicht mehr tragbar ist. Dann sind diejenigen, die sich das Ticket heute schon nicht mehr leisten können, immerhin schon einmal eingestimmt auf ihren Anteil an den 25 Prozent der „sanften Mobilität“, die bis 2020 für alle täglichen Fortbewegungen erreicht werden soll.