LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Arbeitnehmerkammer: Altersheime sind für 76 Prozent der Rentnerinnen zu teuer

Zunächst mal die gute Nachricht: Die Menschen gehen erst im immer höheren Alter in ein Senioren- oder Pflegeheim. Sie bleiben nicht zuletzt durch die Pflegeversicherung, so lange wie möglich in den eigenen vier Wänden. Die schlechte Nachricht lautet, dass wenn es dann einmal so weit ist, 76 Prozent der Frauen eine Altersrente beziehen, die unter den mittleren Kosten für ein Alten- und Pflegeheim liegen. Das Verhältnis bei den männlichen Rentnern ist zwar besser, aber keineswegs gut: 22 Prozent der Altersrentner haben zu wenig Geld für einen Platz im Altersheim. Das heißt nicht, dass sie vor der Tür bleiben müssen, die staatliche Altersbeihilfe deckt die Finanzierungslücke für einen Altenheimplatz. Dennoch ist die Situation alles andere als ideal, so die Überzeugung der Arbeitnehmerkammer (CSL). Deren Vizepräsidenten Jean-Claude Reding und Patrick Dury stellten gestern eine Studie zu den Altenheimkosten in Luxemburg vor, die die Kammer mangels einer amtlichen Statistik selbst erarbeiten musste. Aufgrund der Studie mit dem einfachen Fazit - zu teuer für die Empfänger kleiner Renten - macht die Arbeitnehmerkammer auch eine Reihe von Vorschlägen zur Behebung der Renten-Kosten-Schere.

Was den Außenstehenden am meisten überraschte, war das Fehlen einer öffentlichen Statistik und ein Mangel an gesetzlich vorgeschriebenen Qualitätskriterien für Alten- und Pflegeheime, die es beispielsweise für Kinderkrippen gibt.

Die Arbeitnehmerkammer unterscheidet drei Arten der Unterbringung von Senioren: Alten- und Pflegeheime (CIPA), reine Pflegeheime und Betreutes Wohnen. 2019 lag die Gesamtzahl der zur Verfügung stehenden Betten bei 7.087. In den letzten fünf Jahren ist die Zahl um 507 gestiegen.

2018 gab es in Luxemburg 39 Betreiber, die 63 ministeriell anerkannte Alterseinrichtungen betrieben haben. Dazu zählten 30 Alten- und Pflegeheime, 22 Pflegeheime und elf Einrichtungen des Betreuten Wohnens.

Die statistisch gemittelten Preise variieren je nach Einrichtung sehr stark. So sind 2.706 Euro/Monat für ein Einzelzimmer in einem Pflegeheim, 2.452 Euro/Monat in einem CIPA und 1.718 Euro Euro/Monat in einer betreuten Wohneinrichtung zu zahlen. Die Sozialexpertin der Arbeitnehmerkammer, Nathalie Georges, wies aber ausdrücklich darauf hin, dass dies statistische Mittelwerte sind, einige Einrichtungen nehmen auch 4.000 oder 5.000 Euro pro Monat. Mit diesen Beträgen sind Zimmer und Ernährung gesichert, alle anderen Kosten des Lebens vom Frisör bis zum Kinobesuch, kommen natürlich hinzu.

Dem gegenüber stehen die Renteneinkünfte. Die luxemburgische Mindestrente beläuft sich auf 1.841,21 Euro. Die Pensionen für in Luxemburg wohnende Rentner unterscheiden sich stark nach Geschlecht. Die statistische Median-Rente für Männer betrug 2018 genau 3.634,40 Euro, für Frauen waren es 1.838,20 Euro. Bei der statistischen Durchschnittsrente sieht es für die Frauen etwas besser aus, da sind es 2.083,20 Euro und bei den Männern 3.632,30 Euro pro Monat.

Die Untersuchung der Arbeitnehmerkammer erläutert auch, welche Wege zu beschreiten sind, um zu einer staatlichen Altersbeihilfe zu kommen und welche Freibetragsgrenzen für persönliche Ersparnisse gelten.

Zentrale Verwaltungund gesetzliche Regelung

Die Arbeitnehmerkammer schlägt vor eine Koordinierungsstelle für die Betreuungseinrichtungen zu schaffen, die die Verwaltung zentralisiert, die Zimmerpreise reguliert und die Einrichtungen kontrolliert. Insbesondere Letzteres ist für Jean-Claude Reding wichtig, da es bei der Kontrolle der Senioreneinrichtungen an jeglicher Transparenz mangele, man wisse nicht einmal genau was geprüft werde. Als zweites verlangt die Kammer nach der Schaffung einer „Charta des Respekts“ gegenüber den Senioren, die die zu liefernde Pflegequalität festschreibt. Außerdem sei eine Tariftabelle zu erstellen.

In Bezug auf die Altersbeihilfe müssten die Fördergrenzen und -sätze der Realität angepasst werden. Beispielsweise sei der gesetzlich festgelegte „reste à vivre“ viel zu niedrig angesetzt.

Reding und Dury hoffen gleichermaßen, dass es bald zu einer gesetzlichen Regelung zur administrativen Kontrolle der Alten- und Pflegeeinrichtungen kommen wird.