LUXEMBURGCOLETTE MART

In Hinzert fand die traditionelle Erinnerungsfeier statt

Wer erzählt die Geschichten der Gefangenen von Hinzert? Wer weiß, wer die russischen Kriegsgefangenen waren, die hier ermordet wurden? Wer kennt noch die Namen der Gepeinigten des SS-Sonderlagers Hinzert?

Diese wichtigen Fragen stellte Premierminister Xavier Bettel anlässlich einer bewegenden Rede im Dokumentationszentrum des ehemaligen SS-Sonderlagers Hinzert, wo vorigen Samstag die traditionelle Erinnerungsfeier stattfand, die in diesem Jahr ganz im Zeichen der Parallelen zwischen den Flüchtlingen des Zweiten Weltkriegs und jenen von heute stand.

Ein sehr schockierendes Detail wurde in diesem Zusammenhang von Dr. Dieter Schiffmann, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung präsentiert, der daran erinnerte, dass es auch während des Zweiten Weltkriegs Schleuser und Schlepper gab.

Ein Schweizer, der Juden half, in die Schweiz zu kommen, wurde erst im Jahre 2004 rehabilitiert, da Schleuser und Schlepper lange als Verbrecher eingestuft wurden. Das Ziel von Gedenkstätten sei es, die Jugendlichen über die Verbrechen im Zweiten Weltkrieg zu informieren.

Das Geschehene thematisieren

Xavier Bettel erinnerte in seiner Ansprache an die tausenden von Gefangenen, die hier in Hinzert ausgebeutet, misshandelt, gefoltert und ausgehungert wurden. Die Schaffung der Gedenkstätte mache es möglich, das Geschehene zu thematisieren, und an das Leiden der früheren Gefangenen zu erinnern. In Luxemburg werde auch eine Baracke aufgerichtet, die erhalten geblieben ist.

Xavier Bettel, der auch einen Besuch in Auschwitz erwähnte, der ihn veränderte, rührte an die Tatsache, dass die Verbrechen des Zweiten Weltkrieges von Menschen geschaffen wurden, und dass es damals genügte, anders zu sein als andere, um verfolgt und getötet zu werden. Eine andere Religion, eine andere Meinung, Hass, Diskriminierung, Xenophobie führten zu der Schaffung von Konzentrationslagern, und der Krieg trieb ebenfalls viele Menschen in die Flucht.

Aber auch nach dem Krieg gab es in Europa Flüchtlinge, zum Beispiel 1956 aus Ungarn, später aus Tschechien oder auch aus Vietnam. Xavier Bettel unterstrich die Notwendigkeit der Solidarität in Europa in der aktuellen Flüchtlingskrise.

Die Erinnerungsfeier, die traditionsgemäß Luxemburger, Deutsche und Franzosen zusammenbringt, wurde von der Amicale Hinzert organisiert.