LUXEMBURG
NIC. DICKEN

Kindern kann und muss man immer wieder sagen, sie sollen die Finger lassen von heißen, spitzen oder scharfen Dingen. Sie werden die Ratschläge und Verbote erst dann beherzigen, wenn sie sich zum ersten Mal die Finger verbrannt oder sich eine mehr oder weniger schwere Schnittwunde zugefügt haben. Daran hat sich, was Kinder betrifft, in den letzten Jahrzehnten kaum etwas geändert, mit Ausnahme vielleicht, dass Brandwunden abgenommen haben, seitdem kaum noch Zündhölzer genutzt werden und Herdplatten dem technischen Fortschritt gewichen sind.

Wo aber Kinder Ratschläge nicht mehr beherzigen müssen oder mögen, da springen immer öfter ganz oder halbwegs erwachsene Zeitgenossen ein, um Gefahrensituationen auszutesten, vor denen man sie immer öfter und immer nachhaltiger warnen zu müssen glaubte. Das Resultat ist das gleiche wie mit den experimentierfreudigen Kindern, nur dass es in seiner Tragweite schwerwiegender und weitreichender sein kann.

Ja, wir sprechen schon wieder von der Corona-Pandemie, die derzeit, wie schon früher befürchtet, mit der einsetzenden Herbstsaison erneut Hochkonjunktur hat und sowohl auf den beiden Kontinenthälften jenseits des Atlantiks wie auch in Europa von den vorgelagerten Inseln bis an und über die Grenze zu Russland massiv steigende Infektions- und Opferzahlen offenbart.

Damit wird zunächst deutlich, dass all die im Anschluss an den mehrwöchigen, mehr oder weniger strikt verordneten Lockdown ergangenen Gesetze, Verordnungen, Mahnungen und Ratschläge der Regierungen quer durch Europa im Endeffekt nicht viel gefruchtet haben und im öffentlichen wie auch privaten Raum trotz bestehender Bedrohung sehr viele das taten, was sie selbst für richtig hielten. Das vorläufige Resultat ist bekannt, Medizin- und Pflegedienste bedanken sich herzlich.

In diesem Zusammenhang von fehlendem „leadership“ bei den bislang koordiniert auftretenden luxemburgischen Regierungsverantwortlichen zu sprechen, wie es am Samstag im RTL-„Background“ einige Oppositionspolitiker taten, erscheint deshalb auch ein bisschen weit hergeholt.

Vielleicht war es aber nur eine gute Gelegenheit, einen aus den Vereinigten Staaten herüber geschwappten Begriff zu verwenden, wo er im Zusammenhang mit US-Präsident Trump völlig zu Recht gebraucht wurde und wird.

Sinnvoller wäre es doch wohl gewesen, an all jene zu appellieren, die für sich Missachtung von Beschränkungen einfordern, ohne mit der Verantwortung dafür umgehen zu können, endlich jene Regeln zu beachten, die vielleicht nicht zu 100 Prozent garantieren, zumindest aber dazu beitragen könnten, weitere unnötige Erkrankungen und Sterbefälle zu vermeiden.

Auch wenn das Großhirn aus Washington das so glauben machen möchte, wird das Virus sich nicht von sich aus in Luft auflösen, sondern erst dann verschwinden, wenn ihm die Grundlage für seine weitere Verbreitung entzogen wird.

Dafür gibt es aber keine zehn Alternativen.