PASCAL STEINWACHS

Einmal angenommen, Sie würden Luxemburg und seine Gepflogenheiten nicht kennen, hätten aber die Gelegenheit, einige Tage im Großherzogtum zu verbringen und dort auch die lokalen Nachrichten zu verfolgen. Bestimmt hätten Sie sich in diesem Fall gewundert, was dieses Luxemburg doch für ein merkwürdiges Fleckchen Erde ist, scheint dieses Land, in dessen Nachrichten sogar über die bevorstehende Vermählung eines Landwirts (CSV-Bauer Guy) oder den Gemütszustand von Füchsen und Jägern berichtet wird, doch tatsächlich keine anderen Probleme zu kennen, als dass sich tagelang lautstark darüber gestritten wird, ob sich denn nun die DP bei der CSV oder die CSV bei der DP entschuldigen muss.

Dabei dürften im Zusammenhang mit der unseligen School-Leaks-Affäre wohl in Zwischenzeit nur noch die wenigsten durchblicken, um was es hier überhaupt geht und wer wem wann warum was gesagt hat. Die beiden CSV-Abgeordneten Martine Hansen und Félix Eischen, die Bildungsminister Claude Meisch (DP) mit ihren parlamentarischen Anfragen in die Bredouille bringen wollten und die am Montag noch eine öffentliche Entschuldigung vom Minister gefordert hatten, ansonsten sie juristische Schritte gegen ihn einleiten würden, dürften sich seit vorgestern jedenfalls wünschen, sie wären in den letzten Tagen vielleicht etwas weniger forsch aufgetreten.

Am Dienstag gerieten die beiden CSV-Politiker nämlich selbst unter Beschuss, nachdem bekannt geworden war, dass eine der beiden Lehrerinnen aus dem Echternacher Lyzeum, gegen die ermittelt wird, unter anderem auch die CSV über das Leck bei den Leistungstests für den Übergang von der Grund- in die Sekundarschule in Kenntnis gesetzt hatte, obwohl die CSV noch am Vortag hoch und heilig versprochen hatte, dass ihre Informationen nicht von einer der beiden Lehrerinnen und nicht aus der Ecke der Täterseite herstammen würden.

Am Dienstag sah die Welt dann schon wieder ganz anders aus, will die CSV doch erst an diesem Tag (!) erfahren haben, „dass ihre Informationen von einer der beiden Lehrerinnen stammen, was bis dato nicht gewusst war“. Scheinheiliger geht‘s nicht! Sogar im „Wort“ waren gestern 69 Prozent der Leser im Rahmen der „Frage des Tages“ davon überzeugt, dass „die CSV in die Sache verwickelt“ sei.

Es wäre dann auch so langsam an der Zeit, diese Politposse zu beenden, und stattdessen die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. Um das Wohl der Kinder, dem Totschlagargument schlechthin, geht es bei diesem parteipolitischen Geplänkel nämlich schon lange nicht mehr.

Das peinliche Dorftheater um die kopierten Tests führte dann auch dazu, dass die kleine Rochade im Wohnungsbauministerium, wo Ressortministerin Maggy Nagel seit letztem Freitag mit Marc Hansen ein arbeitsamer Staatssekretär zur Seite gestellt wurde, weitgehend unbeachtet von der Öffentlichkeit vollzogen werden konnte.

Dem luxemburgischen Dauerproblem Wohnungsbaupolitik dürfte demnach endlich Beine gemacht werden...