LUXEMBURG
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Hinter den Kulissen des Food For Your Senses: Sophie Thinnes über die Wichtigkeit der Freiwilligenarbeit

Sophie Thinnes läuft voller Elan und mit einem großen Grinsen über das Gelände des Food For Your Senses Festivals, das am Samstag und Sonntag auf Kirchberg stattfindet. Woher die gute Laune kommt? Sophie freut sich einfach. Darüber, dass sie gerade Bagger fahren durfte, darüber, dass morgen die Absperrgitter aufgestellt werden, und darüber, dass das Festival so langsam Form annimmt und in einigen Tagen seine Türen öffnet. Im Interview erzählt sie von den unterschiedlichen manuellen Arbeiten, die anstehen und warum die Freiwilligenarbeit so erfüllend ist.

Wer bist Du?

Sophie Thinnes Mein Name ist Sophie, und ich bin 30 Jahre alt. Ich habe fünf Jahre lang in Brüssel Kommunikation studiert und arbeite heute als Grafikerin und in einer Administration. Ich mache also eigentlich reine Büroarbeit.

Seit wann arbeitest du beim Food For Your Senses als Freiwillige, und wie kam es dazu?

Sophie Ich bin sehr interessiert an der Kultur: Ich besuche regelmäßig Konzerte und habe jeweils ein Praktikum in der Kulturfabrik und in der Rockhal gemacht. Dank diesem Interesse habe ich viele Menschen kennengelernt, die sich auch für die Kultur in Luxemburg einsetzen. Irgendwann hat jemand mich gefragt, ob ich nicht Lust hätte, auf dem Festival zu helfen. Er erklärte mir, welche Arbeiten anstehen. 2017 bin ich dann in eine Versammlung gegangen, habe die Leute kennengelernt und war dann eigentlich sofort mit dabei. Am Anfang habe ich bei der Pressearbeit und im Marketing geholfen, da ich dies ja auch studiert habe. Heute bin ich verantwortlich für zwei Bars.

Was sind das für Arbeiten, die gemacht werden müssen, um ein solches Festival auf die Beine zu stellen?

Sophie Das sind sehr vielseitige Arbeiten. Im Voraus werden natürlich viele Vorbereitungen gemacht und das ganze Konzept auf die Beine gestellt. Hierzu gehört das ganze Sponsoring, die Pressearbeit, das Organisieren von Expos, die Suche nach Kreativen, sei es Musiker oder Künstler, sei es luxemburgische oder internationale. Dann wird viel gemeinsam gebaut, gemalt, gesägt, gewerkelt und gewurschtelt. Während des Festivals kann man Bier zapfen, Kleider verkaufen, Workshops halten, den Backstage organisieren. Überall kann man mit anpacken, und das macht das Ganze auch so interessant.

Bauen, sägen, malen, werkeln - kann das jeder der als Freiwilliger hier ankommt?

Sophie Wir haben ein sehr gemischtes Team. Einige von uns arbeiten professionell in handwerklichen Berufen, andere kommen hierhin und sind manuell erstmal völlig unbegabt. Das Schöne dabei ist, dass die Professionellen und die Laien miteinander arbeiten, und jeder voneinander lernen kann. Der mit den zwei linken Händen lernt, wie man richtig schraubt und sägt, und der professionelle Mechaniker lernt wiederum etwas anderes. Zudem kann jeder das machen, was er will und was er kann - oder eben etwas Neues ausprobieren. Nichts muss, alles kann. Da wir hier eine so große Mischung an unterschiedlichen Talenten haben, kann das Team gemeinsam einfach alles.

Was ziehst Du persönlich aus der Freiwilligenarbeit beim Food For Your Senses?

Sophie Es bringt mir persönlich sehr viel. Zuerst weil wir ein so tolles Team sind: Wir unterstützen uns gegenseitig, arbeiten zusammen, helfen einander. Es ist einfach ein tolles Gefühl, hier mit all diesen Leuten zusammenzuarbeiten. Wir sind quasi wie eine Familie: Es ist egal, wie alt du bist, woher du kommst, was du beruflich machst, welche Sprachen du sprichst oder welcher Religion du dich zugehörig fühlst - jeder ist hier ein wichtiger Teil des Ganzen. Zudem ist diese Arbeit ein sehr toller Ausgleich zur Büroarbeit. Wenn du eine Woche lang in dem stickigen Büro gesessen hast, bis du am Wochenende einfach nur froh, wenn du den ganzen Tag an der freien Luft verbringen kannst und etwas anderes machst als gewöhnlich. Es ist ein toller Ausgleich zum manchmal etwas langweiligen Alltag. Nicht zuletzt ist es einfach ein unbeschreiblich schönes Gefühl, wenn das Festival seine Türen öffnet und die Leute glücklich übers Feld gehen. Wenn sie glücklich sind, macht mich das auch glücklich. Die Arbeit bringt mir also sehr viel.

Wie viel Freizeit widmest Du Deiner Arbeit für das Festival?

Sophie Ich widme dem Festival natürlich weniger Zeit als die Leute, die das Ganze schon lange im Vorfeld durchplanen. Ich arbeite hauptsächlich die drei Wochen vor dem Festival. Hier sind dann auch alle Feierabende für das Food For Your Senses Festival im Voraus reserviert. Auch die Wochenenden werden dieser Freiwilligenarbeit gewidmet, und dies bereits Monate vor dem eigentlichen Festival. Und auch für das Auf- und Abbauen muss man sich natürlich Zeit nehmen. Es ist zeitintensiv, aber da man es gerne macht, ist das kein Problem.

Warum ist die Freiwilligenarbeit so wichtig?

Sophie Die Freiwilligenarbeit ist auf dieser Welt sehr wichtig. Ohne diese Freiwilligen würde so vieles, auch hier im Land, nicht geschehen. Vor allem in der Kultur ist das wichtig, weil es für viele Arbeiten die anfallen keinen Beruf gibt und man nicht davon leben kann. Man braucht also Freiwillige, die das Ganze bewältigen, weil es sonst keiner macht. Du wirst zwar weder berühmt noch reich davon, aber es macht dich unendlich froh und erfüllt dich.

Dieses Jahr findet das Food For Your Senses Festival zum letzten Mal statt. Was kommt danach für Dich?

Sophie Zuerst muss man ja sagen, dass es sehr schade ist, dass dieses Festival zum letzten Mal organisiert wird. Für mich geht es jedoch weiter, da ich mich auch für ein weiteres luxemburgisches Festival einsetze, dem Koll an Aktioun, welches auch die nächsten Jahre stattfinden soll. Dieses Festival findet dieses Jahr nur zwei Wochen nach dem FFYS statt. Es ist also ein sehr intensiver Frühling für mich. Jetzt freue ich mich allerdings auf die letzte Edition des Food For Your Senses, welches ich in vollen Zügen genießen möchte.

Das letzte Food For Your Senses

Das Food For Your Senses Festival geht am 25. und 26. Mai auf Kirchberg über die Bühne. Unter dem Namen „Funeral Feast“ findet diese letzte Edition des kulturellen Festes statt, das 2002 zum ersten Mal in Tüntingen organisiert wurde. Die Türen öffnen am Samstag und am Sonntag um jeweils 12.00. Zu den musikalischen Highlights zählt die temporäre Wiedervereinigung großer luxemburgischer Bands wie Inborn! oder Eternal Tango. Neben der Musik gibt es eine FFYS-Expo, ein Pop-up Store, eine Kunstausstellung und vieles mehr.

Alle Informationen sowie Tickets gibt es unter www.ffys.lu und an der Abendkasse