MP3 Dateien hin oder her: Das Sammler-Gen ist so fest im menschlichen Erbgut verankert, dass die Spezies „Plattensammler“ nicht so schnell auszusterben droht. Der britische Plattenversandhandel eil.com hat sich seit nunmehr fast 30 Jahren auf den Vertrieb von raren Veröffentlichungen und Memorabilien spezialisiert. Wer bei den Londoner Musikspezialisten nach David Bowie-Material sucht, wird mehr als fündig: Über 3.600 Artikel mit einem Bowie-Bezug listet der Online-Plattenladen auf, von der herkömmlichen „Let’s dance“-Vinylsingle, für die man in Luxemburg um die 120 Franken berappen musste über ein Presse-Promopaket mit dem „Outside“-Album, Tourpässe aus Satin bis hin zu raren Japan-Pressungen. Für letztere sind Preise um die 800 Pfund und mehr keine Seltenheit: Bowie-Sammler können in London eine rare japanische Promo-LP mit dem Titel „Rock ’N‘ Roll Now“ aus dem Jahre 1973 für immerhin 850 Pfund erwerben. Laut Cathryn Draper, Direktorin von eil.com, handelt es sich hier um eine streng limitierte Platte, die Anfang der Siebziger Jahre an Vertreter der Musikindustrie, allen voran Mitarbeiter des Labels RCA verteilt wurde und gar nicht in die Plattenregale kam.
Wer sparen muss, dem kann man die „Best Now“-Doppel-LP ans Herz legen, die 1974 in Japan veröffentlicht wurde und in einer streng limitierten Auflage in den dortigen Handel kam. Beim britischen Online-Händler kostet das Doppel-Vinyl „nur” 395 Pfund, also immerhin weniger als die Hälfte als „Rock ’N‘ Roll Now“. Beide Platten wurden von Mitarbeitern des Plattenhandels in Japan erworben. In der Regel, so Cathryn Draper, würden man solche Raritäten heutzutage nur noch in Privatsammlungen finden.
Komplette Sammlungen aufgekauft
Hat ein David Bowie oder ein anderer Star dem Online-Haus schon Platten oder Memorabilien zum Verkauf angeboten? Die Leiterin winkt ab: Man sei noch nie von prominenten Musikern kontaktiert worden, die ihre Platten zum Verkauf anboten. Allerdings, so Draper, habe ihre Firma in der Vergangenheit zahlreiche Sammlungen aufgekauft, die Plattensammlern gehörten, die im Musikbusiness gearbeitet haben und somit Zugang zu sehr interessanten Veröffentlichungen gehabt hätten.
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