LUXEMBURG
SOPHIA SCHÜLKE

Europäisches Kulturerbejahr 2018 eingeläutet - EU finanziert Projekte mit acht Millionen Euro

Nicht nur ein Haufen alter Steine, gut für ein stadtgeschichtliches Museum, ein schnelles Foto oder mal ein Sommerfest. Europa ist voll mit Kulturerbe, das viel wert ist und auch genutzt werden will. In genau diesem Sinne wird 2018 das Europäische Kulturerbejahr begangen.

Dabei geht es aber nicht nur um den Wert des kulturellen Erbes für die Gesellschaft im schöngeistigen Sinne oder seine Erhaltung für künftige Generationen, sondern auch um seine Rolle in der europäischen Kulturdiplomatie. Und um seinen Beitrag zur Wirtschaft, denn mehr als 300.000 Menschen sind in diesem Wirtschaftssektor beschäftigt und 7,8 Millionen europäische Arbeitsplätze hängen indirekt mit dem Kulturerbe zusammen - beispielsweise im Tourismus, der Gastronomie und dem Bauwesen. Das Europäische Kulturerbejahr 2018 geht auf eine Initiative des Deutschen Nationalkomitees für Denkmalschutz von 2013 zurück. Ziel ist es, die europäische Dimension der Kultur stärker ins Bewusstsein zu bringen. 28 europäische Länder sollen ihr kulturelles Erbe teilen und dessen Potential für Identifikation und Entwicklung ihren Bürgern erlebbar zu machen.

Drei Schwerpunkte in Luxemburg

Geplant sind Veranstaltungen in ganz Europa. Zielgruppe sind laut Catherine Magnant, Projektchefin des „Année européenne du patrimoine culturel“ der EU-Kommission, eine breite Öffentlichkeit und Kinder und Jugendliche zwischen zehn und 25 Jahren. Das umfassende Programm wird durch die Zusammenarbeit mit internationale Organisationen, EU-Einrichtungen, Staaten, Branchenexperten und der Zivilgesellschaft bewerkstelligt.

Gestern wurde in der „Abbaye de Neumünster“ der Auftakt des Kulturjahres begangen. Kulturstaatssekretär Guy Arendt gab einen kurzen Rückblick auf das Europäische Denkmalschutzjahr 1975. Die Herausforderungen seien zu einem großen Teil gleichgeblieben, doch während damals das Architekturerbe im Fokus stand, ist es dieses Mal das ganze Kulturerbe. Darin bezog Arendt das materielle, immaterielle und digitale Kulturerbe ein. Die geplanten Veranstaltungen betrachtet der Kulturstaatssekretär als partizipative Prozesse, welche die Vielfalt des europäischen Kulturerbes und die gemeinsamen europäischen Werte bewerben sollen. „Das Kulturerbe spielt eine wichtige Rolle für den gesellschaftlichen Zusammenhalt und erinnert uns an die Vergangenheit, um uns den Weg in die Zukunft zu weisen.“ Das gab der Kulturstaatssekretär auch vor dem Hintergrund, dass 2018 das hundertjährige Jubiläum des Ende des Ersten Weltkrieges begangen wird, zu Bedenken. Zudem sprach er seine Hoffung aus, dass auch nach 2018 das Interesse am Kulturerbe aufrecht erhalten werden kann.

Auch Beryl Bruck, Koordinatorin des Europäischen Kulturjahres in Luxemburg, rief in Erinnerung: „Das Kulturerbe spiegelt unsere Vergangenheit und hilft uns, die Gegenwart zu verstehen.“ Die Koordinatorin des Europäischen Kulturjahres in Luxemburg versteht das Kulturerbe als kulturelle, soziale und wirtschaftliche Ressource, auf welche auch achtgegeben werden müsse, damit diese Ressourcen auch in Zukunft erhalten bleiben und genutzt werden können.

In Luxemburg werden drei Schwerpunkte gelegt: auf Sensibilisierung, Nachhaltigkeit und Technologie. So sollen Schüler und Jugendliche in der Schule oder außerhalb durch Ausstellungen und Workshops informiert werden. Die nachhaltige Entwicklung umfasst das Begreifen des Kulturerbes als Ressource und die Wiedernutzung der Stätten. Dann sollen neue Technologien zur Konservierung und Sensibilisierung dienen, aber auch bei wissenschaftlichen Untersuchungen weiterhelfen oder Denkmäler oder Ruinen veranschaulichen, etwa als 3D-Modelle. Geplant ist laut Bruck, dass teilnehmende Projekte ein Label bekommen, wobei generell auch eine finanzielle Unterstützung ermöglicht wird.

Mehr als 30 Millionen Besucher

Auf dem Programm in Luxemburg stehen unter anderem eine Ausstellung über außergewöhnliche Exponate aus den Kulturinstituten, die Wiederinstandsetzung einer bekannten archäologischer Stätte, die Zugänglichmachung solcher Stätten und ein „kit pédagogique“ zum Thema Kulturerbe für Kinder im Primärschulalter.

Die Europäische Union stellt den 28 Ländern insgesamt acht Millionen Euro für Maßnahmen zur Förderung des gemeinsamen europäischen Kulturerbes zur Verfügung. Für die Umsetzung des Jahres auf nationaler Ebene sind die jeweiligen EU-Mitgliedstaaten verantwortlich. Europaweit rechnet EU-Projektchefin Catherine Magnant mit mehr als 30 Millionen Besuchern. Ein nicht unerheblicher Teil wird auch auf La Valletta auf Malta und Leeuwarden in den Niederlanden entfallen, die beiden Kulturhauptstädte des Jahres 2018.


Weitere Informationen unter www.patrimoine2018.lu und sharingheritage.de