LUXEMBURG
SIMONE THILL-CLAUS

Mit dem Thema Trauer müssen wir uns alle früher oder später auseinandersetzen, dennoch wird der Tod oft tabuisiert und Trauer nicht verstanden, oder nicht zugelassen. Simone Thill-Claus, Direktorin bei Trauerwee asbl, erklärt, warum es gerade in Bildungsstätten wichtig ist, auf Trauerfälle einzugehen und warum man Trauer und Schule nicht einfach trennen kann.

„Trauer ist die natürliche und normale Reaktion auf den Verlust einer nahestehenden Person. Sie entsteht da, wo Menschen eine innere Beziehung und Bindung zu dem verstorbenen Menschen empfunden haben. Je enger die Beziehung war, desto tiefer ist die Trauer. Trauer ist keine Krankheit, sondern ein Prozess, das heißt, Trauer verändert sich und ist in einer ständigen Entwicklung. Die Trauer braucht Zeit und Raum, um wieder ins Gleichgewicht zurückzukehren, Trauer bedeutet also nicht, das Blatt zu wenden und weiterzumachen. Wir müssen uns immer vor Augen halten, dass Trauer ein Ziel hat: sie will uns den Verlust eines Menschen begreifen lassen und diesem Erlebnis einen Platz in unserem Inneren einräumen.

Bei Kindern und Jugendlichen laufen die Trauerprozesse nicht so kontinuierlich ab wie bei Erwachsenen. Sie trauern eher auf Raten und dies ermöglicht ihnen, sich weiterzuentwickeln und ihre Ressourcen aufzufüllen. Während ihrer Trauerarbeit sind sie abhängig von der Akzeptanz der Menschen, die sie umgeben.

Nach dem Verlust einer nahestehenden Person sind die meisten Familien in einer ersten Phase hilflos und im Alltag emotional überfordert. Die Schule oder Betreuungsstruktur ist neben der Familie ein bedeutender Lebensbereich der Kinder und Jugendlichen, da sie dort einen sehr großen Teil ihrer Zeit verbringen. Demnach können Trauer und Schule nicht einfach getrennt werden. In der Schule erleben die jungen Leute weiterhin Struktur, Sicherheit und Ruhe. Hier herrscht Normalität, hier geht das Leben weiter und diese trauerfreie Zone benötigen sie auch. Nichtsdestotrotz ist es wichtig, dass die Themen Tod und Trauer auch in der Schule offener angegangen werden. Wir erleben nicht selten, dass Lehrer und Erzieher eine große Unsicherheit diesen Themen gegenüber haben. Wie sollen sie reagieren, wenn zum Beispiel die Mutter eines Schülers unerwartet gestorben ist? Sie wollen nichts falsch machen und sind teilweise selbst überfordert. Auch die betroffenen Schüler haben oft, zusätzlich zu ihrer eigenen Trauer, Angst vor den Blicken und Fragen ihrer Klassenkameraden. Durch Aufklärung und Enttabuisierung der Themen Tod und Trauer in Bildungsstätten, soll bei einem Sterbefall der Umgang miteinander erleichtert werden. Die Trauer sollte gesehen werden. Wie Kinder oder Jugendliche letztendlich davon Gebrauch machen und wie viel Trauer sie zulassen, liegt alleine bei ihnen. Schweigendes Verheimlichen wäre allerdings kontraproduktiv für die Entwicklung der Betroffenen. Junge Trauernde wollen und brauchen keine Sonderbehandlung, aber sie wollen auf behutsame Art und Weise gesehen werden.

Wesentlich ist ein strukturiertes und koordiniertes Vorgehen, wenn ein Schüler oder ein Lehrer gestorben ist und demnach eine ganze Klasse betroffen ist. Die Schule ist eine Gemeinschaft und sollte entsprechend als solche reagieren. Idealerweise hat die Schule sich schon präventiv mit dem Thema befasst und ein Konzept ausgearbeitet, um Hektik und Chaos in der akuten Situation zu vermeiden. Trauerwee unterstützt Schulen und Betreuungsstrukturen im Umgang mit diesen Themen, bei der präventiven Arbeit oder bei Supervisionen und Weiterbildungen. Denn wir werden nicht gefragt, ob wir trauern wollen, aber irgendwann wird es jeden von uns treffen.“

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