LUXEMBURG
NIC. DICKEN

Eigentlich könnte man über die Schmierenkomödie, die vergangene Woche in den altehrwürdigen Mauern der Westminster Abbey in eine weitere Fortsetzung ging, nur noch lachen, wenn es sich denn nicht um eine sehr ernste Sache mit enorm hohem Einsatz handeln würde. Von vornherein auf verlorenem Posten, ließ sich die britische Premierminister vom Parlament offiziell mit einer satten Zweidrittelmehrheit bescheinigen, dass man auf den über knapp zwei Jahre mit den EU-Behörden ausgehandelten „Deal“, also eine Art geordneten Brexit, nicht wirklich Wert legt. Der Rest der langweiligen Trauerstory war ebenso absehbar wie lächerlich: Selbstverständlich stellte die Labour-Opposition um Jeremy Corbyn unmittelbar nach dem missglückten Brexit-Votum einen Misstrauensantrag, der allerdings genauso selbstverständlich, wenn auch mit einer wenig überzeugenden Mehrheit des Tory-Lagers abgeschmettert wurde. Der Rest war Schweigen.

Selbstverständlich und zwangsläufig kam es im direkten Gefolge bei den direkt betroffenen EU-Partnerstaaten zu sehr unterschiedlichen Reaktionen, von denen allerdings nur eine Sinn zu machen scheint: Insofern in letzter Minute nicht doch noch ein zweites Referendum im (noch) Vereinigten Königreich beschlossen werden sollte, wäre das Ding damit definitiv gelaufen.

Im Klartext: das „worst case“-Szenario „no deal“, ein Standpunkt, dem sich auch die luxemburgische Regierung verschrieben hat, während andere, wie etwa die deutsche Kanzlerin, immer noch und immer wieder weiter verhandeln wollen. Worüber, und wozu das alles noch gut sein soll, vermag kein Mensch zu sagen. Solange die Insulaner selbst nicht wissen, was sie am Ende eigentlich wollen, wie ernst es ihnen selbst mit ihrem diesmal ultimativen „opting out“ gemeint ist, scheint es schwierig, sich auch nur über Mindestziele eines künftigen Zusammenlebens einigen zu können. Das zumindest ist die Schlussfolgerung, die man aus den zweijährigen Verhandlungen ziehen kann und muss.

Wir sind und bleiben Anhänger eines geordneten und den Interessen aller Beteiligten dienlichen Ausschlussverfahrens. Solange jedoch immer noch und immer wieder auf Zeit gespielt wird, wodurch alle sonstigen politisch erforderlichen Diskussionen und Entscheidungen in der EU verzögert und weiter ins Hintertreffen geraten, macht das Ganze kaum noch Sinn. Es würden höchstens neue Ansprüche und Verlockungen in anderen, mit den EU-Regelungen nicht sonderlich zufriedenen Mitgliedstaaten geweckt: Ein fataler Kreislauf, der das Jahrhundertwerk EU sehr schnell zur Implosion bringen würde.

Man kann durchaus verstehen, wenn immer mehr Leute, die sich bis zuletzt ehrliche Sorgen gemacht haben um einen geordneten und für alle Betroffenen möglichst schadlosen Ablauf des ohnehin hochnotpeinlichen Vorgangs, den Standpunkt einnehmen, dass ein Ende mit Schrecken immer noch besser ist als ein Schrecken ohne Ende.

Oder um es mit einem bekannten Sprichwort zu sagen: „Reisende soll man nicht aufhalten!“