CLAUDE KARGER

Die Macht der Worte: „Within our mandate, the ECB is ready to do whatever it takes to preserve the euro“. Ein Satz, mit dem der damalige Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi, im Sommer 2012 die Eurozone stabilisierte, die infolge der von dem Virus Gier verursachten Subprime-Krise aus den USA in ein Schuldendebakel gestürzt war.

Draghis Ausdruck ist seit einer Woche wieder - verstärkt - in aller Munde, nachdem ein anderer Virus die Welt voll im Griff hat. Klar ist jetzt bereits, dass die Billionen-Hilfen, die Regierungen und internationale Geldgeber damals auflegten, um einen wirtschaftlichen Flächenbrand zu verhindern, nur ein Bruchteil jener sein werden, die benötigt werden, um die Spur der Verwüstung des Corona-Erregers durch die Ökonomien - und somit auch durch das soziale Gefüge der Staaten - zumindest zu begrenzen.

Deshalb gilt es nun vor allem schnell zu handeln, und besonders den Betrieben, die aus sanitären Gründen quasi über Nacht keine andere Wahl hatten, als ihre Aktivitäten einzufrieren, möglichst stark unter die Arme zu greifen. Und möglichst unbürokratisch. Denn die Energie, die nun in den Unternehmen benötigt wird - von den Führungskräften, genauso wie von den Mitarbeitern - um sie überhaupt mal am Laufen zu halten und danach wieder auf Kurs zu bringen, darf nicht von unsinnigem Papierkrieg aufgesogen werden.

Dass das auch eine riesige Herausforderung für die Verwaltungen ist, liegt auf der Hand. Deshalb wird Nachsicht auf beiden Seiten erforderlich sein. Das harte Match, das jetzt kommt und mehr Puste verlangen wird, als wir uns vorstellen können, ist nämlich nur im Teamplay zu gewinnen. Die luxemburgische Regierung hat ein Arsenal an Sofortmaßnahmen angekündigt, um die Wirtschaft zu entlasten und die Betriebe liquide zu halten und so Masseninsolvenzen und Massenentlassungen zu vermeiden. „Whatever it takes“!

Ob sich andere Partner-Wirtschaften, wie das geschundene Italien, oder unsere französischen Nachbarn etwa, wirtschaftsunterstützende „Bazookas“ leisten können, wie die Deutschen oder die Luxemburger - die kaum so gut da stehen würden ohne Europa und ohne die Arbeitskräfte aus der Großregion - steht auf einem anderen Blatt.

Es steht zu erwarten, dass die Corona-Krise ein nie dagewesener Stresstest nicht nur für die Eurozone, sondern für die ohnehin schon durch Brexit und profunden Divergenzen etwa über die Flüchtlingspolitik stark geschwächte EU werden wird. Die Epidemie hat wiederum offenbart, wie schwer es das europäische Orchester hat, zu harmonieren und selbst bei akuten Bedrohungen nationale Egoismen beiseite zu lassen.

Aber diese Krise, die uns wie ein Schlag ins Gesicht daran erinnert, wie verletzlich wir gegenüber der Natur, die wir gebändigt zu haben glauben, sind, ist zunächst einmal ein nie dagewesener Stresstest für unser Gesundheitssystem und für Luxemburg als Gesellschaft. Was sie jetzt mit Sicherheit nicht braucht, ist Egoismus. Sondern Solidarität, Geduld und Menschlichkeit. „Whatever it takes!“