LUXEMBURG
CLAUDE KARGER

Service Club Lions wird 100, luxemburgischer Lions-Distrikt 50 - Was die Mitglieder bewegt

Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren: Am 17. Juni begeht der „Lions District 113“ mit seinen 24 Mitgliedclubs und seinen beiden „Leo Clubs“ (für junge Leute) sein 50jähriges Jubiläum. Die Feier, bei der neben zahlreichen Gästen aus dem In- und Ausland auch Ehrengouverneur Großherzog Jean erwartet wird, steht zudem unter einem ganz besonderen Stern: Genau 100 Jahre ist es nämlich her, dass ein Geschäftsmann aus Chicago den Service Club gründete (s. Rahmen).

„We Serve“

Den „Lions“ gibt es allerdings bereits länger als ein halbes Jahrhundert im Großherzogtum: „1953 gründete der Anwalt Fernand Loesch den ersten Lions Club in Luxemburg, den „Luxembourg-Doyen““ erklärt Jean-Claude Koenig, der amtierende Gouverneur des „Lions District 113“ und ehemaliger BIL-Manager, der Ende Juni sein Amt an Daniel Becker weiter reichen wird. Insgesamt 960 Mitglieder zählen die Luxemburger Clubs, die sich dem Motto „We serve“ verschrieben haben. Was das konkret bedeutet? „Die Mitglieder stellen sich in den Dienst der Gesellschaft“, unterstreicht Jean-Claude Koenig, „das heißt sie engagieren sich finanziell und physisch für Projekte, die der Gesellschaft und besonders den Menschen, denen es weniger gut geht, zugute kommen“.

ERMUTIGUNG FÜR DAS ENGAGEMENT JUNGER LEUTE

Eine Premiere: „Prix Lions Jeunes“

Seit vielen Jahren stiftet der Distrikt 113 den mit 10.000 Euro dotierten „Prix Lions“, der Personen oder Organisationen zugute kommt, die sich besonders für das Wohl ihrer Mitmenschen eingesetzt haben. In diesem Jahr wird auch erstmals ein „Prix Lions - Jeunes“ verliehen. Der mit 5.000 Euro dotierte Preis soll Jugendliche zwischen zwölf und 21 Jahren ermutigen, Projekte für das Gemeinwohl anzuspornen. Etwa wie es der 13jährige Federico Colavitti tut, der seit 2013 ein Benefizfußballturnier in Mamer zugunsten des „Téléthon“ organisiert. Er ist der erste Träger des „Prix Lions - Jeunes“. Zum 50. Jubiläum des Lions District 113 erscheint übrigens auch ein Buch mit vielen Erinnerungen. Unser Interview mit ihm: 
http://www.journal.lu/top-navigation/article/kleiner-kicker-mit-herz/

So ist der „Lions District 113“ bestbekannt als Organisator der „Téléthon“-Aktion in Luxemburg seit 1992, bei der über die Jahre einige Millionen Euro für die Forschung über seltene Krankheiten gesammelt werden konnten. Sehr bekannt ist auch die „Action Lions Vaincre le Cancer“ und die Aktionen zugunsten der „Banque de Cornées Lions“, bei denen Gelder gesammelt werden, um die Augenhornhautbank in Homburg zu unterstützen, von der auch luxemburgische Patienten profitieren. Sehr wichtig ist dem Lions-Distrikt auch die Unterstützung der „Banque alimentaire“. Die Clubs sammeln nicht nur jährlich über 60 Tonnen Lebensmittel für die bedürftigsten Einwohner, der Distrikt finanziert nun auch die Miete für eine Aufbewahrungshalle in Windhof. Hinzu kommen vereinzelte Aktionen der verschiedenen Clubs. „Insgesamt konnten 2015/2016 etwa 700.000 Euro zugunsten von Bedürftigen in Luxemburg und in der Welt verteilt werden“, erklärt Jean-Claude Koenig und fügt bei: „Jeder Euro, der bei uns als Spende eingeht, geht auch wieder raus“. Das heißt: „Es wird kein Cent davon verwendet, um die Organisation der Lions zu zahlen. Das wird alles exklusiv aus den Beiträgen der Mitglieder bestritten“.

„Sie sehen also, dass die Lions-Bewegung viel, viel mehr ist als regelmäßige Treffen von älteren Herren um ein Mittagessen oder ein Dinner“, sagt der Gouverneur auf die Frage nach dem etwas verstaubten öffentlichen Image der Service-Clubs. Gegen dieses Image will man vorgehen, das hat sich auch der künftige Gouverneur Daniel Becker auf die Fahne geschrieben: „Ein Lions Club ist keine Eliteveranstaltung und kein Elfenbeinturm. Wer bei uns mitmachen möchte ist herzlich willkommen. Sein Engagement ist ein Engagement für die ganze Gesellschaft“. Künftig soll mehr Wert auf die Kommunikation nach außen über die Projekte des Lions gelegt werden, dessen Mitgliedszahl entgegen Trends in anderen Ländern wächst. „Ja, es ist schwierig in unserer schnelllebigen Zeit“, sagt Becker zur Rekrutierung neuer „Lions“, „aber wir tun unser Bestes, um vor allem auch mehr junge Leute mit an Bord zu bekommen. Denn auch künftig werden Menschen, die sich für die Solidarität mit anderen einsetzen, dringend gebraucht“.

www.lions.lu

„LIONS CLUB INTERNATIONAL“

1,4 Millionen Mitglieder in 210 Ländern

Über die beruflichen Beziehungen hinaus, der Einsatz für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Mitglieder der Gemeinschaft und letztendlich der Welt: Diesen Schritt schlug 1917 der Chicagoer Geschäftsmann Melvin Jones seinen Kollegen aus seinem Unternehmensklub vor. Die Idee fand bald Gleichgesinnte in den ganzen USA und so wurde am 7. Juni 1917 bei der Gründungsversammlung in Chicago die „Vereinigung der Lions Clubs“ gegründet. Bis 1948 sollte es dauern, als in Stockholm der erste europäische Lions Club gebildet wurde. In Luxemburg war das 1953 der Fall.

1968 wurde die Internationale Lions Stiftung gegründet, die bislang rund 826 Millionen Dollar für humanitäre Zwecke gestiftet hat. Heute gibt es 46.693 Lions Clubs in 210 Ländern mit insgesamt fast 1,4 Millionen Mitgliedern. Derzeitiger Vorsitzender der internationalen Organisation mit Sitz in Oak Brook, Illinois, ist der US-Amerikaner Bob Corlew.

Ab 2018 dürfte die erste Frau an der Spitze von Lions International stehen, die Isländerin Gudrun Bjort Yngvadottir. Die „Lions Clubs“ waren bis 1987 exklusive Männer-Clubs. Erst eine Änderung an der Satzung ermöglichte die Aufnahme von Frauen. Vom 30. Juni bis 3. Juli findet übrigens die 100. Internationale Lions-„Convention“ in Chicago statt. 
http://www.lionsclubs.org