LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Für Gleichberechtigung und Frauenrechte: 2.000 Teilnehmer beim ersten „Fraestreik“

Die Parolen auf den Plakaten waren deutlich: „Surchargées et sous-payées – les femmes méritent mieux!“, „Travail égal = salaire égal“, „No more pension gap between men and women“. Es war nicht zu übersehen und auch nicht zu überhören, worum es den streikenden Frauen und solidarischen Männern an diesem Nachmittag ging: um Gleichberechtigung und auch um Respekt. Über 2.000 hatten sich am Samstag auf der „Place d’Armes“ versammelt, um sich am ersten nationalen Frauenstreik Luxemburgs zu beteiligen - ausgestattet mit Plakaten und Fahnen, mit Trillerpfeifen und Megaphon, gekleidet in den feministischen Farben Violett oder Pink, um für eine gleichberechtigte Gesellschaft, für Frauenrechte und für eine faire Verteilung von Care-Arbeit zu demonstrieren.

Lëtzebuerger Journal

Gerechte Aufteilung von Care-Arbeit

„Who cares? We care!“: Die von der Organisationsplattform JIF organisierte Streikaktion hatte zum Ziel, einen besonderen Fokus auf die Care-Arbeit zu richten und dabei auf die anhaltende ungleiche Aufteilung dieser Aufgaben, den mangelnden Respekt und natürlich auch auf die geringe oder komplett fehlende Bezahlung aufmerksam zu machen. Auch in Luxemburgs Haushalten sind die Rollen oft klar verteilt. So ist es meist Aufgabe der Frau, zu putzen, zu kochen, Wäsche zu waschen, zu bügeln und sich um die Kindererziehung zu kümmern. Dies erledigt die Frau entweder neben ihrem 40-Stunden-Job – zusätzlich rund zwei Stunden pro Tag – oder, indem sie nur einer Teilzeitbeschäftigung nachgeht und somit Lohneinbußen in Kauf nimmt, um die für den Haushalt und die Erziehung nötige Zeit aufzubringen. Bezahlt wird sie für diese Arbeiten nicht.

Im Reinigungs- genau wie im Pflegesektor überwiegt darüber hinaus ebenfalls der Frauenanteil. Putzfrauen arbeiten oft unter schwierigen Bedingungen, dies noch dazu für einen geringen Lohn. Sie leisten eine wertvolle Arbeit und werden dafür kaum respektiert. Diese Arbeit, ob nun im Pflege- oder im Reinigungssektor, müsse gerechter aufgeteilt und entlohnt werden, fordert die Organisationsplattform.

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Solidarität mit Frauen weltweit

Stand auch die Care-Arbeit im Vordergrund der Demo, so wurden doch auch viele andere Themen in den Fokus gerückt, die nicht nur Frauen in Luxemburg beschäftigen. Der Slogan „So-So-Solidarité avec les femmes du monde entier“ wurde am Samstagnachmittag immer wieder angestimmt. Sprüche, wie „Violences sexuelles, Violences sociales, même combat contre le capital“, „Stop violence against women in Turkey“ oder „Le respect de la femme afro-descendant n’est pas négociable“ zeugen von der Solidarität, die man mit dieser Aktion allen Frauen weltweit entgegenbringen wollte.

Von der „Place d’Armes“, wo erste Reden und Sprechchöre die Stimmung ordentlich aufgeheizt hatten, zogen die DemonstrantInnen weiter Richtung Abgeordnetenkammer, wo die wichtigsten Forderungen in gleich vier Sprachen ausgerufen wurden. Ein gutes Leben für alle könne ohne die Gleichberechtigung der Geschlechter nicht gelingen, heiß es. Neben dem Aufruf nach einer gerechten Verteilung der Sorgearbeit fanden auch die Forderungen nach einem Recht auf Wohnen für alle, die Erhöhung des Netto-Mindestlohns und die Verringerung der Arbeitszeit bei gleichem Gehalt die nötige lautstarke Zustimmung.

Nach einem weiteren Zwischenstopp des Demo-Zugs bei der „Gëlle Fra“, wo Frauen aus dem Reinigungssektor ihre Anliegen mit einer Tanz-Aktion zum Ausdruck brachten, wurde der Weg fortgesetzt, um schließlich bei den Rotondes und mit einer After-Party zu enden. Wie vielfältig die Gründe sind, weshalb Frauen auch heute noch kämpfen müssen, ist bei dieser Aktion mehr als deutlich geworden. Nun gilt es, zu handeln!

Bereits am darauffolgenden Tag, dem Weltfrauentag am 8. März, wurde die Streikaktion im Kultur- und Begegnungszentrum neimënster evaluiert. Ein passendes Rahmenprogramm mit Konzerten und Theater wurde ebenfalls geboten.

Am Ende konnten die Organisatoren nur zu dem Schluss kommen, dass dieser erste Frauenstreik ein voller Erfolg war. „On vient de vivre un moment historique!“, unterstrich die Plattform JIF am Abend in einer Pressemitteilung. •

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Zahlen zum Weltfrauentag

305.174
So viele Frauen zählte Luxemburg zum 1.1.2019. Sie machen 49,7 Prozent der Bevölkerung aus. Bei den Luxemburgern liegt der Anteil bei 50,8 Prozent, bei den Nicht-Luxemburgern bei 48,5 Prozent

69.730
Die Zahl der Grenzgängerinnen. 132.140 Grenzgänger wurden 2019 gezählt

31
Durchschnittalter der Frauen bei der ersten Hochzeit 2017. Bei den Männern liegt dieses Alter bei 33 Jahren

40,19
Durchschnittsalter bei Frauen in Luxemburg. Bei den Luxemburgerinnen liegt das Alter bei 42,68 Jahren, bei den Nicht-Luxemburgerinnen bei 37,31 Jahren

25,7%
Anteil der Frauen auf Führungsposten. 2010 lag dieser Anteil noch bei 16,6 Prozent

16
(Stunden) Verbringen Frauen in der Woche mit Haushaltsarbeiten. Bei den Männern sind es 8 Stunden

84,5
So hoch ist die Lebenserwartung bei Frauen in Luxemburg. Bei den Männern liegt diese Zahl bei 80 Jahren

56,5%
Anteil der Frauen an den Beschäftigten in Verwaltungsberufen

33%
Der alleinstehenden Frauen haben mindestens ein Haustier. Bei den Männern sind es 12 Prozent

6.274
So viele Kinder brachten Frauen in Luxemburg 2018 zur Welt. Das Durchschnittsalter der Mütter bei der Geburt: 30,8 Jahre

5%
So viel verdienen Frauen im Durchschnitt weniger als Männer in Luxemburg. In der EU ist dieser Anteil der zweitniedrigste. In Belgien liegt die Differenz bei 6 Prozent, in Frankreich bei 15,4 Prozent, in Deutschland gar bei 21 Prozent

179.033
Anteil der Frauen an der Binnenbeschäftigung im 3. Trimester 2019. 260.082 Männer standen in dem Zeitpunkt in einem Arbeitsverhältnis

35%
Der Frauen standen 2017 in Teilzeitarbeit. Gegenüber 6 Prozent der Männer. Für 57 Prozent der Frauen ist die Familie der Hauptgrund für die Wahl der Teilzeitarbeit

43%
So groß ist laut Eurostat der Unterschied zwischen der durchschnittlichen Rente einer Frau und eines Mannes. Der EU-Durchschnitt liegt bei 30 Prozent

13.974
So viele Frauen hatten Ende September 2019 das Beamtenstatut. Bei den Männern waren es 18.396

3.495
Die durchschnittlichen monatlichen Ausgaben einer alleinstehenden Frau 2017. Bei den Männern waren es 3.675 Euro

67%
Der Frauen zwischen 20 und 64 standen 2017 in Beschäftigung gegenüber 54 Prozent in 2000. Bei den Männern waren es 2017 75 Prozent

5
So viele Damen sind Mitglieder der 17-köpfigen Regierung

19
Die Zahl der weiblichen Abgeordneten im 60-köpfigen Parlament. In der Majorität (DP, LSAP und Grüne) finden sich 13 Frauen, in der Opposition (CSV, ADR, Piraten, déi Lénk) 6 und das nur bei der CSV

12
Von 102 Gemeindeoberhäuptern sind Frauen. 50 von 226 Schöffenmandaten werden von Damen bekleidet. 214 von 792 Gemeinderäten sind weiblich