COLETTE MART

Unter dem Motto „Who cares? We care!“ wurde am Wochenende der internationale Frauentag begangen, der immerhin 2.000 Männer und Frauen in der Hauptstadt mobilisierte. Die im Rahmen des „Fraestreik“ organisierte Demo unterscheidet sich nämlich inhaltlich von jenen der vergangenen Jahre, ja sogar Jahrzehnten, und knüpft interessanterweise an die Ursprünge des Weltfrauentages an. Dieser ging nämlich von der revolutionären Arbeiterbewegung in Berlin aus, und die Vordenkerin hieß Clara Zetkin. Sie wies bereits 1910 auf die Notwendigkeit eines internationalen Tages der Arbeiterinnen hin. Der Frauentag wird seit 1921 offiziell zelebriert. Anfang des vorigen Jahrhunderts wurde jedoch ebenfalls seitens bürgerlicher Frauen eine Bewegung für das Frauenwahlrecht in England initiiert, und die Suffragetten bleiben bis heute weltberühmt. Demnach ging das Bestreben der Frauen für Emanzipation von zwei gesellschaftlichen Klassen aus. Während die Arbeiterinnen mehr Rechte, bessere Löhne, Respekt und das Recht auf Abtreibung verlangten, war die bürgerliche Frauenbewegung eher auf Mädchenbildung und gleiche Rechte für verheiratete Frauen fokussiert.

Dank beider Frauengruppen konnte auch hier in Luxemburg im Laufe des 20. Jahrhunderts die Situation der Frauen wesentlich verbessert werden. Gleiche Bildungschancen für Jungen und Mädchen wurden tatsächlich umgesetzt, Wahlrecht und Recht auf Schwangerschaftsabbruch, sowie gleiche Rechte und Pflichten für Ehepartner wurden im Laufe des 20. Jahrhunderts gesetzlich verankert und waren mit vielen Kämpfen der Frauenbewegungen verbunden. Aber wo stehen wir heute? Was verrät uns der am Samstag organisierte Frauenstreik über die aktuellen Probleme der Frauen? Der soziale Fokus der Demonstration lag auf den Frauen im Reinigungssektor, für die sich die Öffentlichkeit seit Wochen interessiert, gibt es doch hier Beispiele moderner Sklaverei, Unterbezahlung und Ausbeutung. In diesem Sektor arbeiten viele schwarze Frauen, die für mehr Respekt demonstrierten, die ebenbürtige Bürgerinnen der Luxemburger Gesellschaft sein wollen. Politische Parteien und Frauenvereinigungen unterstützten diese Forderungen mit ihrer Präsenz, so dass sich anlässlich der Demo am Samstag Frauen und Männer unterschiedlicher sozialer und ethnischer Herkunft die Hand reichten.

Die Demo vermittelte in der Tat einen Einblick in die aktuellen Probleme der Luxemburger Gesellschaft. Zwar wird sehr viel von Diversität gesprochen, zwar reflektiert die Komposition der Gesellschaft diese Diversität, zwar zählen wir fast 50 Prozent Nicht-Luxemburger aus allen Ländern der Erde, und doch bleiben Diskriminierung, Rassismus, ungleiche Löhne, Unterbezahlung, Prekarität trotz Arbeit einige der großen Herausforderungen unserer Zeit. Das Recht auf Respekt, Menschenwürde, eine bezahlbare Wohnung gehörten zu jenen Forderungen, die auch anlässlich des Frauentages erhoben wurden. Soziale und feministische Forderungen sind eng miteinander verknüpft, Frauen sind armutsgefährdeter als Männer, und der Akzent des Engagements sollte tatsächlich auf dem „We care“ liegen. „We care“ gegen Diskriminierung, gegen Ungerechtigkeiten und für Respekt!