LUXEMBURG/GENF/PARIS
LJ MIT DPA

Erster in Luxemburg arbeitender Grenzgänger aus Frankreich mit Coronavirus infiziert

Die Zahl der Fälle von Coronavirus-Infizierten in Luxemburg liegt derzeit immer noch bei fünf; 69 Personen befinden sich hierzulande in Quarantäne. Allerdings teilte das Gesundheitsministerium gestern Abend mit, dass sich eine Person aus Frankreich, die in Luxemburg arbeitet, mit dem Coronavirus infiziert habe, und zwar in Frankreich. Die Person werde auch in Frankreich behandelt. Die Sanitärinspektion ermittelt nun, mit welchen Personen der Grenzgänger in Luxemburg in Kontakt war.

Veranstaltungen mit über 1.000 Leuten sollen in Luxemburg abgesagt werden

Dann gab das Gesundheitsministerium gestern Abend aber auch die Empfehlung, Veranstaltungen mit über 1.000 Menschen abzusagen. Die Veranstalter sollen keine derartigen Events organisieren beziehungsweise diese auf ein späteres Datum verlegen. Nicht betroffen von dieser Empfehlung seien indes die normalen Aktivitäten von Schulen, Firmen, Geschäften, der öffentliche Transport sowie Bars und Restaurants. Wegen dem Coronavirus abgesagt wurden gestern auch die Escher Fuesent und die Escher Kavalkade, die am Wochenende stattfinden sollten.

Frankreich, wo gestern erstmals auch ein Mitglied der Regierung positiv getestet wurde (Kulturminister Franck Riester) beschloss, grundsätzlich Veranstaltungen mit mehr als 1.000 Menschen zu verbieten. Bisher hatte Frankreich Veranstaltungen mit mehr als 5.000 Menschen verboten. Behörden in vielen Ländern erlassen derzeit Maßnahmen wie Schulschließungen und eine Quarantäne für Verdachtsfälle. Das passiert nicht, weil es sich bei Covid-19 um eine besonders gefährliche Erkrankung handelt, sondern um eine ungebremste Infektionswelle zu vermeiden, die unter anderem das Gesundheitssystem überlasten würde. Ziel ist, die Ausbreitung über einen möglichst langen Zeitraum zu strecken. In etwa einem Jahr könnte es eine schützende Impfung gegen den neuen Erreger geben.

In Italien gibt es bereits mehr als 360 Tote und 7.300 Infektionen. Um die Krise in den Griff zu bekommen, hatte die Regierung große Teile des Nordens zur Sperrzone erklärt, darunter die Lombardei mit dem Finanzplatz Mailand sowie die Provinzen Venedig, Parma und Modena. Rund 16 Millionen Menschen sind von den Sperrungen betroffen.

Weltweit haben sich inzwischen rund 110.000 Menschen nachweislich mit dem neuen Coronavirus infiziert, die Dunkelziffer liegt Experten zufolge noch wesentlich höher. Es gibt weder eine schützende Impfung noch eine spezielle Therapie zur Behandlung der Erkrankung Covid-19. Die meisten Infizierten haben nur eine leichte Erkältungssymptomatik mit Frösteln und Halsschmerzen, die binnen weniger Tage verschwindet, oder gar keine Symptome. Etwa 15 von 100 Infizierten erkranken schwer, betroffen sind vor allem ältere Menschen oder solche mit Vorerkrankungen.

Das Frühjahr und der Sommer mit wärmeren Temperaturen dürften die Ausbreitung des Coronavirus entgegen erster Experteneinschätzungen nicht sehr stark verlangsamen. Es sei wohl damit zu rechnen, „dass wir direkt in eine Epidemiewelle hineinlaufen“, sagte der Direktor des Instituts für Virologie an der Berliner Charité gestern in Berlin. Noch in der vergangenen Woche war er von einer Verminderung der Infektionen im Sommer ausgegangen.

Der Chef der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieht angesichts der stark wachsenden Zahl an Coronavirusfällen jetzt die Gefahr einer Pandemie. „Da das Coronavirus in so vielen Ländern angekommen ist, ist die Gefahr einer Pandemie sehr real geworden“, sagte Tedros Adhanom Ghebreyesus gestern in Genf. „Aber es wäre die erste Pandemie in der Geschichte, die kontrolliert werden kann“, fügte er hinzu. Die Eindämmungsmaßnahmen zahlreicher Regierungen seien wichtig und richtig, um so viele Menschen wie möglich vor einer Ansteckung zu schützen. „Es gibt viele Beispiele von Ländern, die gezeigt haben, dass die Maßnahmen helfen.“ Es gibt keine offiziellen Kriterien der WHO, ab wann ein Krankheitsgeschehen als Pandemie einzuordnen ist. Landläufig wird darunter eine Krankheit verstanden, die sich unkontrolliert über Kontinente hinweg ausbreitet.

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