LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Opposition stellt Wiederaufnahme des Unterrichts in den Grundschulen nicht grundsätzlich infrage

Grundsätzlich sind die im Parlament vertretenen Parteien für eine Wiederaufnahme des Unterrichts in den Grundschulen ab dem 25. Mai. Kritisch äußert sich die Opposition aber über eine mangelnde Einbindung von Gewerkschaften. Auch etliche Detailfragen bleiben in den kommenden zweieinhalb Wochen noch zu klären. Bereits am Morgen vor der von den Mehrheitsparteien beantragten Aktualitätsstunde hatten sich die Deputierten zum wiederholten Mal mit der vom Syvicol-Präsidenten als „Herkulesaufgabe“ bezeichneten Rückkehr in die Schulen und den damit verbundenen etlichen organisatorischen Fragen befasst.

Mangelnde Einbindung?

Im „Cercle“ meinte die CSV-Fraktionsvorsitzende Martine Hansen gestern, man könne die Schulen nicht bis zum Verschwinden des Coronavirus geschlossen lassen. Dennoch müsse die Rückkehr in den Klassensaal gut vorbereitet sein, wozu im Vorfeld von Beschlüssen eine Konsultierung mit den Bildungsakteuren erfolgen müsse. Insbesondere von Gewerkschaftsseite wurde Bildungsminister Claude Meisch (DP) bislang mangelnde Dialogbereitschaft vorgeworfen. Das ließ der liberale Minister so nicht stehen und verwies auf regelmäßige Telefonate beziehungsweise Austausch auch mit Gewerkschaftsvertretern. Allerdings würden die Ansichten der verschiedenen Akteure „häufig“ weit auseinanderliegen. Auch der Zeitfaktor mit Blick auf den 24. Mai müsse berücksichtigt werden.

Eine offene Frage stellt sich nach Aussagen Hansens etwa zur Verantwortlichkeit, wenn Gemeinden auf Säle zurückgreifen müssen, für die es keine Zulassung („agrément“) gibt, oder auf welcher gesetzlichen Grundlage die Umorganisation des Schulbetriebs überhaupt stattfindet. Es sei auch unvorstellbar, dass Kinder während fünf Stunden auf ihrem Stuhl sitzen bleiben. Ein Sportkonzept müsse her. Zudem müsse alles daran gesetzt werden, damit kein Kind durch die Folgen der Corona-Krise ins Hintertreffen gelangt. Diesen Punkt griff die LSAP-Abgeordnete Francine Closener auf. Die im Koalitionsabkommen geplante kostenlose Hausaufgabenhilfe müsse gerade jetzt so schnell wie möglich eingeführt werden. „Die soziale Schere darf nicht noch weiter auseinandergehen.“

Für die adr hätte man über ein Parallelsystem zwischen Homeschooling und Präsenzunterricht nachdenken können. Fernand Kartheiser sprach von einer „Improvisation“. Bis September hätte man eine „gut organisierte ,Rentrée‘“ vorbereiten können. Er stellte die Frage in den Raum, ob nicht doch wirtschaftliche Gründe für die Wiederaufnahme des Präsenzunterrichts ausschlaggebend seien, um die Ausgaben für den Sonderurlaub für die Betreuung zuhause zu reduzieren.

Der Piraten-Deputierte Sven Clement sah noch Unklarheiten in Bezug auf den Rückgriff auf den Sonderurlaub über den 25. Mai hinaus. Meisch stellte noch einmal klar, dass Schüler im Fernunterricht bleiben können, wenn sie selbst oder Angehörige als gefährdet gelten. Diese Gefährdung muss durch ein medizinisches Attest bescheinigt werden.

Nicht nur von Mehrheitsvertretern wurde die Bedeutung der Rückkehr zur Schule betont. „Kinder brauchen ihre Freunde“, meinte etwa Gilles Baum, Fraktionsvorsitzender der DP und selbst viele Jahre lang Lehrer. Auch wenn Vorsicht geboten sei, müsse man allmählich in die Normalität zurückfinden. Eine „absolute Sicherheit“ gebe es nicht.