Wenn Diktatoren gestürzt werden, verliert die Weltöffentlichkeit sie oft aus den Augen. Was aus Pol Pot, Idi Amin, Jean-Claude Duvalier wurde, wissen die wenigsten von uns noch. Viele Diktatoren leben oft noch Jahrzehnte diskret und luxuriös weiter, weil niemand sie vor Gericht bringt. Deshalb lohnt sich hier und jetzt ein Blick auf die senegalesische Hauptstadt Dakar, wo gestern der Prozess gegen den früheren tschadischen Diktator Hissène Habré begann. Kein anderer als der amerikanische Anwalt Reed Brody, von der Vereinigung „Human Rights Watch“, der unter anderem auch den chilenischen Diktator Pinochet vor Gericht brachte, recherchierte seit 2001 über den Diktator, der schätzungsweise 40.000 Tschader auf dem Gewissen hat und verantwortlich ist für die Folter von etwa 200.000 Menschen.
Erstmals wird jetzt in Dakar ein afrikanischer Diktator auf dem afrikanischen Kontinent selbst vor Gericht gestellt, und dies ist eine wichtige Premiere. Die Biographie Hissène Habrés verdient dann auch ein näheres Hinsehen. Habré wurde 1942 geboren, als der Tschad noch eine französische Kolonie war, und fiel durch seine gute Arbeit in der französischen Kolonialverwaltung auf. Er bekam die Gelegenheit, in Frankreich zu studieren, promovierte in politischen Wissenschaften und schrieb eine Doktorarbeit. Er schloss sich einer Rebellenbewegung an, die durch die Entführung der französischen Anthropologin Françoise Claustre in den siebziger Jahren Schlagzeilen machte. Habré regierte den Tschad zwischen 1982 und 1990, führte ein Einparteiensystem und eine Staatspolizei ein, die politische Gegner verfolgte und hinrichtete. Grausame Gefängnisse, in denen 30 Menschen in kleine Zellen gesperrt wurden, in denen es 50 Grad heiß war und die Toten und die Lebenden Körper an Körper verharrten, grausame Folter, Massengräber, arbiträre Verhaftungen, sind einige Aspekte seiner Schreckensherrschaft. Habré wurde sowohl von den USA als auch von Frankreich unterstützt, also jenem Land, das weltweite Verdienste in Bezug auf eine Menschenrechtserklärung aus dem Jahr 1789 hatte. Grausame afrikanische Diktatoren, wie Bokassa, Amin, Mobutu, Habré, Mengistu Hailé Mariam, und nicht zu vergessen, der heute immer noch regierende Robert Mugabe in Simbabwe, blieben den Europäern vielfach als Beispiele für schlechte afrikanische Staatsführung in Erinnerung.
Sie untermauerten auch das Vorurteil, dass afrikanische Länder selbst schuld an ihrem tragischen Schicksal sind, was durch den Prozess Habrés allerdings in ein anderes Licht gerückt werden kann. Frühere Kolonialmächte haben nämlich vielfach geholfen, Diktatoren zu unterstützen, Menschenrechtsverletzungen zu billigen und damit auch Afrika in der Weltöffentlichkeit zu diskreditieren.
Allerdings offenbart der Prozess Hissène Habrés ebenfalls, dass eine gerechte Justiz in Afrika möglich wird. Zwar konnte Habré nach Senegal fliehen, jedoch stand er seit 2005 unter Hausarrest und wurde 2013 festgenommen. Dem Amerikaner Reed Brody kommt ein absolut wichtiger Verdienst zu, da er sich die Strafverfolgung von Diktatoren und die Anhörung von Zeugen und Opfern auf seine Fahne geschrieben hat.


