DÜDELINGEN
CLAUDE KARGER

Genehmigung für Weiterbetrieb der Nationalen Diagnostik- zentren für Pathologie und Genetik am LNS bis 2024 erteilt

Das „Laboratoire national de santé“ darf die beiden Nationalen
Diagnostikzentren für Pathologie und Genetik weiter betreiben. Vor kurzem hat das Gesundheitsministerium auf Empfehlung der „Commission permanente pour le secteur hospitalier“ die Genehmigung für vier Jahre – also bis 2024 – verlängert. 2018 hatte es im Rahmen des Spitalgesetzes erstmal eine Autorisation für zwei Jahre gegeben.
Die Verlängerung war gestern Anlass für eine Pressekonferenz, bei der die Weiterentwicklung der beiden Zentren im Vorder-grund stand.
Das „National Center of Genetics“ deckt alle Bereiche der Humangenetik ab und steht Patienten und Familien zur Beratung zur Verfügung. Etwa wenn es darum geht, die familiäre Veranlagung für Krebs und andere Krankheiten zu erforschen. Auch mit pränataler und postnataler Diagnostik hat das Team um Dr. Barbara Klink viel zu tun. Das 2016 im Rahmen des „Plan National Cancer“ gegründete Genetikzentrum führte 2018 rund 10.500 Analysen durch.

Starke Nachfrage

„Seit der Gründung hat sich das Personal verdoppelt und die Zahl der Analysen wird sich in diesem Jahr sogar im Vergleich zu 2016 vervierfachen“, erklärt Dr. Klink. „Wir werden noch in diesem Jahr unsere Sequenzierungskapazität ausbaue“, so die Spezialistin weiter, bald verfüge man über die Möglichkeit, ganze Genome zu sequenzieren, die es in Luxemburg bislang nicht gebe.
Derart ausgerüstet kann das NCG natürlich auch neue Erkenntnisse liefern, die unbedingt mit anderen geteilt werden müssten. „Fast täglich finden wir ein neues Gen“, erklärt Dr. Barbara Klink, die sich über die Bestätigung des NCG-Konzepts freut.
Wobei der Ausbau des Zentrums nicht nur von High-Tech-Material abhängt, sondern vor allem auch von der Verfügbarkeit von Fachkräften, die gar nicht so einfach zu finden sind auf einen international hochkonkurentiellen Markt.
Deutlich mehr Fachkräfte benötigt
Das gleiche Problem stellt sich für das „National Center of Pathology“, an dessen Spitze seit 2017 Prof. Dr. Michel Mittelbronn steht. Das Zentrum untersucht rund 200.000 Proben jährlich, wobei der Fokus auf der Diagnostik von tumorösen und entzündlichen Krankheiten liegt. Die Zahl der Proben steigt unentwegt, die Zahl der Pathologen, die sich über die Jahre spezialisiert haben, hält nicht Schritt. „Wir bräuchten 30 bis 40 Pathologen, heute haben wir gerade einmal die Hälfte“, sagt Mittelbronn, der darauf hinweist, dass die Zahl der potenziellen Patienten auch zusehends wächst. Mittlerweile gibt es an die 850.000 Sozialversicherte in Luxemburg – die Grenzgänger sind da natürlich einbegriffen. Und natürlich muss das NCP schnellstmöglich Diagnosen liefern könnnen. Um die Fristen dauerhaft auf unter fünf Tagen halten zu können, braucht Mittelbronn Leute.
Beide Institute, deren Leistungen zentral sind für die öffentliche Gesundheit, da sie Krankheiten erkennen und die richtigen Therapien einschätzen helfen, setzen weiterhin viel auf Forschung - im Verbund mit anderen Instituten national wie international – aber auch auf Aus- und Weiterbildung.
Die Covid-19-Krise habe verdeutlicht, wie sehr Luxemburg beim medizinischen Personal abhängig vom Ausland ist. Die beiden Zentren wollen ihres dazu beitragen, mehr „heimisches“ Fachpersonal vor Ort aufzubilden.
Für LNS-Direktor Prof. Dr. Friedrich Mühlschlegel ist die Verlängerung der Lizenzen für die beiden Diagnostikzentren eine enorme Anerkennung für die Arbeit der doch kleinen Teams und eine Bestätigung der Gesamtstrategie des Laboratoriums: „Wir haben in den vergangenen beiden Jahren ein Wertesystem ausgearbeitet, das auf Patientensicherheit, Exzellenz im klinischen Bereich sowie auf unsere tägliche Arbeit als Team von Experten abzielt. Neben Professionalismus und Exzellenz liegt unsere Stärke dabei auch auf dem gemeinsamen Anspruch, Land und Leuten zu dienen. Die Entscheidung des Gesundheitsministeriums zeigt, dass wir auf einem guten Weg sind“. Nun gilt es, mit der Gesundheitskasse die Budgets für die nächsten Jahre auszuhandeln.

Vernetzung der Gesundheitsdaten: Ein kapitaler Faktor

Mehrmals wurde bei der Pressekonferenz die Bedeutung „starker IT-Systeme“ unterstrichen. Gemeint war der schnelle Zugriff auf gesicherte Gesundheitsdaten. Momentan ist das ein ziemlich kompliziertes Unterfangen. Michel Mittelbronn kommt zwar an Patientendaten aus den Spitälern, muss sich dafür aber in die jeweiligen Systeme einloggen, bei jeder Datei aufs Neue. Das zieht nicht nur die Prozeduren in die Länge, sondern erhöht auch das Risiko, eine Information zu übersehen, die wichtig sein könnte, um dem Patienten zu helfen. Wenn diese Information denn auch vorhanden ist, was derzeit bei weitem nicht immer der Fall ist. „Manchmal wird gesagt, Pathologie sei nur Labormedizin. Ich bin da anderer Auffassung“, erklärt Mittelbronn, „wir müssen den Patienten als Ganzes sehen, um die richtige Diagnose stellen und die besten Therapien finden zu können“. Auf die Nationale Patientenakte angesprochen, meint der Pathologe es möge ein Fortschritt sein. Allerdins würden durch die „Opt-Out“-Möglichkeit Zehntausende Patientenakten eben nicht zugänglich.  „Ich bin der Meinung, dass wer sich hier behandeln lassen möchte, sich auch eintragen müsste“, sagt Mittelbronn.