LUXEMBURG
SIMONE MOLITOR

Ausstellung im neimënster: „Les pionnières - Luxembourg, les années ’90: Portraits de femmes“

Vier emblematische Persönlichkeiten der luxemburgischen Kunstszene stehen derzeit im Kultur- und Begegnungszentrum neimënster im Fokus: „Les pionnières - Luxembourg, les années ’90: Portraits de femmes“ nennt sich die Ausstellung, die von Kurator Alex Reding zusammengestellt wurde und die Künstlerinnen Marie-Paule Feiereisen, Patricia Lippert, Carine Kraus und Flora Mar in den Mittelpunkt rückt, beziehungsweise den Blick auf die Anfänge ihres künstlerischen Wegs richtet.
„Die 1990er Jahre sind geprägt von einer neuen Generation an Künstlern und Künstlerinnen, die ab den 1980ern nach ihrem Studium im Ausland nach Luxemburg zurückkehrten. Die Künstlerinnen, die wir hier zeigen, können zweifelsohne als Pionierinnen bezeichnet werden. Mit dieser Expo wollten wir ein Pendant zur aktuellen Ausstellung von Jean-Marie Biwer im Mudam schaffen, um den Blick auf diese Generation zu vervollständigen, die so wichtig für Luxemburg war und ist. Damals entstand erstmals eine wirkliche Dynamik um Künstler in Luxemburg“, erklärte Alex Reding bei der Ausstellungseröffnung. Galerien gewannen seinerzeit an Wichtigkeit, der Kunstmarkt begann sich zu etablieren, die Künstler wurden sichtbarer, und das Interesse der privaten Sammler wuchs. Während dieser Zeit nahm Luxemburg darüber hinaus zum ersten Mal an der Kunstbiennale in Venedig teil - 1988 mit Patricia Lippert und 1990 mit Maria-Paule Feiereisen. Die Kunstszene wurde geschlechtsparitätischer.

Neue Dynamik ab den 1980ern

„Man kann von der Erneuerung einer ganzen Szene reden, was vor allem dem Umstand zu verdanken ist, dass die ersten Künstler und Künstlerinnen nach ihrer Ausbildung Einflüsse aus ganz Europa mitbrachten. Die vier Künstlerinnen, die wir hier zeigen, spiegeln diese neuen Tendenzen, die ab den 1980ern entstanden, auf exzellente Weise wider. Sie – und andere natürlich auch - haben unsere Kulturgeschichte geprägt“, unterstrich der Kurator.
„In den 80er Jahren sind wir tatsächlich alle aus den verschiedensten Ecken Europas nach Luxemburg zurückgekehrt. Damals haben wir auch die Ateliers auf der Schläifmillen aufgebaut. Robert Mancini war der Initiator des Projekts“, erinnerte sich Patricia Lippert, die sich seinerzeit ein Atelier mit Marie-Paule Feiereisen teilte. „Die Synergien, die damals entstanden sind, waren ziemlich neu für Luxemburg. Ab den 1980ern sind zudem weitere Kunstgalerien entstanden. Davor gab es eigentlich nur das ,Centre culturel français‘ und noch zwei weitere Galerien. Dass sich dann eine immer größere Begeisterung für die Kunst entwickeln konnte, ist auch den Galeristen zu verdanken, die große Namen aus dem Ausland nach Luxemburg brachten und damit überhaupt erst eine Kulturlandschaft geschaffen haben. Kein Museum war nämlich dazu imstande. Als Künstler sind wir dankbar, dass es diese Initiativen gab und dass Galeristen ihren kulturellen Bildungsauftrag erkannten, sonst wären wir hier noch immer in einer Wüste“, bemerkte sie und bedankte sich auch gleich bei der nächsten Generation an Galeristen, die daran anknüpften. Dazu gehört auch Alex Reding, der vor 20 Jahren seine Kunstgalerie eröffnete.
Stilistische Varietät
Als Kurator der Ausstellung „Les pionnières“ sei es ihm derweil wichtig gewesen, eine Varietät an stilistischen Ausrichtungen zu zeigen. Bei Marie-Paule Feiereisen würden die figurativen Referenzen überwiegen. „Jede ihrer Arbeiten regt die Fantasie an“, beschrieb Reding. In den Werken von Patricia Lippert sei eine sehr direkte Expressivität unverkennbar. Die Narration spiele eine wesentliche Rolle. Carine Kraus gehe stilistisch ganz anders vor. „Ich inspiriere mich an konkreten Szenen, arbeite also meist mit erlebten Sachen“, sagte sie. Von Flora Mar sind derweil Gravuren und skulpturale Werke zu sehen. „Ich arbeite an sich, um etwas besser zu verstehen“, beschrieb sie.
Obwohl die ausgestellten Werke alle aus den 1990er und 2000er Jahren stammen, wirken sie keineswegs verstaubt, sondern zeitlos. „Ich finde nicht, dass man den Bildern ihr Alter ansieht, ihre Botschaft nicht mehr rüberkommt oder sie irgendwie altmodisch wirken, im Gegenteil, manche finde ich sehr modern, sie könnten ebenso gut gerade erst entstanden sein“, meinte auch Patricia Lippert.

Die Ausstellung läuft bis zum 20. September (geschlossen nur am 15. und 16. August). Öffnungszeiten täglich von 10.00 bis 12.00 sowie 13.00 und 18.00. Alles Weitere unter www.neimenster.lu