ROM/LUXEMBURG
CHRISTIAN BLOCK

Gesunde Pflanzen sind für die Bekämpfung von Hunger und die Verringerung der Armut unerlässlich - Internationales Jahr soll das Bewusstsein dafür schärfen

Sie sind die Grundlage von bis zu 80 Prozent unserer Nahrung und eine gewaltige Sauerstoffmaschine, gleichzeitig laut Angaben der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten (Food and Agriculture Organization, FAO) einer „steigenden Bedrohung“ durch Schädlinge und Krankheiten ausgesetzt. Die FAO hat deshalb im vergangenen Dezember das Jahr 2020 zum Internationalen Jahr der Pflanzengesundheit (abgekürzt IYPH) erklärt. Damit will die Organisation das Bewusstsein dafür schärfen, dass gesunde Pflanzen zur Ernährung der Menschheit, aber auch zur Armutsbekämpfung unerlässlich sind.

Wenn es viele Faktoren gibt, die den Zustand der Flora negativ beeinträchtigen, legt die FAO einen Schwerpunkt auf die Verbreitung von Schadorganismen, die es zu verhindern gilt. Insekten, Viren, Bakterien und Pilze verursachen demnach jährlich weltweite Einbuße von bis zu 40 Prozent der produzierten pflanzlichen Nahrungsmittel. Allerdings legt die Organisation dabei den Akzent auf die Prävention. Vorsorglicher Pflanzenschutz sei deutlich kosteneffektiver als die nachträgliche Eindämmung von Schädlingsbefall und Krankheiten. Über die Methoden der Prävention dürften die Meinungen aber auseinandergehen.

„Pflanzen liefern die Hauptgrundlage für Leben auf der Erde und sind die wichtigste Säule der menschlichen Ernährung“, erklärte der FAO-Generaldirektor Qu Dongyu im Vormonat. Gesunde Pflanzen seien dennoch keine Selbstverständlichkeit. Durch den Klimawandel und menschliche Aktivitäten verändern sich Ökosysteme und geht die biologische Vielfalt zurück. Unter den neuen Bedingungen finden Schädlinge günstige Lebensbedingungen. Man denkt dabei beispielsweise an den Borkenkäfer, der in unter Trockenheit leidenden Wäldern nicht mehr nur abgestorbene Bäume befällt. Auch der weltweite Handel und das Reisen bergen Risiken. Durch eingeschleppte Arten können heimische Arten vollständig verdrängt werden.

ZUM BEGRIFF PFLANZENGESUNDHEIT

Eine Definition

Viele Faktoren können Einfluss darauf haben, ob sich Pflanzen - Blumen im Garten, Wälder, Anbaupflanzen - gesund entwickeln. Das Schweizer Bundesamt für Landwirtschaft und das Bundesamt für Umwelt definieren den Begriff in einem Infoblatt folgendermaßen: „Wie beim Menschen hängt die Pflanzengesundheit nicht nur von der Abwesenheit von Schadorganismen ab, sondern von ihrer gesamten Umwelt. Licht, Temperatur, Luftfeuchtigkeit, Nährstoffe, Bestäuber, Pflanzenfresser, benachbarte Pflanzen und weitere Faktoren wirken sich auf das Wohlbefinden der Pflanze aus.“
Lëtzebuerger Journal
FAKTEN ZUM THEMA

Wie entscheidend eine gesunde Flora ist

• Pflanzen machen 80 Prozent der weltweiten Ernährung aus und produzieren 98 Prozent des Sauerstoffs, den wir atmen

• Durch Schadorganismen gehen jährlich bis zu 40 Prozent der globalen Lebensmittelernte verloren

• Der jährliche Handelswert von Agrarprodukten hat sich im vergangenen Jahrzehnt fast verdreifacht, vornehmlich in Entwicklungs- und Schwellenländern

• Laut FAO-Schätzung muss die Agrarproduktion bis 2050 um 60 Prozent wachsen, um eine größere und allgemein reichere Bevölkerung zu ernähren

• Aufgrund des Klimawandels tauchen Pflanzenschädlinge früher in der Saison sowie an Orten auf, wo sie bislang nicht beobachtet wurden

• Durch den Klimawandel riskieren sowohl Erntequalität und -quantität zurückzugehen. Steigende Temperaturen verschärfen zudem die Wasserknappheit und beeinflussen das Verhältnis zwischen Schädlingen, Pflanzen und Krankheitserregern

Quelle: FAO
Lëtzebuerger Journal
Viele Stellschrauben

Wie die Gesundheit der Flora verbessert werden kann

Um die Gesundheit der Pflanzenwelt allgemein zu verbessern, hat die FAO Empfehlungen formuliert, die sich an die Regierungen der einzelnen Staaten, den Privatsektor, die Landwirtschaft wie auch die Bürger wenden. Hier eine Auswahl:

• Organisationen unterstützen, die sich dem Schutz der Flora verschrieben haben und sicherstellen, dass sie über ausreichende personelle und finanzielle Mittel verfügen

• In Forschung investieren, um innovative Technologien und Praktiken zu entwickeln (beispielsweise der gezielte statt eines großflächigen Pestizideinsatzes)

• Den eigenen ökologischen Fußabdruck verringern und Initiativen zum Schutz beziehungsweise zur besseren Nutzung der natürlichen Ressourcen unterstützen.

• Vorsicht beim Transport beziehungsweise der Online-Bestellung von Pflanzen walten zu lassen, um zu verhindern, dass Krankheiten oder Schädlinge ins eigene Land eingeschleppt werden

• Auf eine umweltfreundliche Schädlingsbekämpfung setzen, damit Bestäuberinsekten eine Überlebenschance haben

• Digitale Techniken und Anwendungen nutzen, um einen Schädlings- oder Krankheitsbefall zu verhindern oder besser damit umzugehen sowie Ausbreitungen zu melden

• Umweltfreundliche Produkte fördern

• Den Handel und Transport von Pflanzen durch die Erfüllung der internationalen Standards im Bereich der Pflanzengesundheit sicherer machen 

Mehr zum Thema unter www.fao.org/plant-health-2020