PolitikerInnen, vornehmlich solche, die auf höchster Ebene ihre Mandate ausüben, beklagen sich zunehmend über mangelnde Wertschätzung und Respekt, die ihnen in der Öffentlichkeit beigemessen werden. Sie übersehen dabei, dass es in den meisten Fällen ihr eigenes Verhalten ist, dem sie diesen Mangel zuzuschreiben haben. Die Bevölkerung hat in der Regel ein sehr feines Gespür für Leute, die nach Ehre und Gewissen ihr Mandat versehen, und für solche, denen es mehr auf Geltung, Rechthaberei und Selbstdarstellung ankommt und für die am Ende weniger das Interesse der Allgemeinheit als vielmehr die ureigenen Ansprüche ausschlaggebend sind.

Wenn auch die Politik weiterhin als die Kunst des Kompromisses bzw. die Kunst des Machbaren bezeichnet werden kann, so muss doch immer öfter vor der Gefahr einer Entartung dieser Kunst gewarnt werden, weil die Ansätze und Ziele jeglicher langfristigen und nachhaltigen Optik entbehren.

Zunehmend befremdlich wirkt in diesem Zusammenhang das endlose, langweilige und sterile Postengeschacher um die Neubesetzung der Führungspositionen in einer EU, deren Selbstdarstellung immer kläglichere Züge annimmt und immer weniger mit dem übereinstimmen, was den 500 Millionen Bürgern der Gemeinschaft noch vor gut drei Monaten im Rahmen der Europawahl vorgegaukelt wurde. Man scheint noch immer nicht verstanden oder aber bereits vergessen zu haben, dass von diesem unwürdigen Feilschen gerade diejenigen am meisten profitieren, die sich die Zerstörung der Gemeinschaft zum Ziel gesetzt haben.

Geradezu lächerlich wirken auch die Ansätze der letzten Wochen und Monate, in außenpolitischen Fragen zu gemeinsamen, von allen Mitgliedstaten mitgetragenen Positionen zu kommen. Dabei offenbart sich immer wieder der kleinkarierte nationale Egoismus, der den vermeintlichen eigenen kleinen Nutzen wie selbstverständlich vor das Anliegen der gemeinschaftlichen Glaubwürdigkeit stellt.

A propos, wie will die künftige EU-Kommission mit allerhöchsten fünf Frauen von insgesamt 28 Mitgliedern die von ihrer Vorgängerin verfügte Vorschrift einer massiven Beteiligung der Frauen an den unternehmerischen Entscheidungsprozessen glaubhaft vertreten und notfalls einklagen?

Und dann: Vor dem nach wie vor riesigen Heer der Arbeitslosen in Europa wird vor und hinter den Kulissen gerangelt und gestritten, ob denn nun die Sanierung der öffentlichen Finanzen Vorrang haben soll oder nicht vor neuen Wachstumsimpulsen, deren Wirksamkeit vor dem Hintergrund einer völlig unsicheren politischen Gesamtlage auf dem Kontinent wiederum in höchstem Maße in Frage gestellt werden muss.

Dass die gemeinsam verkündeten Ziele angesichts völlig unterschiedlicher Herangehensweisen garantiert nicht mit der Brechstange zu verwirklichen sein werden, müsste einleuchten. Die gelegentlich abgegebenen Statements, die bis zur Verunglimpfung der Partner reichen, weisen leider in eine andere Richtung. Die Quadratur des Kreises bleibt, allem Geschacher zum Trotz, eine unlösbare Aufgabe.