LUXEMBURG
NORA SCHLEICH

Beim IOTA-Meetup werden innovative Projekte vorgestellt

Eins vorweg: IOTA mit dem alternativen Protokollsystem Tangle steckt noch in den Kinderschuhen. Das Potenzial, was diese Technologie birgt, scheint aber global zu überzeugen und lässt sich als Alternative zum Blockchain-System handeln. IOTA findet sich unter den zehn größten Kryptowährungen wieder und hat eine Community von über 100.000 Mitgliedern aufzuweisen. Die Argumente für IOTA sind verlockend: kostenlose Transaktionen, wenig Stromverbrauch und zahlreiche Anwendungsmöglichkeiten im Sinne einer Gesellschaft im Fortschritt. Unter anderem zeugt IOTA momentan besonders in den Themengebiete wie Identitätskontrolle, Datenverfolgung und Supplychain-Management von Präsenz. Koen Maris, Sicherheitsberater bei IOTA, und Kevin Ley, Mitglied des IOTA Evangelist Network, organisieren am 5. Juli in Luxemburg ein IOTA-Meetup, wo die Technologie nicht nur vorgestellt, sondern ihre Anwendung in zukünftigen Projekten mit viel Potenzial bewiesen werden soll.

IOTA - Was steckt dahinter?

Koen Maris Bei IOTA geht es vorwiegend um Machine-to-Machine-Communication. Dabei verhält sich IOTA zu Tangle wie Bitcoin zu Blockchain. Tangle ist dabei unser Protokollsystem, das als Distributed-Ledger funktioniert, auf das wir uns auch im Wesentlichen konzentrieren. Die Kryptowährung IOTA nutzen wir als Nebeneffekt, sie ist aber nicht unbedingt nötig, um mit Tangle zu arbeiten. Was uns am meisten interessiert ist die Zukunft der Kommunikation zwischen Maschinen. Volkswagen hat auf der CeBIT angekündigt, IOTA ab 2019 integrieren zu wollen und dies vorwiegend bezüglich der Datenverfolgung. Das Bezahlen mit IOTA rückt in den Hintergrund. Wir fördern demnach prinzipiell spezifische Anwendungsfälle, ohne konkret Kryptowährungen mit einzubegreifen.

Wer arbeitet an der IOTA-Entwicklung?

MARIS Es gibt eigentlich zwei Arbeitsgruppen bei IOTA, die Foundation und das Evangelist Network, dem Kevin angehört. Die Foundation kümmert sich hauptsächlich um die Entwicklung der Kerntechnologie, also des Tangles und dessen Vermarktung. Unsere Leute konzentrieren sich auf die Mathematik von Tangle oder sind für die Kryptografie zuständig. Ich zum Beispiel arbeite für die Sicherheit der Foundation und beschäftige mich damit, wie die Leute jetzt und in der Zukunft arbeiten werden. Ich arbeite zwar von Luxemburg aus, die Leute mit denen ich zu tun habe kommen aber von überall her. Es gibt kein zentrales Büro in dem wir uns alle treffen, jedoch gibt es einige Büros in Berlin, Singapur und Tel Aviv. Die Menschen sitzen global verteilt und arbeiten auch von dort aus. Im Moment sind wir zu 50 bis 60 und die Interaktion funktioniert auch sehr gut. Am Ende des Jahres können wir vielleicht schon 100 Mitarbeiter zählen. Es ist nicht leicht, kompetente Mitarbeiter zu finden, aber wir sind stets auf der Suche. Das Evangelist Network arbeitet hingegen gezielt an alltagstauglichen Anwendungsfällen.

KEVIN LEY Das IOTA Evangelist Network ist ein auf der ganzen Welt verteiltes Team. In 40 Ländern zählen wir bereits über 120 Mitglieder. Darunter sind zum Beispiel Unternehmensgründer aus Taiwan, die mit Biilabs und Taipei City einen Prototyp für ein tanglebasiertes Abfall-Management-System ausgearbeitet haben. In Entwicklung ist auch noch ihr „Palm Vein Scanner“. Man hält die Handunterfläche über den Scanner, der dann mithilfe des im Tangle gespeicherten Datensatzes die Identität der Person feststellen kann. In der niederländischen Stadt Haarlem gibt es ein Projekt, welches die schnelle und sichere Überprüfbarkeit von Rechtsdokumenten ermöglichen soll. Braucht ein Bewohner zum Beispiel ein Aufenthaltszertifikat, kann er dies online beantragen. Die Software überprüft mithilfe des Tangleprotokolls, ob alle nötigen Informationen vorhanden und verifiziert sind und kann dem Bürger das Dokument aushändigen. Lästige Gänge zu Verwaltungen erübrigen sich. Ein weiteres vielversprechendes Projekt ist das Hochwasserschutzsystem „Topocare“. Hier werden die geologischen Daten, die direkt von den Maschinen in den Hochwassergebieten gesammelt werden, direkt in das Tangleprotokoll eingespeist. Dies ermöglicht eine sichere und verlässliche Basis an Informationen, anhand derer eine ständige Anpassung und Optimierung der Hochwasserschutzmechanismen erfolgen kann.
Warum basiert IOTA auf Tangle und nicht auf dem Blockchainsystem?

MARIS Bei der Blockchain werden Transaktionen in einem großen Block gespeichert, für dessen Validierung dann eine kryptografische Gleichung von den Minern des Netzwerkes ausgerechnet werden muss. Derjenige, der dies als Erster schafft bekommt eine Belohnung in Form von, zum Beispiel, Bitcoins. Dann wird der signierte Block an das restliche Netzwerk verschickt und sicher an die Kette angehängt. Das funktioniert gut, allerdings kann nur ein Block nach dem anderen eingetragen werden, es ist ein lineares System. Wenn ein Block voll ist, muss die Validierung der nächsten Transaktion warten, bis der nächste Block errechnet werden kann. Beim Tangle läuft dies ganz anders. Um den Unterschied einfach zu erläutern: Die Blockchain ist wie ein Zug, ein Waggon wird an den anderen gehängt. Der Tangle ist eher wie der Verkehr in Paris, alles läuft mit- und durcheinander. Um eine Transaktion im Tangle tätigen zu können, müssen zuerst zwei andere, zufällig ausgewählte Transaktionen validiert werden, das ist unser ‚Proof of Work‘. Dann erst wird die Transaktion im Netzwerk verteilt, wo sie dann wieder von anderen Leuten validiert wird. Der Vorteil hiervon ist, dass man keine spezifischen Miner braucht. Wir sind alle gewissermaßen als Miner des Netzwerks anzusehen. Eine Belohnung wie beim Bitcoinsystem erhalten wir allerdings nicht, jedoch können wir dafür unsere Transaktionen gratis tätigen. Hierin liegt der große Unterschied.

Momentan wird über eine sehr langsame und teilweise aussetzende Transaktionsrate berichtet, wie können Sie das erklären?

MARIS Wir wissen, dass es solche Momente gibt. Meiner Meinung nach hängt das an unserem ‚Proof of Work‘ System. Wenn jemand jetzt eine Transaktion mit seinem Handy startet, wird das Smartphone zwei andere Transaktionen validieren müssen. Wenn nun viele Menschen das gleichzeitig machen, wird das System langsam, weil die Smartphones an sich nicht stark genug sind. Mit unserer neuen Wallet kann man den Arbeitsnachweis auch einer Node überlassen. Dies stellt für Firmen ganz klar eine Anreiz dar, ihre eigenen Nodes laufen zu lassen.

Wie ging IOTA an den Start?

MARIS Wir sind 2015 mit einem sogenannten Air-Drop an den Markt gegangen. Token haben sich unter anderem über Foren verkauft. Alle Token waren von Beginn an frei verfügbar, es müssen demnach keine mehr gemined werden. Die Foundation hat keine Token behalten. Die Entwickler und die Eigner haben die Community darum gebeten, der Foundation fünf Prozent der verkauften Token zu spenden. Aus diesem Grund sind wir auch eine Stiftung und keine Firma.

Rezent gab es das Gerücht, dass IOTA Konten von Nutzern blockiert hat. Wie sieht Ihre Stellungnahme diesbezüglich aus?

MARIS Dies geht auf einen Vorfall aus 2017 zurück. Die Foundation ist auf Fälle aufmerksam geworden, bei denen Leute versucht haben, Vermögen durch eine Zweitverwendung des Public Keys zu stehlen. Man kann mehrere Beträge an eine Kontrolladresse senden. Will man aber Beiträge versenden, muss man jedes Mal eine neue Adresse nutzen. Nun gab es Personen, die eine Adresse mehrere Male zum Versenden gebrauchen wollten, welches ein Risiko für die Vermögen darstellte. Deswegen wurden ihre Konten durch ein Snap-shotverfahren der Node-Operatoren einfroren, welches aber durch eine Legitimationsprüfung der Kunden wieder rückgängig gemacht werden kann.

Was erwartet die Zuhörer beim ersten IOTA-Meetup in Luxemburg?

LEY Koen wird über IOTA und den Tangle im Allgemeinen berichten, sowie auch die Tätigkeiten der Foundation vorstellen. Ich werde eine einfache verständliche Einführung zum Qubic Projekt vortragen. Dann haben wir noch Harm van den Brink eingeladen, einen Energie- und Elektromobilitätsberater der IOTA Foundation, der die neue IOTA-basierte Ladestation für Elektro-Fahrzeuge vorstellt. Des Weiteren wird Peter Willemsen, auch Mitglied des IOTA Evangelist Netzwerks, über die Fortschritte bei der Integration von IOTA mit dem „Ledger Nano S Hardware Wallet“ berichten. Im Anschluss an die Vorträge wird die Runde für Fragen aus dem Publikum geöffnet. Die Teilnahme am Event ist gebührenfrei. Interessierte können IOTA Tokens ergattern, in dem sie sich im Vorfeld über Eventbrite registrieren, die zehn Euro Ticketgebühren werden dann in Form von IOTA Tokens rückerstattet.


zur Registrierung: bit.ly/2Muyqrb
www.meetup.com/de-DE/IOTALuxembourg