LUXEMBURG
INGO ZWANK

73 Schulklassen - Teilnehmerrekord beim „Concours Jeune Journaliste“: Auszeichnung der Gewinner des Wettbewerbs im „Lycée Josy Barthel“ in Mamer

Aufgeregt läuft Louis mit seinen jungen „Journalisten-Kollegen“ um die Aufstelltafel herum. Alle bewundern noch einmal ihre Arbeit, die sie für den Wettbewerb „Concours Jeune Journaliste“ abgegeben haben – und die einen ersten Preis gemacht hat.

Tiefer Einblick in die Arbeitsweise

Dieser Wettbewerb, der bereits zum fünften Mal veranstaltet wurde, richtete sich an Schüler der Grund- und Sekundarschulen sowie der „Education différenciée“. Die Aufgabe für die Schüler war es, die Arbeit eines echten Journalisten zu verrichten, also ein Thema im Detail zu untersuchen, zu recherchieren, zu dokumentieren und eine journalistische Arbeit einzureichen. Jedes Jahr wird ein Thema von einer Lenkungsgruppe vorgeschlagen, die sich aus Vertretern des Ministeriums für Bildung und Jugend, des Presserates und des „Zentrum fir politesch Bildung (ZpB)“ zusammensetzt. Das Thema des Schuljahres 2018/2019 lautete: „So du emol eppes! Die Meinungsfreiheit ist ein Grundrecht.“ Laut Roger Infalt, Generalsekretär des Presserates, wurde mit 73 angemeldeten Klassen ein Rekordjahr erreicht, „auch wenn nur 44 Klassen ihre Arbeiten abgaben.“ Bei diesen eingereichten Arbeiten konnte es sich um einen Presseartikel, einen Nachrichtenbericht, eine Webseite, eine Fotocollage, eine Radiosendung oder ein Poster handeln.

In Anwesenheit der Jury, die aus der Präsidentin des Presserates Ines Kurschat, Roger Infalt, Paul Peckels (Mitglieder des Presserates), Marc Schoentgen (ZpB), Serge Linckels und Luc Belling (SCRIPT/Unterrichtsministerium) bestand, fand gestern die Siegerehrung statt.

Die Schüler aus der Grundschule Steinfort (Kleinbettingen, 4.1), die einen ersten Preis bekamen, wählten das Thema Regionalität, wo die Bereiche Konsum, Massentierhaltung, Palmöl, biologische Landwirtschaft und mehr beleuchtet wurden. So haben sich die Kinder entschieden, eine ganze Kampagne (dreisprachig in Audio und Print) zu machen. Sie haben eine Zeitung, einen Blog und eine Radiosendung (bei RadioARA) erstellt. In der Zeitung finden sich unterschiedliche Artikel zu den Themen wieder, Interviews mit zwei Landwirten und der Verantwortlichen von „Fro-de Bauer“, wobei nach einstimmiger Aussage „alles ganz doll Spaß gemacht hat.“

Die Grundschule Bettemburg („Cycle 3“) ging das Thema Armut an. „Wir sind nicht damit einverstanden, dass es so viel Armut auf unserem Planeten gibt“, wie es von der Klasse heißt. „Unser Beitrag besteht aus zwei Teilen: Teil 1 - Wir kommentieren Bilder von armen Leuten, indem wir unsere Meinung dazu sagen; Teil 2 - Wir treffen uns mit dem ‚Office social‘, informieren uns über das Thema Armut in unserer Gemeinde und berichten darüber. Wir wollen etwas ändern und immer wieder betonen, wie wichtig es ist, armen Menschen zu helfen.“

Schwierige Themen aufgegriffen: Homosexualität, Ökologie, Migration...

Im Bereich „Cycle 4“ gibt es zwei Gewinner. Die Grundschule Colmar-Berg („Classe Watgen 4.1“) stellte eine Reportage zum Thema „Syrien-Konflikt“ auf die Beine. Die Kinder haben innerhalb von fünf Wochen mit iPad und Gesprächen das Thema recherchiert und anhand der Infos Bilder dazu gemalt. Gemeinsam wurde ein Text erstellt, der dann eingelesen wurde; das Schneiden von Bild und Ton hat dann ein Lehrer übernommen.

Die Schüler der 7C5 aus dem „Lycée Aline Mayrisch“ setzten sich im Unterricht mit unterschiedlichen Aspekten von Umweltverschmutzung auseinander und produzierten hierzu ein Video, in dem sie Personen - insbesondere Politiker - dazu aufrufen, sich aktiv für den Klimaschutz einzusetzen. Die Schüler lernten hierbei, sich mit einem anspruchsvollen Thema zu beschäftigen, Informationen zu recherchieren und wiederzugeben, einen persönlichen Standpunkt zu vertreten und sich Film-, Schneide- und Zeichentechniken (Arbeit mit dem iPad) anzueignen.

In der Mittelstufe gibt es auch zwei Gewinner: Schüler der Klasse DP1CM1 (Berufsausbildung) führten Recherchen und Interviews zum Thema Mobbing in Schulen durch. Sie interviewten einen Schüler, ein Opfer von Belästigungen in der Grundschule, einen Psychologen aus der SePAS-Abteilung der Schule, einen Lyzeumsschüler und einen Peiniger. Sie untersuchten auch die Auswirkungen von Mobbing und befragten mehrere zivile Akteure, zum Beispiel SePAS, Websites und Statistiken über Mobbing in Luxemburg. Darüber hinaus haben sich die Studenten regelmäßig gegenseitig konsultiert, um das Video machen zu können.

Die Schüler der 4.1-Klasse aus dem „Lycée Aline Mayrisch“ setzten sich im Deutschunterricht in Gruppenarbeit mit unterschiedlichen Geschlechterklischees und der Gleichberechtigung zwischen den Geschlechtern auseinander. Sechs Gruppen widmeten sich verschiedenen Aspekten zu diesen Themen und produzierten schließlich gemeinsam eine Radiosendung, in der zum Teil entgegengesetzte Meinungen vertreten werden. Insgesamt ruft die Klasse jedoch dazu auf, die gesellschaftliche Bedeutung des Themas zu erkennen und traditionelle Rollenbilder zu hinterfragen. Die Sendung sei am Ende etwas lang geworden, weil alle Schüler zu Wort kommen und einen persönlichen Beitrag leisten wollten. Das Motto des Wettbewerbs „So du mol eppes!“ hat die Klasse folglich ernst genommen.

Ausstellung

In der Kategorie der Oberstufe geht der Preis das Lycée Aline Mayrisch („Option médias 1ère“). Hier wurde sich mit dem Thema Meinungsfreiheit in sozialen Netzwerken und auch der Thematik Lehrerbewertung beschäftigt.

Im Bereich „EDIFF“ beschäftigte sich der Kurs mit einer Gruppe von acht außerschulischen Jugendlichen. Unter der Beratung und Hilfestellung einer Pressekarikaturistin und eines Autors äußerten sie sich zu verschiedenen sozialen Themen, die sie selbst gewählt haben: Unter anderem Homosexualität, Ökologie, Migrationssituation, hierzu schrieben sie einen Text und zeichneten einen Presse-Cartoon zu ihrem Thema, den sie dann vor Publikum präsentierten, um ihre Standpunkte zu vertreten. Die Ausstellung ihrer Zeichnungen und Texte ist in verschiedenen kulturellen Einrichtungen in Esch/Alzette zu sehen.

„Bei einer solchen Qualität und solchen jungen Kollegen habe ich keine Angst um die Meinungsfreiheit in Luxemburg“, sagt Kurschat im Rahmen der Feier.