LUXEMBURG
PIERRE WELTER

Eine von vielen „Nice Bar“-Schlägereien wird zurzeit vor Gericht verhandelt

In Hollerich nichts Neues: Wieder einmal kam es zu einer heftigen Schlägerei in der „Nice Bar“ in der Straßburger Straße.

Am 20. Juni 2014 gegen 20.45 geraten vier Männer nigerianischer Herkunft aneinander und verletzen dabei einen anderen Mann schwer. Einer von ihnen, der 36-jährige Christoph N., steht vor der Kriminalkammer Luxemburg und muss sich wegen versuchtem Totschlags und schwerer Körperverletzung verantworten. Den zwei anderen Nigerianer wird Mittäterschaft in beiden Fällen vorgeworfen.

Mit gültigen Papieren

Zweien wird außerdem Fälschungen von Personalausweisen, Arbeitsgenehmigungen und Pässen vorgeworfen. Die meisten von ihnen hätten italienische Aufenthaltsgenehmigungen, die in Rom für drei Monate ausgestellt wurden. Also gültige Papiere, mit denen die Leute in ganz Europa reisen können, sagte ein Polizist.

Gegen 20.45 trafen die Beamten am Tattag am Ort des Geschehens ein. Eine größere Anzahl von Männern stand zu diesem Zeitpunkt vor der Bar. Der Beamte gab zu Protokoll, dass es sich um 15 bis 20 Männer schwarzer Hautfarbe gehandelte habe.

Ein blutüberströmter Mann sei auf die Menge zu gegangen und hätte stark gestikuliert. Ob er eine Waffe bei sich gehabt hat, konnte nachträglich nicht mehr geklärt werden. Anscheinend wollte der Mann sich an jemanden aus der Menge rächen. Bei dem Verletzten handelte es sich den 28-jährigen Peter I. Laut Polizei soll es sich um zwei rivalisierende Banden gehandelt haben, die sich permanent bekämpfen. Es sei wie immer um etwas Banales gegangen, sagte einer der Beamte. Es hätte jemand vor der Tür der Bar gerufen: „Geht rein und legt ihn um“. Der Beamte gab weiter zu Protokoll, dass bei ihrer Ankunft die Bar wie ein Schlachtfeld ausgesehen habe; überall lagen Scherben, die Eingangstür hing aus den Angeln.

Flaschenattacke

Die Beamten kamen der Ursache des Vorfalls nur langsam auf die Spur. Christopher N. soll den 28-jährigen Peter I. zuerst mit einem Messer bedroht haben. Schließlich griff er nach einer zerbrochenen Flasche und wollte seinem Rivalen damit den Hals aufschneiden. Das Opfer hatte Glück im Unglück: Es blieb bei einer zehn Zentimeter langen Narbe an der linken Wange.

Bereits zur Beginn der Sitzung kam es zu einem Eklat. Richter Prosper Klein fragte einen der Angeklagten, wie viel er im Monat verdienen würde. Der sagte spontan: „500 bis 1.000 Euro im Jahr.“ Dafür sei er aber nicht dünn genug, antwortete Klein.

Es wird nichts gesagt

Die meisten der Nigerianer, die in der Nice Bar verkehren, haben keine Adresse in Luxemburg. Es herrscht offenbar das Gesetz der „Omerta“, des Schweigens: Sie würden niemals über einen anderen Nigerianer etwas aussagen, meint ein Beamte. „Sie regeln ihre Sachen stets unter sich“, sagte der Polizist. Es wird dem Gericht nicht leicht fallen, den Fall unter diesen Umständen aufzuklären