LUXEMBURG
PATRICK WELTER

Gemeinsame Initiative von SYVICOL und Familienministerium zur Seniorenpolitik

Eigentlich sollte es bei dieser Pressekonferenz im Familienministerium nur um die Aktion „Seniorenfreundliche Gemeinde“ gehen, die gemeinsam mit dem Städte und Gemeindebund SYVICOL ins Leben gerufen wurde. Ob es nun daran lag, dass sich nur fünf Gemeinden um diese Auszeichnung beworben hatten, oder am neu gewählten „Conseil Supérieur des Personnes Âgées“, auf jeden Fall nutzte Familienministerin Marie-Josée Jacobs den Termin zu einem seniorenpolitischen Rundumschlag, bei dem auch andere Projekte vorgestellt wurden.

„Seniorenfreundliche Gemeinde“ - keine große Nachfrage

Um die Auszeichnung als „Seniorenfreundliche Gemeinde“, verbunden mit einem Anerkennungsbetrag von 2.500 Euro, hatten sich nur fünf Gemeinden beworben, von denen vier ausgezeichnet wurden. Diese Initiative war im Rahmen des „Europäischen Jahres des aktiven Alters und der intergenerationellen Solidarität“ gestartet worden. Ausgezeichnet wurde die Gemeinde Bettenburg für ein intergenerationelles Projekt bei dem unter anderem Senioren mit Schülern im „Maison relais“ regelmäßig Schach spielen oder sie im Schach unterweisen. Esch/Alzette erhielt seine Auszeichnung für die Ausarbeitung eines kommunalen Aktionsplanes für Senioren. Ebenfalls für die Förderung des intergenerationellen Dialogs wurde der „Service Senior“ der Stadt Luxemburg ausgezeichnet, der z. B. sowohl gemeinsames Kochen zwischen Jung und Alt als auch gemeinsame Gartenarbeit der Generationen vermittelte. Der Gemeinde Sassenheim wurde das Label für das Programm „Seniorenmobilität“ verliehen.

Ministerin Jacobs sieht einen klaren Unterschied zwischen dem Dritten und dem Vierten Alter. Das Vierte Aller sieht sie gut versorgt, die Zahl der Alters- und Pflegeheime sei hoch genug, ebenso ihr Standard. Luxemburg verfüge über 7,7 Pflegebetten pro hundert Einwohner, außerdem läge das durchschnittliche Eintrittsalter immer höher, mittlerweile bei 83 Jahren. Die mittlere Verweildauer überschreite kaum anderthalb Jahre, im Laufe eines Jahres sterben 20 Prozent der Heimbewohner.

Die aktiven Alten mit einbinden

Die jungen Alten, die aktiven Alten die das „Dritte Alter“ bilden müssen gesellschaftlich besser integriert und zum Mitmachen angeregt werden - nicht zuletzt um den Mangel an Ehrenamtlichen, unter denen alle Vereine und Einrichtungen zu leiden haben, auszugleichen. Allerdings ist es ein Problem die Senioren, die aktiv am Gesellschaftsleben teilhaben könnten aber es aus Unwissen oder aus Schwellenangst nicht tun, zu mobilisieren.

„Brücken bauen, Brücken bauen, Brücken bauen...“

Die Präsidentin des RBS Zentrum für Altersfragen, Marie-Thérèse Gantenbein, brachte es mit einem Zitat auf den Punkt „Wie erreichen wir die, die wir nicht erreichen?“ „Durch Brücken bauen, Brücken bauen, Brücken bauen“ - so die überlieferte Antwort des ehemaligen Bremer Bürgermeisters Henning Scherf. Gantenbein sieht es genauso. Im Rahmen eines InterReg-Projektes mit dem Namen „Seniors Network Support“ hat man in Hesperingen einen „Hausbesuchsdienst von Senioren für Senioren“ geschaffen um mehr „Alte“ ins gesellschaftliche Leben einzubeziehen und hat, abhängig von der sozialen Struktur des jeweiligen Ortsteils gute Ergebnisse erzielt.

Jean Bohler, Präsident des europäischen Pflegeverbandes

Der bisherige Präsident des „Conseil Supérieur des Personnes Âgées“, der Leiter des Josefhauses in Remich, Jean Bohler, wurde in seinem Amt bestätigt. Jean Bohler ist außerdem seit dem 1.1.2013 Präsident des Europäischen Dachverbandes der Alten- und Pflegeheime E.D.E. .