PASCAL STEINWACHS

Man muss sich schon wundern. Da wird wochenlang allerheftigst gestritten und ein Großteil der schmutzigen Wäsche in aller Öffentlichkeit gewaschen, und dann wird auf einmal so getan, als sei das Ganze nur eine Art Missverständnis gewesen und seien die Vorgänge innerhalb der Partei in der Presse falsch interpretiert worden. Die Rede geht an dieser Stelle natürlich von der selbst ernannten Reformpartei, deren Präsident Jean Schoos beim Neujahrsempfang seiner Partei angab, die Probleme seien intern geregelt worden, wobei man sich einig geworden sei, dass die Partei und die Parteilinie über allem stünden, so dass man sich wie Erwachsene die Hand gegeben und einen Schlusspunkt gesetzt habe. Damit sei in dieser Angelegenheit alles gesagt.

Dabei war selbiger Parteichef noch in der letzten Woche in einem Interview mit dem soziokulturellen Radio davon ausgegangen, „datt een nach net um Enn vun der Geschicht wier“ und nach der Wiederwahl der erst zurückgetretenen, dann wiedergewählten Präsidentin der „adr Fraen“ mit weiteren Konsequenzen zu rechnen sei, derweil adr-Generalsekretär Alex Penning zuvor gar mit seinem Parteiaustritt gedroht hatte, sollte der - von den anderen Parteien als rassistisch angesehene - Facebook-Post von Sylvie Mischel, der eigentliche Auslöser der ganzen Chose, keine disziplinarischen Maßnahmen nach sich ziehen.

Die Präsidentin der adr Frauen und Co-Vizepräsidentin der adr trat daraufhin zwar von ihren politischen Ämtern zurück, feierte allerdings nach nicht einmal einem Monat (!) bereits ein Politcomeback, als sie auf dem Kongress der „adr Fraen“ als Präsidentin wiedergewählt wurde, womit sie gleichzeitig auch wieder Mitglied der Parteiexekutive ist. Dass der Generalsekretär die Wiederwahl Mischels zu relativieren versuchte, indem er bemerkte, dass von den 800 weiblichen Parteimitgliedern nur 17 anwesend gewesen seien, von denen wiederum sechs gegen Mischel gestimmt hätten, und dass in der Folge der Wiederwahl Mischels gar die Frauen des Parteipräsidenten und des Generalsekretärs anscheinend aus der adr ausgetreten sind, scheint inzwischen alles vergessen zu sein, ebenso wie die Forderung der adr-Frauen nach einer Erneuerung und Verjüngung der adr-Spitze noch vor dem nächsten Nationalkongress.

Wie es aussieht, hat sich der rechte Flügel um Mischel und ihren Lebensgefährten Fernand Kartheiser vorerst also durchgesetzt, zumal der langjährige CSV-Militant Schoos den Neujahrsempfang dazu nutzte, sich noch einmal gegen das Ausländerwahlrecht und die sogenannten Wirtschaftsflüchtlinge - die Lieblingsthemen der adr - auszusprechen statt Klartext zu reden.

adr-Gruppenanführer Gast Gibéryen wohnte dem Empfang übrigens nicht bei, da er am zeitgleich stattfindenden Neujahrsempfang beim Großherzog teilnehmen musste, aber in naher Zukunft wird der dienstälteste Abgeordnete ja sowieso durch den Kopf der Bewegung „Wee2050/Nee2015“, Fred Keup, ersetzt, und dann - und wir riskieren uns zu wiederholen - dürfte die adr noch mehr nach rechts rücken...