COLETTE MART

Die Luxemburger Arbeiternehmerkammer initiierte 2012 gemeinsam mit der Luxemburger Universität den „Quality of Work Index“, der einen Eindruck über die Qualität der Arbeitsplätze in Luxemburg geben soll. In diesem Rahmen werden jedes Jahr 1500 Menschen befragt, und zwar sowohl Luxemburger als auch Grenzgänger. In einer Zeit, in der Männer und Frauen berufstätig sind, und zusätzlich ihre Kinder betreuen und begleiten müssen, erscheint die Zufriedenheit am Arbeitsplatz ein wichtiges Thema im Leben jedes Einzelnen. Denn die Probleme, die die Menschen aufgrund schlechter Arbeitsbedingungen und -erfahrungen mit nach Hause nehmen, beeinträchtigen ihre Gesundheit, ihr psychisches Gleichgewicht, und demgemäß auch ihre Fähigkeiten, auf andere Menschen, insbesondere ihre Partner und ihrer Kinder einzugehen. Auch wirkt Unzufriedenheit am Arbeitsplatz sich negativ auf die Produktivität aus und fördert Krankschreibungen.

Der „Quality of Work Index“ des Jahres 2017 hat ergeben, dass die materiellen Rahmenbedingungen, sowie die Sicherheit der Arbeitsplätze in Luxemburg recht gut sind. Allerdings machen etwa die Hälfte aller Arbeitnehmer Überstunden. Dies fördert Überarbeitung, Stress und die Schwierigkeit, im Privatleben abzuschalten. 23 Prozent der Arbeitnehmer sprechen daher von „Burn Out“, und die beruflich bedingte Erschöpfung hat in den letzten Jahren zugenommen.

Die Digitalisierung der Arbeit, die große Zahl von Emails, die jeden Tag auf die Menschen am Arbeitsplatz zukommen, führen dazu, dass Menschen Tag und Nacht mit den Herausforderungen ihrer Arbeit beschäftigt sind. Darüber hinaus klagen viele über Rückenprobleme, insbesondere Handwerker und Arbeiter. Konflikte mit der Hierarchie, kontradiktorische Anweisungen, mangelnde Flexibilität der Arbeitszeiten, sowie ein schlechtes Arbeitsklima wirken sich sehr negativ auf die körperliche und psychische Gesundheit von Arbeitnehmern aus.

Sowohl Privatunternehmen als auch der öffentliche Dienst müssen demgemäß dem Wohlbefinden der Menschen am Arbeitsplatz ihre Aufmerksamkeit schenken.

Der Arbeitnehmer muss das Gefühl haben, dass seine Arbeit geschätzt wird und Teil eines ganzen Projektes ist, er muss sich respektiert fühlen, er muss Kreativität beweisen können, also eine gewisse Freiheit in der Ausführung seiner Arbeit haben, er muss in Entscheidungen impliziert werden. Anweisungen und Hierarchien müssen transparent sein, und er muss im Falle von Hänseleien und Mobbing auf den Schutz des Arbeitgebers, respektive auf Prozeduren zählen können, die ihm Sicherheit geben und seine Würde garantieren.

Arbeitnehmer müssen ebenfalls das Gefühl haben, dass sie sich weiter entwickeln können, dass sie dazu lernen und ihre Kompetenzen erweitern können, und dass diese Kompetenzen auch wahrgenommen und integriert werden. In einem gesellschaftlichen Umfeld, in dem die Würde des Menschen vielfach verloren geht, in dem viele vergeblich den Respekt ihrer Kollegen suchen, in der Ellbogenverhalten und Mangel an Empathie, sowie auch Egoismus an der Tagesordnung sind, bleibt die Zufriedenheit am Arbeitsplatz also ein weites Feld, in dem noch viel zu tun bleibt und dringender Handlungsbedarf besteht.