LUXEMBURG
LUC SPADA

Ja, was soll ich sagen? Du, das Wetter. Ja, ich weiß. Der Oktober fängt mistig an, aber dieses Gespräch wird kaum vorankommen. Wenn ich mir nicht dringend was überlege. Aber natürlich, ich weiß, du meinst es gut … Okay, ich versuche es.

Irgendwann heißt es in einem Song von Tomte „Wenn der Beat losgeht“ und dann geht der Beat los, du schaust durchs Fenster, schaust den Regentropfen zu. Wie sie landen auf Asphalt, auf den Autohauben der Statussymbole, die an dir vorbeirasen, auf müden Köpfen, die monatlich ihre Kredite abzuzahlen versuchen, auf Dächer, auf welche der Autor dieser Zeilen nur zu gerne hochsteigen würde, um in die Weite, in ihr ganzes Gewusel hinein, zu schreien: Wann geht er endlich los? Der Beat. Und zu was soll er schlagen? Zum Herzschlag? Zu kitschig. Zu den Transaktionen des Girokontos? Zu kapitalistisch. Zur Clubmusik? Zu billig.

Da stehst du also, in deine eigene äußerliche Körpererfahrung hineingedacht, und schreist. Wie im Film, denkst du. Keine Musik. Keine bahnbrechende Kameraführung. Und tatsächlich nicht einmal ein Schrei. Alles nur eingebildet, wahrscheinlich.

Und dann wirst du wach. Du stehst auf, die Tür des Kleiderschranks steht sperrangelweitoffen. Sie lässt sich nicht mehr schließen. Im Zimmer ist es dunkel. Du knallst mit dem Kopf gegen den Innenspiegel der besagten Tür. Du zückst das Telefon, willst den Namen deines Vertrauens anschreiben, wenn handwerkliche Herausforderungen anstehen. SMS, Whatsapp kann er nicht. Du erschreckst, denn die Nummer des Gewählten ist nicht mehr erreichbar. Die Person dahinter auch nicht mehr. Blöde Gewohnheiten, die sich in die linke Gehirnhälfte reingeritzt haben. Das Handy legst du auf die Kommode neben dir. In Zukunft wirst du einen richtigen Handwerker benötigen. Denn du kannst nur schreiben. Und auch daran zweifelst du oft. Es stellt sich heraus, dass deine Freundin ungeahnte Kompetenzen vor dir verheimlicht hat. Man lernt immer dazu. Der Schrank wieder heile.

Du ziehst dich aus, gehst in die Dusche, ziehst dich wieder an, putzt die Zähne, schmierst Wachs in die Haare, trinkst Espresso, isst das harte Brot von gestern und stellst fest, dass dir der Alltag nicht geschenkt wird. „Ich habe Dämonen gesagt, was mir nicht passt“, heißt es im selben Lied, während weiter der Beat voll reinhaut. Wie sie in Berlin in den wirklich angesagten Clubs sagen …

Voll nett von dir, deine Frage, wie es mir geht. Und wieder und wieder. Irgendwie gut. Auch gut, dass die Frage gestellt wird. Noch besser: Ich muss mir wirklich Gedanken machen, um die immer gleiche Frage zu beantworten. Alltägliche Fragen und besonders die Antworten auf solche sind ebenso wenig geschenkt. Oder: Veränderung entsteht durch Veränderung. Der Umgang mit ihr nicht immer leicht, aber ja, ein Dach über dem Kopf, der Dispo noch nicht ganz ausgeschöpft, sozial gut vernetzt. Es geht mir gut. Dir hoffentlich auch.