HAMBURG
CHRISTIAN SPIELMANN

Der Millionär und die Prostituierte: „Pretty Woman - Das Musical“ jetzt in Hamburg

Garry Marshalls Kino-Blockbuster „Pretty Woman“ sorgt 1990 dafür, dass sich die Herzen der Kinozuschauer an einer ungewöhnlichen Liebesgeschichte erweichen können: Der Millionär Edward Lewis (Richard Gere) verliebt sich in die Prostituierte Vivian Ward (Julia Roberts) so wie im Märchen. Der Film macht Julia Roberts zu einem Weltstar. Der Filmtitel basiert auf dem gleichnamigen Song von Roy Orbison aus dem Jahr 1964. Wie es in den letzten Jahren Tradition ist, wurde aus diesem Film 2018 ein Broadway-Musical, zu dem kein Geringerer wie Bryan Adams die Musik komponierte, in Zusammenarbeit mit Jim Vallance. Stage Entertainment hat die Show nun nach Hamburg ins eigene Stage Theater an der Elbe geholt. Jerry Mitchell inszeniert die Show, wie bereits im Nederlander Theatre, wo das Musical bis August zu sehen war.

Zwei Existenzen ändern sich

Vivian (Piek van de Kaaden) bestreitet am Hollywood Boulevard ihre Existenz als Prostituierte. Zusammen mit ihrer besten Freundin Kit (Maricel) träumt sie von einem besseren Leben. Der reiche Geschäftsmann Edward (Mark Seibert) verirrt sich auf dem Boulevard. Weil er Probleme mit der Gangschaltung seines geliehenen Sportwagens hat und Vivian sich bestens darin auskennt, fährt sie ihn in das Beverly Wilshire Hotel. Edward ist von der Schönheit und der legeren lustigen Art von Vivian angetan und lädt sie auf sein Zimmer ein. Schließlich bietet er ihr an, eine Woche lang seine Begleiterin zu sein, gegen ein entsprechendes Entgelt. Zuerst muss Vivian eine neue Garderobe erhalten, nur wird eine Frau mit ihrem Aussehen nicht dementsprechend auf dem Rodeo Drive bedient. Glücklicherweise findet sie im Hotelportier Barney (Marco Heinrich) und dem Pagen Giulio (Johnny Galeandro) zwei Komplizen, die ihr beistehen.

Edward kauft Firmen auf, die dem Ruin nahe sind, um die rentablen Einzelteile weiterzuverkaufen. Vivian versteht nicht, warum er die Firma von James Morse (Frank Logemann) kaufen will und dabei viele Arbeitsplätze aufs Spiel setzt. Vivians Ansicht geht Edward zu Herzen.

Starke Besetzung

Leider spielte die Erstbesetzung Patricia Meeden in der besuchten Vorstellung nicht die Vivian. Doch die Niederländerin Piek van de Kaaden war ein ebenbürtiger Ersatz. Sie stand in den Hit-Musicals „De Jantjes“ und „Soldaat van Oranje“ auf der Bühne, und in Hamburg spielte sie in „Ghost“. Sie hat eine schöne klare Stimme und versteht es, Vivian mit viel Energie zu spielen, aber auch mal ganz verliebt daher zu kommen.

Mark Seibert gehört zur ersten Garde der Musical-Darsteller in Deutschland. Als Edward ist er stets adrett gekleidet und benimmt sich wie ein Gentleman aus dem „Knigge“. Doch in Vivians Begleitung verändert er sich langsam und wird sogar zum Ritter. Stimmlich ist Seibert auf der Höhe und singt in absoluter Perfektion, wobei besonders die Interpretation von „Freiheit“ hervorsticht. Ausgezeichnet spielt Maricel die Rolle der Kit und singt mit einer starken Stimme ihr Solo „Rodeo Drive“. Marco Heinrich spielt auch den Happy Man, ein Hippie, der auf dem Hollywood Boulevard für gute Stimmung sorgt, zum Beispiel mit dem Eröffnungssong „Willkommen in Hollywood“. Roy Orbisons Evergreen wird als Zugabe vom ganzen Ensemble gesungen.

Die Lieder von Bryan Adams und Jim Vallance klingen insgesamt recht gut, auch wenn sich kein Song speziell hervortut und einige an vergangene Hits von Adams erinnern und sogar ein Touch von Andrew Lloyd Webber nicht zu überhören ist - „In einer Nacht, wie heute Nacht“.

Das Musical versteht es wie der Film, eine einfache Geschichte mit vielen originellen Einfällen und Gefühl unterhaltsam zu erzählen. Somit ist „Pretty Woman - Das Musical“ beim nächsten Hamburg-Besuch ein Muss. Das Theater befindet sich neben dem Stage Theater im Hafen, wo „Der König der Löwen“ seit 18 Jahren läuft. Die Theater werden mit Schiffen ab den Landungsbrücken bedient.

Weitere Informationen findet man auf www.stage-entertainment.de, wo man auch Tickets buchen kann.