LUXEMBURG
BODO BOST

Die Diözese Luxemburg feiert 2020 ihr 150-jähriges Bestehen

Luxemburg gilt zwar schon seit Römerzeiten als christianisiert, Luxemburger legten die Grundlagen für die Kirchen in vielen Ländern, in den Niederlanden, am Amazonas, in Bangladesch und auf den Salomonen Inseln, aber ein eigenes Bistum wurde Luxemburg erst sehr spät, im Jahre 1870. Der Wunsch nach einer eigenen Diözese bestand jedoch seit dem 15. Jahrhundert. Damals gehörten die Katholiken im heutigen Staatsgebiet entweder zu den Diözesen Trier oder Lüttich. An den Bischöfen dieser beiden Bistümer scheiterte der Wunsch nach kirchlicher Eigenständigkeit, und auch an dem Widerstand starker Klöster wie Neumünster oder Echternach. Trier wollte im 18. Jahrhundert Luxemburg nicht einmal ein eigenes Archidiakonat genehmigen. Der Trierer Teil des Bistums blieb den Archidiakonaten Tholey im Saarland und Longuyon in Frankreich zugeordnet.

Erst im Zuge der Französischen Revolution und Napoleon I., als die Klöster aufgelöst und Bistümer neu geordnet wurden, änderte sich die Lage. Napoleon schuf nicht nur 1801 ein Konkordat, das bis 2013 Bestand hatte, er einte die Luxemburger Katholiken auch erstmals in einem eigenen Kirchenbezirk; sie wurden erst dem Bistum Metz, später Namur zugeordnet. Auf die politische Autonomie Luxemburgs seit dem Wiener Kongress von 1815 folgte die kirchliche. Als Vorstufe wurde zunächst 1840 ein Apostolisches Vikariat errichtet, 1870 dann die Diözese Luxemburg geschaffen.

Bischof Adames und das Konzil

Am 28. Juni 1870, mitten in den Schlußverhandlungen des 1. Vatikanischen Konzils, verkündete Papst Pius IX., dass das Apostolische Vikariat Luxemburg zum Bistum erhoben wird. Dass dies während eines Konzils, dem ersten seit 300 Jahren, als alle Bischöfe der katholischen Weltkirche in Rom versammelt waren, geschah, war auch eine Folge der wichtigen Rolle, die der damalige Luxemburger Apostolische Vikar, Nikolaus Adames, während des Konzil gespielt hat. Adames war im November 1869 nach Rom aufgebrochen und kam im Juli 1870 als Diözesanbischof nach Luxemburg zurück. Aus seinem damals geführten Tagebuch geht hervor, wie fleißig Bischof Adames hinter den Kulissen der öffentlichen Sitzungsperioden die Werbetrommel für das Hauptanliegen des Konzils, nämlich das Unfehlbarkeitsdogma des Papstes, getrommelt hatte.

Zu den Kritikern dieses Dogmas zählten vor allem die deutschsprachigen und französischen Theologen. Sie lehnten eine Zuspitzung päpstlicher Autorität in der Glaubenslehre ab. Einer ihrer Wortführer war der angesehene Münchner Theologe Ignaz von Döllinger, der selbst nicht am Konzil teilnahm. Während vielen Wochen agierte Nikolaus Adames, wie sein Tagebuch beweist, der dort von den „guten Bischöfen“ sprach, wenn er die Mehrheit meinte, im Hintergrund und konnte viele seiner deutschen und französischen Amtsbrüder wenn auch nicht zu einer Zustimmung so doch von einer Duldung des Dogmas überzeugen.

Das von Pius IX. 1867 angekündigte Konzil, war ein Reflex auf die Umbrüche des 19. Jahrhunderts. Nach der Französischen Revolution war es ab 1848 zu einer Restauration auch in der Kirche gekommen. Papst Pius IX, seit 1846 im Amt, lehnte, die „Irrtümer“ der Zeit, wie Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit oder auch die Volkssouveränität ab, und hatte 1864 in bewusster Ablehnung der Moderne die Enzyklika „Syllabus“ verfasst. Papst Pius IX. als Befürworter des Unfehlbarkeitsgedankens wusste zwei Drittel der etwa 800 Konzilsväter hinter sich. Unter ihnen waren vor allem Spanier, Lateinamerikaner und Italiener. Hauptwortführer war jedoch der englische Erzbischof Henry Edward Manning (Westminster). Sein britischer Amtsbruder, John Henri Newman, hatte es abgelehnt zum Konzil zu kommen. Manning hatte Adames schon vier Tage vor Eröffnung des Konzils am 4. Dezember 1869 in seiner Unterkunft in Rom besucht, um eine „Conspiration gegen die Dogmatisierung der Unfehlbarkeit“ zu entlarven.

Donnergrollen über der Peterskirche

Manning glaubte, dass der Luxemburger sowohl bei deutschsprachigen als auch französischsprachigen Bischöfen über Einfluss verfügte. Adames wollte vor allem über die „guten“ Bischöfe von Regensburg und Paderborn die anderen deutschen Amtsbrüder umstimmen, was ihm jedoch nicht gelang. Nur die Minderheit wollte eine Rückbindung der Unfehlbarkeit an die Kirche. Wortführer dieser Gruppe waren die deutschsprachigen Bischöfe Wilhelm Emmanuel von Ketteler (Mainz) und Karl Joseph von Hefele (Rottenburg) sowie die Franzosen Georges Darboy (Nancy) und Félix Dupanloup (Orléans).

Die radikalen Unfehlbarkeitsverfechter standen der Minderheit unversöhnlich gegenüber, während eine Mehrheit von Gemäßigten um einen Kompromiss rang. Bei der vorläufigen Schlussabstimmung am 13. Juli 1870 stimmten von den 601 anwesenden Konzilsvätern 88 mit Nein und 62 mit dem Wunsch nach Änderungen, 50 waren erst gar nicht erschienen. Nachdem sich die Niederlage der Minderheit abgezeichnet hatte, reisten 57 Bischöfe vorzeitig aus Rom ab. Sie zogen diesen Schritt vor, um nicht in Anwesenheit des Pontifex gegen die Dogmatisierung des Papstamtes stimmen zu müssen. Die Dogmatisierung der Unfehlbarkeit des Papstes wurde schließlich am 18. Juli 1870 mit 535 Stimmen angenommen - bei nur zwei Gegenstimmen, mehr als 250 Bischöfe waren bereits abgereist, nicht jedoch Bischof Adames. Als der Papst dieses Ergebnis in der Peterskirche verkündete, wurde es plötzlich am helllichten Tag infolge eines starken Unwetters mit Donnern und Blitzen in der Peterskirche völlig dunkel. Nur mit Kerzenleuchten konnte der Papst den Text noch zu Ende lesen. Für viele Teilnehmer war dies ein Zeichen von Gottesgroll. Am Tag darauf brach zwischen Deutschland und Frankreich ein Krieg aus, die französischen Truppen wurden aus Rom abgezogen. Am 20. September 1870 zogen piemontesische Truppen kampflos in den Kirchenstaat, damals noch die Stadt Rom und seine Umgebung, ein und lösten ihn und damit auch das formal nicht beendete Konzil auf. Die eigentliche weltliche Machtbasis des Papstes, die das Konzil durch den geistigen Primat noch mehr festigen sollte, war endgültig verloren. Erst 1929 wurde mit den Lateranverträgen wieder ein päpstlicher Ministaat, der Vatikan, geschaffen. Das Zweite Vatikanische Konzil (1962-65) konnte das Dogma von der Unfehlbarkeit des Papstes relativieren und in ein neues Verständnis der Kollegialität der Bischöfe einbetten.

Erzdiözese seit 1988

Am 27. September 1870, der Papst war schon ein Gefangener im Vatikan, erhob Pius IX. mit der Breve „In hac Beati Petri Cathedra“ das Apostolische Vikariat Luxemburg zu einem eigenen Bistum, das direkt Rom unterstellt war. Erst am 23. Juni 1873 wurde die Bistumskreierung durch „Königlich-Großherzoglichen Beschluss“ von der Luxemburger Behörde unterzeichnet und anerkannt. Erst 1909 erhielt das Bistum von Rom seine volle Souveränität, 1988 wurde die Diözese, nach dem Besuch des Papstes Johannes Paul II., zur Erzdiözese erhoben. Die Erzdiözese Luxemburg wollte in diesem Jahr ihren 150. Geburtstag unter dem Leitwort „Zusammen Kirche sein“ mit einem bunten Jubiläums-Programm ausgiebig feiern. Das Corona-Virus hat dies jedoch bereits Anfang März abrupt abgebrochen. Übrig blieben ein neues Buch zur Geschichte des Bistums von Prof. Hellinghausen, ein Comic über den Heiligen Willibrord und eine Sonderbriefmarke der Luxemburger Post.